Haine

Viessmann erntet 1400 Tonnen Holz

- Allendorf (Haine). Ein mächtiger, mit Ketten angetriebener Traktor sägt die Pappelstämme ab und lädt sie auf einen Anhänger. Per Förderband werden die Pappeln abgeladen und zu mehreren Haufen aufgeschichtet.

Innerhalb von drei Jahren sind aus knapp 20 Zentimeter langen Holzstöckchen sechs Meter hohe Bäume geworden. Die schnellwachsenden Pflanzen sind ideal zur Energiegewinnung. Denn bei der Ernte bleiben knapp 15 Zentimeter kurze Stummel stehen, doch die sind schon in drei Jahren schon wieder sechs Meter hoch und können erneut geerntet werden.

Die Firma Viessmann hat die Bäume gepflanzt. „Ab nächstem Jahr wollen wir damit die Hälfte des Wärmebedarfs im Werk decken“, erklärt Moritz von Harling. Er ist im Allendorfer Unternehmen für den Anbau der nachwachsenden Energieträger verantwortlich.

Im Oberen Edertal und nahe Lehnhausen hat Viessmann insgesamt 170 Hektar Flächen gekauft, die jetzt als so genannte Kurzumtriebsplantagen genutzt werden. Im vergangenen Jahr waren kleine Flächen testweise geerntet worden, in diesen Tagen holzt ein dänischer Unternehmer die Energiepflanzen im großen Stil ab. 15 der insgesamt 45 Hektar bei Haine werden abgeschnitten. Die von einem Kettenschlepper gezogene Maschine, ein so genannter Rutensammler, schneidet die Pappeln kurz über dem Boden ab und sammelt sie. Der Fahrer verteilt die Bäume gebündelt auf mehrere Stapel, per Fließband wird das Holz abgeladen. Zwar könnten die Pappeln noch einige Jahre weiter wachsen und so jede Pflanze noch mehr Energie liefern. Das erschwert aber die Ernte, weil die Stämme immer dicker werden. Das zeitweise dichte Schneetreiben behindert die Arbeiten nicht.

Sie wurden sogar absichtlich in den Winter gelegt, sagt von Harling: „Jetzt ist der Boden hart und wird von den Fahrzeugen nicht beschädigt. Außerdem bedecken die Blätter die Erde“ – und die enthalten die Nährstoffe, sind also natürlicher Dünger. „Die Haufen bleiben liegen. Das ist ideal zum Trocknen des Holzes“, sagt von Harling.

Derzeit liegt der Feuchtigkeitsanteil noch bei 60 Prozent, im März sollen es nur noch 30 Prozent sein. Dann werden die Holzhaufen auf dem Feld gehäckselt und nach Allendorf gebracht. Der Vorteil: Das Holz muss nicht mit warmer Luft getrocknet werden, was Energie kosten würde und damit wider den Sinn der CO2-einsparenden Wärmeversorgung wäre.Dieses Prinzip unterscheidet sich von ersten Ernteversuchen, als die Pappeln direkt beim Abernten zerkleinert wurden. Moritz von Harling ist von der neuen Maschine zwar beeindruckt, doch beendet seien die Versuche noch nicht. Er will das Ernteverfahren weiterentwickeln, denn noch steckt die Ernte schnellwachsender Hölzer in den buchstäblichen Kinderschuhen. Von Harling hält das Projekt von Firmenchef Martin Viessmann für „eine der besten strategischen Entscheidungen, die je getroffen wurden“. Das Unternehmen habe einen „immensen Vorteil bei den Energiekosten“. Begleitet wird die Holzernte von Studenten der Universität Freiburg.

Etwa einen halben Hektar erntet das Gerät in einer Stunde ab – inklusivMe dem Abladen der armdicken Stämme. Bei Rennertehausen und nahe Lehnhausen werden in den nächsten Tagen weitere Pappelfelder abgeholzt. Ein weiteres Feld befindet sich bei Laisa. Von insgesamt 170 Hektar holzt die Maschine in diesen Tagen etwa 35 Hektar ab. Die Flächen gehören komplett der Firma Viessmann. „Weiteres Land wird nicht gekauft“, sagte Moritz von Harling.“

Voraussichtlich werden 1400 Tonnen Frischholz gewonnen und im Frühjahr zu Hackschnitzeln verarbeitet. Auf längere Zeit gesehen rechnet von Harling mit durchschnittlich zehn Tonnen Holz pro Jahr und Hektar. Diese zehn Tonnen ersetzen 5000 Liter Heizöl. Weil sie während des Wachsens CO2 aufnehmen, gelten die Energiepflanzen als kohlendioxidneutral, also klimafreundlich.

Etwa 20 Jahre lang können die Pappeln alle drei Jahre abgeholzt werden, dann muss neu gepflanzt werden. Der Boden sei dann aber nicht ausgelaugt, sagt Moritz von Harling: „Der Boden ist nach 20 Jahren noch hervorragend. Pappeln brauchen nur Wasser und Wärme.“

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