Allendorf

Viessmann trotzt der Wirtschaftskrise

- Allendorf (Eder) (da). Trotz der Krise hat die Firma Viessmann im vergangen Jahr mehr Wärmeerzeuger in Deutschland verkauft. Firmenchef Dr. Martin Viessmann sieht in Biomasse das größte Zukunftspotential.

Der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens informierte am Dienstag bei der Jahrespressekonferenz in Frankfurt über die derzeitige Lage. Den Umsatz der Viessmann-Gruppe im Jahr 2009 bezifferte Dr. Martin Viessmann auf 1,6 Milliarden Euro. Das sind 5,9 Prozent (100 Millionen Euro) weniger als 2008. Fast die Hälfte des Umsatzverlusts resultiert laut Viessmann aus Währungsverlusten. „Vor dem Hintergrund der Finanzkrise sind wir mit dem Erreichten zufrieden“, sagte Martin Viessmann. „Unterm Strich konnte die Marktposition trotz schwieriger Rahmenbedingungen ausgebaut werden.“

In Deutschland steigerte Viessmann den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozent auf 740 Millionen Euro. 46 Prozent seines Umsatzes hat das Allendorfer Unternehmen in Deutschland verzeichnet – 2008 waren es 42 Prozent. „Unsere Erwartungen haben sich bestätigt“, sagte Viessmann: Vor einem Jahr hatte er eine Umsatzsteigerung für Deutschland von zwei bis drei Prozent prognostiziert und im Ausland einen Rückgang erwartet.

Diese Entwicklung ist auch im Absatz erkennbar. Während Viessmann 2009 in Deutschland 638 000 Wärmeerzeuger verkaufte – drei Prozent mehr als 2008 – sank der Absatz im internationalen Geschäft um 15 Prozent auf 7,6 Millionen Geräte.

Vor allem in Osteuropa und dort hauptsächlich in der Ukraine und in Russland sowie in Spanien und der Türkei wurden Viessmann-Produkte in Folge der Wirtschaftskrise weniger nachgefragt. „Die positive Entwicklung des deutschen Markts basiert ausschließlich auf Öl- und Gas-Wärmeerzeugern, vor allem in Brennwerttechnik. Sie machen zwei Drittel des gesamtem Markts aus.“ Weniger gefragt waren 2009 Wärmepumpen (minus 12 Prozent), Biomassekesseln (minus 25 Prozent) und thermischen Solaranlagen (minus 26 Prozent). Dr. Martin Viessmann führte das auf eine „verstärkte Kaufzurückhaltung in Folge der Finanzkrise“ zurück, außerdem auf die gesunkenen Öl- und Gaspreise.

Der Strukturwandel hin zu Effizienz und erneuerbaren Energien werde sich aber fortsetzen, prognostizierte Dr. Martin Viessmann. „Mittel- und langfristig betrachtet steigen die Energiepreise.“ Außerdem seien die Klimaziele trotz des „Rückschlags“ beim Klimagipfel in Kopenhagen von den 30 größten CO2-Emittenten bestätigt worden – und diese Ziele seien nur durch eine Erneuerung des Heizungsanlagenbestand erreichbar. Alleine in Deutschland entsprächen weniger als 20 Prozent der mehr als 17 Millionen Wärmeerzeuger dem heutigen Stand der Technik. „Effizienz erhält in unserer Branche immer größere Bedeutung, ebenso wie der Einsatz erneuerbarer Energien.“

Wie schon heute Energie eingespart und der CO2-Ausstoß reduziert werden kann, stellte Martin Viessmann anhand des Beispiels Allendorf vor: Im Stammwerk spare das Unternehmen durch die Umsetzung des Projekts „Effizienz plus“ 40 Prozent fossile Energie ein und reduziere die Kohlenstoffdioxid-Emmission um 30 Prozent. Vor allem Biomasse würde zur Wärme- und Stromerzeugung genutzt. Die dafür erforderlichen Holzhackschnitzel würden nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit in der Region geerntet. Mit Fertigstellung der neuen Biogasanlage könnten auch Abfälle aus Garten- und Landschaftsbau in Energie umgewandelt werden.

Das Unternehmen war dafür mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie „Deutschlands nachhaltigste Produktion“ ausgezeichnet worden. „Die Investitionen amortisieren sich innerhalb von acht Jahren“, sagte Dr. Martin Viessmann. „Wir sichern damit auch Arbeitsplätze.“ Die Firma Viessmann sei der größte Arbeitgeber in einer strukturschwachen Region. „Die Arbeitsplätze müssen wettbewerbsfähig bleiben, denn wir haben eine riesengroße soziale Verantwortung.“

Neben Dr. Martin Viessmann stellten sich gestern auch der Kaufmännische Geschäftsführer (CFO) Joachim Janssen, Produktmanagement-Leiter Walter Bornscheuer sowie Manfred Greis, Leiter der Unternehmenskommunikation, den Fragen der Journalisten.

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