Bürgermeister ziehen nach 100 Tagen erste Bilanz

Gemeinden sparen gemeinsam schon Zehntausende Euro

Allendorf/Bromskirchen. Die beiden Bürgermeister Claus Junghenn (Allendorf) und Karl-Friedrich Frese (Bromskirchen) ziehen eine erste Bilanz zur Verwaltungsgemeinschaft ihrer Gemeinden.

Die Verwaltungsgemeinschaft der Gemeinden Allendorf-Eder und Bromskirchen läuft seit 100 Tagen. Die HNA hat die beiden Bürgermeister Claus Junghenn (Allendorf) und Karl-Friedrich Frese (Bromskirchen) um eine erste Bilanz für diese hessenweit einmalige Zusammenarbeit in Verwaltungsaufgaben gebeten.

„Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass sich durch das Gemeinsame fast immer finanzielle Synergien ergeben“, sagen die beiden Bürgermeister, die die Interviewfragen der HNA schriftlich und gemeinsam beantwortet haben. Und sie nennen Zahlen: Bei Sach- und Verwaltungskosten liege der Spareffekt bei 18.500 Euro im Jahr, beim Personal seien rund 50.000 Euro möglich. Nun soll die Zusammenarbeit ausgeweitet werden, zum Beispiel auf die Bauhöfe.

Herr Frese und Herr Junghenn, welches Fazit ziehen Sie nach den ersten 100 Tagen Ihrer Verwaltungsgemeinschaft?

Frese und Junghenn: Die Zusammenlegung der beiden Gemeindeverwaltungen unter dem Dach der Verwaltungsgemeinschaft war eine gute und richtige Entscheidung.

In welchen Bereichen der Verwaltung funktioniert die Zusammenarbeit gut, wo ist sie schwieriger als gedacht?

Frese und Junghenn: Wie zu erwarten, funktioniert die Zusammenarbeit in den Bereichen Kasse/Finanzwesen, Steueramt, Personalwesen, Einwohnermeldewesen, Standesamt und Ordnungsamt völlig unproblematisch. In einigen der Bereiche gab es ja in Teilen auch vorher schon eine Zusammenarbeit. Das ist vertieft und ausgeweitet worden und klappt gut. In anderen Bereichen müssen die Mitarbeiter und wir erst noch Kenntnisse erwerben von der jeweiligen örtlichen Situation. Das gilt für Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung oder Bauunterhaltung und die Gemeindeplanung. Hier wird die Zusammenführung der Verwaltungen noch etwas Zeit brauchen, aber sie macht auch dort Sinn, wie einzelne punktuelle Zusammenarbeiten gezeigt haben. Und das waren auch die Bereiche, in denen wir entschieden hatten, die Zusammenführung nach und nach in Angriff zu nehmen.

Gibt es schon Effekte, die man finanziell bemessen kann? 

Frese und Junghenn: Die Einspareffekte bei den Sach- und Verwaltungskosten lassen sich derzeit auf rund 18 500 Euro beziffern. In einigen Bereichen laufen noch Vorarbeiten zur Zusammenführung von EDV-Verfahren mit dem Ziel der gemeinsamen Nutzung. In anderen Bereichen werden gemeinsame Ausschreibungen vorbereitet bzw. durchgeführt. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass sich durch das Gemeinsame fast immer finanzielle Synergien ergeben.

Wie groß war die Umstellung für die Mitarbeiter?

Frese und Junghenn: Gerade die Bereiche, in denen wir intensiv zusammenarbeiten, wurden auch von der Verwaltungsgemeinschaft in beiden Gemeindeverwaltungen in gleicher oder wenigstens ähnlicher Weise bearbeitet. Der Umstellungsaufwand oder -bedarf hält sich also in Grenzen. Zudem sind unsere Mitarbeiter motiviert an die Sache herangegangen und immer interessiert daran, dass die Verwaltungsgemeinschaft auch funktioniert. Zusätzliche Mitarbeiter werden nicht benötigt. Im Gegenteil nutzen wir gerade die Fluktuation in der Mitarbeiterschaft, um in allerdings zunächst begrenztem Umfang Personal abzubauen. Daraus ergibt sich eine voraussichtliche Verringerung der Personalkosten um rund 50 000 Euro im Jahr.

Gab es Resonanz der Bürger? Konnte der Service vor Ort aufrechterhalten werden?

Frese und Junghenn:  Wie im Vorfeld kommuniziert, ist die Qualität der Verwaltung eher besser geworden. Die Präsenz vor Ort ist unverändert geblieben. Für die Bürger gab es keinerlei nachteilige Auswirkungen durch die Verwaltungsgemeinschaft. Ganz im Gegenteil gab es Lob, weil Bürger beider Gemeinden, die den Arbeitsplatz in der jeweils anderen Gemeinde haben, Verwaltungsangelegenheiten in der Verwaltung des Arbeitsortes einfach und schnell in der Mittagspause oder nach Feierabend erledigen können.

 

Wie ist die überregionale Resonanz, das Interesse anderer Kommunen an der Verwaltungsgemeinschaft, die ja ein Pilotprojekt in Hessen ist?

Frese und Junghenn:Gerade in der ersten Zeit haben wir eine ganze Reihe von Nachfragen aus dem gesamten Land Hessen über unsere Verwaltungsgemeinschaft bekommen und unsere ersten Erfahrungen auch gerne weitergegeben. Hier und da gibt es inzwischen auch Überlegungen hin zu Verwaltungsgemeinschaften oder wie im Odenwaldkreis sogar zu Gemeindefusionen.

Wie geht es weiter mit Ihrer Verwaltungsgemeinschaft? Werden weitere Bereiche zusammengelegt, müssen Abläufe abgestimmt werden?

Frese und Junghenn: Es ist sicher sinnvoll und im Interesse weiterer Einspareffekte, wenn nach und nach alle Verwaltungsbereiche zusammengelegt werden. Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung können die nächsten Schwerpunkte sein. Wir werden das mit den Gremien diskutieren. Die Bauhöfe hatten wir bisher nicht in den Mittelpunkt unserer Überlegungen zur Zusammenarbeit einbezogen. Die ersten Erfahrungen zeigen aber: Die Kollegen verstehen sich gut und die Zusammenarbeit funktioniert. Also werden wir auch diesen Bereich in weitere Überlegungen einbeziehen können.

Quelle: HNA

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