Frankenberg

Viel kriminelle Energie, wenig Einsicht

- Frankenberg (jos). Eine Gruppe Jugendlicher im Alter von 14 bis 19 Jahren offenbarte am Montag bei einer Verhandlung im Frankenberger Amtsgericht viel kriminelle Energie und wenig Einsicht. Unter anderem wurde den jungen Leuten ein versuchter Einbruch in einen Frankenberger Kaufmarkt vorgeworfen.

Auf der Anklagebank hätten eigentlich drei Jugendliche sitzen sollen. Doch ein 14-Jähriger war einfach nicht zu der Verhandlung erschienen. Richterin Andrea Hülshorst wollte den Schüler von der Polizei aus dem Unterricht holen lassen – doch auch in seiner Schule fehlte der 14-Jährige unentschuldigt. Das Verfahren gegen den Siebtklässler wurde deshalb kurzfristig abgetrennt. Zu einem neuen Verhandlungstermin soll er von der Polizei vorgeführt werden.

Noch mehr als das Verhalten der unter anderem wegen eines versuchten Einbruchdiebstahls angeklagten Jugendlichen schockierte gestern Morgen die Art und Weise, in der ein 14-jähriger Zeuge vor Gericht trat. Selbst Richterin Hülshorst, die einiges gewöhnt sein dürfte, schüttelte nur noch mit dem Kopf und sagte verständnislos: „Er lacht sich einen ab.“ Dabei hatte sie dem Jugendlichen gerade erst deutlich gemacht, dass er eigentlich selber auf der Anklagebank sitzen müsste. Nur weil er zum Tatzeitpunkt erst 13 gewesen sei, gelte er in diesem Verfahren als strafunmündig.

Der Jugendliche indessen genoss es offensichtlich, im Mittelpunkt zu stehen. Auch als die Richterin eine Seite aus den Akten hochhielt und mit ernster Miene fragte, ob er die kenne, schmunzelte der Jugendliche weiter vor sich hin. Es handelte sich um eine Seite aus einem Schulheft. Der mittlerweile 14-Jährige hatte einem Mitschüler im Unterricht in Form eines Interviews berichten sollen, was er in den Ferien gemacht hat. Geradezu angeberisch hatte der Jugendliche seinem Mitschüler von dem versuchten Einbruch berichtet, der am Montag vor Gericht verhandelt wurde.

In einem Frankenberger Kaufmarkt wollte die vierköpfige Clique demnach unter anderem Spielekonsolen, Zigaretten und Schnaps stehlen. „Und jeder wollte sich einen Hockeyschläger holen, falls der alte Krüppelsack kommt, dass wir ihm einen überziehen können“, hatte der 14-Jährige seinem Mitschüler berichtet. Soweit kam es zum Glück für alle Beteiligten allerdings nicht – denn die Jugendlichen scheiterten schon beim Versuch, in den Kaufmarkt einzubrechen.

An krimineller Energie mangelte es ihnen allerdings offensichtlich nicht: Zwei der Beteiligten hatten in einem Baumarkt einen Glasschneider gestohlen. Doch die Jugendlichen waren zu ungeschickt, damit umzugehen. Von dem Versuch, die Scheibe eines Schaufensters letztlich mit einem Stein zu zerschlagen, wurden die Jugendlichen von der Polizei aufgehalten. Laut Staatsanwaltschaft hatten die Mutter und die Schwester des ältesten Angeklagten die Beamten zwischenzeitlich alarmiert.

Die 16 und 19 Jahre alten Angeklagten räumten den versuchten Einbruch vor Gericht ein. Der 19-Jährige gestand auch, dass er sich gemeinsam mit dem 14-jährigen Zeugen an einem Abend vor dem versuchten Einbruch in dem Frankenberger Kaufmarkt versteckt hatte. Nach Ladenschluss haben die beiden Jugendlichen Zigaretten und eine kleine Summe Bargeld aus dem Laden gestohlen. In einer Tür steckte offensichtlich ein Schlüssel von innen, so dass die Diebe ohne Mühe fliehen konnten.

Der 19-Jährige gab außerdem zu, in zwei anderen Frankenberger Supermärkten Whiskey und Marzipan-Pralinen gestohlen zu haben. „So kann es nicht weitergehen“, betonte Richterin Hülshorst. In ihrem Urteil wandte sie bei beiden Angeklagten Jugendstrafrecht an. Den 19-Jährigen verurteilte die Richterin zu zwei Wochen Dauerarrest und 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Der 16-Jährige muss für ein Wochenende in Arrest und 20 Stunden Arbeit ableisten.

Die Mutter des 19-Jährigen musste während der Urteilsverkündung den Saal verlassen. Richterin Hülshorst warf sie raus, weil sie andauernd lachte. Die Mutter des 16-Jährigen machte sich ebenfalls einen Spaß aus dem Prozess und gab vor der Urteilsverkündung animalische Laute von sich. Vom Gericht erhielt sie ein Formular, mit dem sie Einspruch gegen die Verurteilung ihres Sohnes einlegen kann. Mit dem A4-Blatt hat die Frau allerdings etwas anderes vor. Sie sagte zumindest, sie werde daraus einen Papierflieger bauen.

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