Nach 25 Jahren als Leiter der Edertalschule geht Winfried Deichsel in den Ruhestand

Ein Visionär, der in den Herzen bleibt

Würdigten die Leistung von Winfried Deichsel und dankten seiner Frau Gabriele für die Rücksichtnahme – denn auch während der Ferien war der Schulleiter meist in der Edertalschule anzutreffen, von links: Landrat Dr. Reinhard Kubat, Leitender Schulamtsdirek

Frankenberg - Als ruhigen, aber humorvollen Menschen mit offenem Ohr für Schüler, Eltern und Lehrer, als ausgezeichneten Pädagogen und als visionären Schulleiter haben die Festredner Winfried Deichsel gewürdigt. „Sie haben mich gut erkannt“, sagte der Oberstudiendirektor und machte keinen Hehl daraus, dass ihn die lobenden Worte durchaus gerührt haben: „Es war sehr schön, dies mal zu hören.“

Gleich drei besondere Anlässe gelte es zu feiern, sagte der stellvertretende Leiter der Edertalschule, Uwe Neumann: den 65. Geburtstag, die 40 Jahre im öffentlichen Dienst und die 25 Jahre als Schulleiter. Und in dieser Zeit habe Winfried Deichsel die Edertalschule gut vernetzt, Schwerpunkte herausgearbeitet und zukunftsfähig gemacht. Welche Spuren er am Gymnasium hinterlassen wird, konnte die Festgemeinde in der Kulturhalle während der Darbietungen des Jugendsinfonieorchesters in einem „Presse­rückblick“ verfolgen - die wichtigsten Zeitungsartikel über den Schulleiter und die Edertalschule wurden per Projektion auf eine Leinwand übertragen.

Die meisten dieser Artikel hatte der Leitende Schulamtsdirektor Rainer Walenzik tagesaktuell zur Kenntnis genommen. „Ihre Pressearbeit zeichnete sich nicht immer durch zu viel Zurückhaltung in bildungspolitischen Fragen aus“, sagte er scherzhaft, um damit Deichsel dafür zu loben, dass er sich nie gescheut habe, ausgetrampelte Pfade zu verlassen und neue Wege in der Edertalschule anzulegen. Im Zentrum seines Handelns habe immer „der Unterricht, der motivierend und anregend sein soll, der Tiefgang haben soll, bei dem Schüler etwas lernen sollen“, gestanden, sagte Walenzik.

„Keine Effekthascherei“

Winfried Deichsel sei nie auf eine „Effekthascherei“ aus gewesen. „Schulentwicklung und Lernen am Gymnasium erfordern in Ihrem Sinne einen langen Atem.“ Walenzik verwies auf die sprachlich-landeskundliche Komponente und auf das musikalisch-künstlerische Profil des Gymnasiums, stellte besonders die Vernetzung mit der Wirtschaft und das breite extracurriculare Angebot mit vielfältigen Arbeitsgemeinschaften heraus. Auf diesen Strukturen könne der künftige Schulleiter aufbauen - das Kultusministerium hat noch keine Entscheidung getroffen.

Als Flaggschiff in der schulischen Bildungslandschaft, als eines der renommiertesten Gymnasien der Region bezeichnete Landrat Dr. Reinhard Kubat die Edertalschule. Mit Deichsels Ausscheiden ende ein Abschnitt der Schulgeschichte. Nicht von ihm allein, sondern im Team sei das Gymnasium von einer „Penne“ zu einem zeitgemäßen Lernzentrum entwickelt worden. Einen bedeutenden Anteil daran habe der Kreis als Schulträger. Seit 1998 sind 9,5 Millionen Euro in Ausbau und Sanierung investiert worden.

Bürgermeister Rüdiger Heß wies auf die Verbindungen der Stadt und der Schule hin, unter anderem durch die Kooperation mit der Stadtbücherei. Erhard Wagner, Leiter der Ortenbergschule, dankte seinem Kollegen für die partnerschaftliche Zusammenarbeit. Ein Schulleiter müsse heute ein Alleskönner mit Managerqualitäten sein. „Und Winfried Deichsel wird gewaltige Spuren hinterlassen.“ Diesen bleibenden Eindruck habe Deichsel auch an der Alten Landesschule in Korbach hinterlassen, sagte Schulleiter Robert Gassner. In seiner Zeit als Fachvorsteher Mathematik habe er sich durch seine mitreißende und weitblickende Art ausgezeichnet.

Unterstützende Art

Mit einem Ausflug in die Logik skizzierte Dr. Markus Pfuhl, der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins, Parallelen zwischen Deichsels Handeln und „Gödels erstem Unvollständigkeitssatz“. Bei seinem Streben nach Vollständigkeit sei Deichsel auch gegen Widerstände seinem inneren Kompass gefolgt.

„Nicht nur Sie werden den Unterricht vermissen, auch die Schüler werden Ihren Unterricht vermissen“, sagte Andrea Binzer im Namen des Elternbeirats. Melanie Nolte, die 2001 ihr Abitur an der Edertalschule gebaut hat, wies auf die besondere Bedeutung der Schule für den weiteren Lebensweg hin. Im Namen des Personalrats lobte Cornelia Jordan den Schulleiter für seine freundliche und unterstützende Art. Auch in turbulenten Zeiten stehe bei Deichsel immer der Mensch im Vordergrund. Edertalschüler Christopher Ostrowski würdigte den Schulleiter - der „cool, easy und fresh“ sei - in Gedichtform. „Sie bleiben in unseren Herzen.“

Diskussion um gymnasiale Oberstufe in Battenberg

Nicht nur Schulleiter Winfried Deichsel, sondern auch einige Redner erhielten Beifall von der großen Festgemeinde – für ihre Bekenntnisse zur Edertalschule. Am meisten beachtet war dabei die Zwischenbemerkung von Rainer Walenzik zur Diskussion über eine gymnasiale Oberstufe in Battenberg. Der Leitende Schulamtsdirektor verwies auf das breite Bildungsangebot an der Edertalschule. „Für das umfassende Leistungs- und Grundkursangebot braucht die Edertalschule eine große Jahrgangsbreite. Die ist nicht mehr gewährleistet, wenn man eine Minioberstufe – aus durchaus honorigen Gründen – in Battenberg installiert.“

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