Generationenwechsel

Viessmann setzt auf neue Geschäftsideen im digitalen Wandel 

Max Viessmann

In Allendorf fällt der Kulturwandel mit dem Generationenwechsel an der Spitze des Unternehmens zusammen: Im Windschatten von Martin Viessmann (64) läuft sich Sohn Max (29) als Co-Chef neben Joachim Janssen für höchste Führungsaufgaben warm.

Cary verspricht viel: „Ich kümmere mich um Deinen Haushalt, weil deine Zeit zu wertvoll ist.“ Cary existiert zwar nur virtuell, dennoch managt sie – gegen eine monatliche Gebühr – Berlinern und Münchnern den Haushalt. Kümmert sich um Lebensmittellieferungen, Reinigungsdienste und Paketannahmen – erledigt die Nebenjobs im Alltag der Vollzeit-Beschäftigten. 

Zentrales Element von Cary sind elektronische Schließsysteme. Hinter Cary steht ein Team von Mitarbeitern, das diese Smart-Lock-Systeme steuert und Dienstleistern den Zugang zur Wohnung erlaubt.

Cary ist ein noch junges Mitglied der Viessmann-Gruppe aus Allendorf/Eder (Kreis Waldeck-Frankenberg), die weltweit vor allem für ihre Heiz- und Kältetechnik bekannt ist. Doch wird die Energiewende im Gebäudebereich ein Erfolg, wird der Wärmebedarf sinken. Die Viessmann-Gruppe, die 45 Prozent ihres Umsatzes hierzulande erwirtschaftet, baut daher auf neue Geschäftsideen. Die umsichtige Cary ist da nur ein Schritt in die digitale Welt.

„Wir befinden uns in einem Jahrhundertwandel“

Früher lief der Kontakt zum Endkunden im Wesentlichen über den Heizungsbauer vor Ort. Heute sind die Kunden vorab informiert und suchen Installateure mit konkreten Wünschen auf. Prof. Martin Viessmann, Präsident des Verwaltungsrats, fasst die Herausforderungen so zusammen: Die Energiewende, die das Kerngeschäft elementar beeinflusse und der Branche einen elementaren Strukturwandel beschere, bereite ihm wenig Kopfzerbrechen: „Es ist unsere Kernkompetenz, nachhaltige und immer effizientere Energielösungen zu entwickeln.“ Gravierender sei die digitale Transformation. „Wir befinden uns in einem Jahrhundertwandel“, umreißt er knapp den Umbruch. Auf der einen Seite stünden „etablierte Unternehmen wie wir mit gewachsenen Geschäftsmodellen, auf der anderen die großen, globalen Plattformen und die wendigen Start-ups.“

In Allendorf fällt der Kulturwandel mit dem Generationenwechsel an der Spitze des Unternehmens zusammen: Im Windschatten von Martin Viessmann (64) läuft sich Sohn Max (29) als Co-Chef neben Joachim Janssen für höchste Führungsaufgaben warm. Janssen ist zuständig für Industriesysteme und Kühlsysteme, Max Viessmann verantwortet Heizsysteme und digitales Neugeschäft.

Martin Viessmann hat keinen Zweifel daran, dass der Wandel gelingt: „Familienunternehmen wie wir bringen gute Voraussetzungen mit, um diese Veränderungen erfolgreich zu bewältigen: Sie können autonome Entscheidungen treffen, sie können gegen den Strom schwimmen und sie verfügen über eine gesunde Kapitalstruktur, sodass sie robust investieren können.“

Doch neue Strategien und Geschäftsmodelle hätten keine Aussicht auf Erfolg, wenn der kulturelle Wandel hinterherhinke – auch deshalb wertet Viessmann senior den Übergang von einer Generation zur nächsten als „einmalige Chance“ auf einen strategischen Entwicklungssprung. Max Viessmann ergänzt, dass auch jeder Mitarbeiter seinen Beitrag dazu leisten könne, den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens fortzuführen.

„Ein Zuhause, um gemeinsam erfolgreich Ideen umzusetzen.“

Damit dies gelingt, hat die Viessmann Gruppe im Berliner Szeneviertel Prenzlauer Berg einen „Maschinenraum“ in einer alten Schuhfabrik angesiedelt – dahinter steckt nicht weniger als eine Unternehmensphilosophie. Der Maschinenraum sei ein Ort, der als kreativer Ort genutzt werden soll. „Das heißt, ein Zuhause, um gemeinsam erfolgreich Ideen umzusetzen, die sehr technologiegetrieben sind“, erklärt Max Viessmann.

Im Rahmen der digitalen Transformation sehe er daher die Notwendigkeit, andere Mittelständler mit Start-ups, die einen technologiegetriebenen Ansatz wählen, zusammenzubringen. Der Maschinenraum sei aber auch ein Anknüpfungspunkt zur Unternehmensgruppe und damit die Einladung an andere Unternehmen, zur Gestaltung von „Lebensräumen für zukünftige Generationen“ beizutragen.

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