Professor Wilhelm Roese wirkte im 19. Jahrhundert in Berliner Reichsdruckerei

Vertrauter des Kaisers: Berühmter Frankenberger wird erst jetzt gewürdigt

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Der Schreufaer Heimatforscher Karl-Heinz Hartmann, hier mit einem für Kaiser Wilhelm II. von Roese illustrierten Festbuch, das Wilhelm I. zeigt, hat den Frankenberger Kaiser-Freund Wilhelm Roese wiederentdeckt und gewürdigt.

Frankenberg. In Berlin leitete ein Frankenberger im 19. Jahrhundert die Kupferstich-Abteilung der Reichsdruckerei, in der Briefmarken entworfen und Kunstwerke großer Meister in einem von ihm entwickelten Spezialverfahren gedruckt wurden.

Der berühmte Kunstprofessor und Kaiserfreund Wilhelm Roese, geboren in Frankenberg am 11. Oktober 1835, geriet in seiner Heimatstadt in Vergessenheit.

Er schuf die Grafikvorlagen für millionenfach gedruckte Briefmarken und Geldscheine des Deutschen Reiches, war solch eine Kapazität auf dem Gebiet des Kunstdrucks, dass Kaiser Wilhelm II. in Berlin persönlich seinen Kontakt suchte – aber in seiner Heimatstadt Frankenberg kennt ihn bisher keiner: Wilhelm Roese, Königlicher Professor und Direktor der Kupferstichabteilung der Reichsdruckerei in Berlin, der am 11. Oktober 1835 in einem Haus auf der Burg (Nr. 130, heute etwa beim Dekanat) geboren wurde.

Einzig bekanntes Bild: Die Vossische Zeitung gratulierte damit Wilhelm Roese zu seinem 70. Geburtstag am 11. Oktober 1905

„Er wäre es wert, dass man sich in Frankenberg an ihn als berühmten Sohn der Stadt erinnert“, findet der pensionierte Pädagoge und Literaturfreund Karl-Heinz Hartmann in Schreufa. Hartmann nahm den 100. Todestag Wilhelm Roeses am 2. April 2018 zum Anlass, die Ergebnisse seiner Forschungen über diesen Mann vorzustellen. Sie werden ab dem 24.März in unserer HNA-Wochenendserie „Blick zurück“ erstmals erscheinen.

„Ich halte Roese für einen so bedeutenden Meister der Drucktechnik und großartigen Künstler, dass er nicht dem Staub des Vergessens anheimfallen sollte“, sagt Hartmann. Er hat in den vergangenen Jahren mit Archiven und Behörden in Berlin und in Wien korrespondiert, Röses Lebensweg von Frankenberg über Kassel nach Amerika (dort wurde sein Name in „Roese“ geändert) und zurück nach Berlin verfolgt, aber nie ein Bild von ihm gefunden.

Erst jetzt konnte ihm die Bundesdruckerei in Berlin helfen, wo man noch Akten vom Direktor der „chalkographischen Abteilung“ (Kupferstiche) aufbewahrte. Darunter war auch ein Artikel der „Vossischen Zeitung“ zu Roeses 70. Geburtstag am 11. Oktober 1905, illustriert mit einem kleinen, runden Medaillonbild – dem bisher einzigen des Geheimen Regierungsrats Roese. Überschwänglich werden seine „glänzenden Leistungen“ auch um Kunstdruck und die Faksimile-Reproduktion von Kunstwerken gewürdigt.

Frankenberger Philatelisten: Ihr Vorsitzender Klaus Kästner besitzt in seiner Sammlung „Deutsches Reich“, ohne es bisher zu wissen, auch Motive von Wilhelm Roese.

„Wir haben Sammler in unseren Reihen, die sich auf Briefmarken des Deutschen Reichs spezialisiert haben und die von Wilhelm Roese gestalteten Stücke in ihren Alben aufbewahren. Aber dass er ein Frankenberger war – das ist eine echte Entdeckung“, freut sich in Wiesenfeld Klaus Kästner, Vorsitzender des Frankenberger Philatelisten-Vereins.

Er hat sofort in seiner eigenen Sammlung nachgeschaut und neben dem Dauerwert „Germania“ das von Wilhelm Roese gestochene Motiv „Nord Süd“ im Wert von zwei Mark entdeckt. „Eine wunderbare Arbeit. Es gab mindestens drei Farbnuancen“, stellte Kästner fest. „Wir werden in unserem Verein diese Briefmarken mit anderen Augen sehen.“

Quelle: HNA

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