Neue Anlage soll Ende 2013 in Betrieb genommen werden · Projekt kostet sieben Millionen Euro

Viessmann baut zweite Biogasanlage

Allendorf (Eder) - Heiztechnikhersteller Viessmann hat in Allendorf mit dem Bau einer zweiten Biogasanlage begonnen, die rein rechnerisch 1650 Haushalte mit Strom versorgen kann.

Rund sieben Millionen Euro investiert Viessmann in den Bau einer weiteren Biogasanlage. Dies teilte der Heiztechnikhersteller am Dienstag mit. Die Fertigstellung der neuen Anlage in der Viessmannstraße ist für Ende 2013 geplant. In Nachbarschaft zur bestehende Anlage soll eine Nassfermentationsanlage der Tochter-Gesellschaft Schmack errichtet werden. Sie soll aus 15000 Tonnen Substrat jährlich 1,6 Millionen Kubikmeter Biogas erzeugt. Rein rechnerisch können damit 1650 Haushalte mit Strom und 370 Haushalte mit Wärme versorgt werden.

Mit einem von der Viessmann-Tochter Carbotech entwickelten Verfahren wird das gewonnene Biogas auf Erdgasqualität aufbereitet und in das öffentliche Gasnetz eingespeist. „So ist seine Nutzung zur Strom- beziehungsweise Wärmeerzeugung unabhängig von seiner Entstehung überall dort möglich, wo ein Erdgasanschluss vorhanden ist“, erläutert das Unternehmen. Darüber hinaus könne das Gasnetz als Speicher genutzt und so die Erzeugung und der Einsatz des Gases zeitlich entkoppelt werden. Die Substratversorgung erfolge durch örtliche Landwirte und den Maschinenring Waldeck-Frankenberg, hieß es von Viessmann.

Die im August 2010 in Betrieb genommene Anlage arbeitet auf Basis der Trockenfermentation. Die 2,5 Millionen Euro teure Anlage gewinnt aus 4500 Tonnen Substrat jährlich mehr als 500?000 Kubikmeter Biogas, das in dem Blockheizkraftwerk zu 1,2 Millionen Kilowattstunden elektrische und 1,5 Millionen Kilowattstunden thermische Energie umgewandelt wird. Das Unternehmen deckt damit vier Prozent seines elektrischen und drei Prozent des thermischen Bedarfs. „Dies ist ein sehr effizientes Konzept, bedingt aber einen ganzjährig bestehenden Wärmebedarf in unmittelbarer Nähe, der die Wärmeleistung des Blockheizkraftwerkes aufnimmt“, so das Unternehmen. Dies sei in Allendorf durch den Produktionsstandort gegeben.

Das Konzept der neuen Anlage, auch Einspeiseanlage genannt, zeige eine Alternative auf, Biogas wirtschaftlich zu erzeugen und zu nutzen, wenn keine „Wärmesenke“ zur Verfügung stehe. Auch die zweite Biogasanlage in Allendorf werde nicht nur zur Energieerzeugung und zu Demonstrationszwecken genutzt, sondern auch als Forschungs- und Entwicklungsanlage. „Dabei geht es unter anderem um die Themen Gasaufbereitung und Einspeisung von Bioerdgas ins Erdgasnetz sowie die Speicherung von überschüssigem Windstrom im Erdgasnetz.“ Um Biogas ins Erdgasnetz einspeisen zu können, muss es zuvor auf Erdgasqualität aufbereitet werden, indem das enthaltene Kohlendioxid abgetrennt wird. Das Viessmann-Tochterunternehmen Carbotech setzt dazu den physikalischen Prozess der Druckwechseladsorption ein. „Ein besonderer Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, dass es mit niedrigen Drücken auskommt und deshalb einen geringen Energiebedarf hat."

In der neuen Allendorfer Biogasanlage soll ein neuartiges mikrobiologisches Verfahren zur Erzeugung von synthetischem Methan aus erneuerbaren Energien erprobt werden, das vom Viessmann-Tochterunternehmen Microb-Energy entwickelt wird. „Dieses Verfahren eröffnet unter Nutzung der bestehenden Erdgas-Infrastruktur eine ganz neue Perspektive für die Energiespeicherung“, erklärt Viessmann. Gleichzeitig sorge es für den Ausgleich der Volatilität von erneuerbaren Energieträgern wie Wind und Strom sowie für den Transport der Energie vom Erzeugungsort zu weit entfernten Verbrauchern. Aus überschüssigem Strom aus erneuerbaren Energieträgern wird durch eine Elektrolyse Wasserstoff gewonnen, der mithilfe von Mikroorganismen zusammen mit dem bei der Biogaserzeugung und der Gasaufbereitung frei werdenden CO2 in synthetisches Methan umgewandelt wird. Dieses Gas kann, ebenso wie aufbereitetes Biogas, in das Erdgasnetz mit seiner immensen Speicherkapazität eingespeist und unabhängig vom Ort und Zeitpunkt seiner Erzeugung genutzt werden. (r)

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