Haina

Vitos Haina baut für 2,8 Millionen Euro an der Grauhecke

- Haina (Kloster) (apa). Noch erstreckt sich ein großes, leeres Grundstück mit einer Baumreihe hinter dem Dorfgemeinschaftshaus in Haina. Doch schon im Herbst dieses Jahres soll dort der Grundstein gelegt werden für einen 2,8 Millionen Euro teuren Neubau der Vitos Haina gGmbH. Es entstehen 20 Plätze für die Pflegestufen II und III und vier Wohngemeinschaften à fünf Plätze. Ende 2010 soll der Bau fertig sein, für Anfang 2011 ist der Einzug geplant.

Zehn Jahre lang fristete das frühere Wohn- und Pflegeheim eine Art Schattendasein am Zentrum für Soziale Psychiatrie: Die Bewohner der Einrichtung wollten so recht in kein Schema passen. Einerseits liegen bei ihnen psychiatrische Diagnosen wie Schizophrenie oder Angstzustände vor, doch mit einer „normalen“ Therapie allein ist ihnen nicht geholfen. Die Bewohner sind chronisch krank, oder wie es in der Einrichtung heißt, seelisch behindert. Ein selbstständiges Leben außerhalb psychiatrischer Betreuung ist deshalb (noch) nicht möglich. In den vergangenen Jahren wuchs die Zahl derer, die im Wohn- und Pflegeheim am Zentrum die passende Betreuung fanden – wenn auch die Abrechnung mit den Kostenträgern oft ein Kampf war, wie sich der Therapeutische Leiter Erwin Gruber erinnert. Immer weitere Wohngruppen entstanden, zuletzt eine dezentrale Gruppe in Löhlbach. Sie bleibt, ebenso wie die Wohngruppe Wohra, erhalten. „So konnte es nicht mehr weitergehen“, verweist Gruber auf die Zustände in den bisherigen Häusern „Rosengarten“ und „Gutshof“ auf dem Gelände des Zentrums in Haina. Die Räume sind beengt, die Bewohner haben weder Einzelzimmer geschweige denn eine eigene Nasszelle. In den Wohngruppen herrscht Stations­charakter statt der erwünschten familiären Atmosphäre. Die Bewohner, die in der Wohngruppe „Rosengarten“ leben, haben nicht die Möglichkeit, das Haus allein zu verlassen. „Das fordert enorme personelle Ressourcen“, betont Gruber. Der Gutshof ist denkmalgeschützt. „Es gibt einfach keine Möglichkeiten, die Häuser weiterzuentwickeln“, fasst der Therapeutische Leiter zusammen. Zudem sind die beiden Gruppen verhältnismäßig weit voneinander entfernt – auch das kostet Zeit und damit Geld. Dass sich für Mitarbeiter und Bewohner etwas ändern musste, stand schon 2008 fest. Und das sollte nicht nur der Name des WPH sein, der nun „begleitende psychiatrische Dienste“ lautet. Mit dem Neubau der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, der im Winter 2009 bezogen wurde, entstand im Haus 14 Platz. Doch ein Umbau für die begleitenden psychiatrischen Dienste hätte sogar mehr gekostet als ein Neubau, sagt der Geschäftsführer der Vitos Haina gGmbH, Jürgen Hammerschlag. Mit dem Gebäude an der Grau­hecke wird nun nicht nur ein höherer Betreuungsstandard möglich, sondern auch ein anderes Ziel erreicht: „Uns geht es auch um die Lösung vom Zentrum“, sagt Gruber. Deshalb gab es zunächst auch die Überlegung, auf dem Gelände der abgebrannten Helgelandhalle in Frankenau zu bauen. Doch bei einer Analyse überwogen die Vorteile für Haina. Einer von mehreren Gründen war die Tatsache, dass das Baugrundstück dem Landeswohlfahrtsverband gehört. Mit dem Neubau haben Erwin Gruber und seine Mitarbeiter die Möglichkeit, das Konzept der begleitenden psychiatrischen Dienste neu zu formulieren und umzusetzen. Beispiele sind das Vorhaben, eine Begegnungsstätte für gesunde und kranke Menschen zu schaffen und der Plan, später eine Tagespflegeeinrichtung anzubauen (in der Grafik als grüner Anbau links am Hauptgebäude vorgemerkt). Erste Gespräche mit der Kirchengemeinde haben bereits stattgefunden, die ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit signalisiert hat, wie Pfarrer Oliver Koch bestätigt. Bereits seit zwei Jahren planen Gruber und andere Mitarbeiter des früheren WPH die Aufteilung der Räume, sprechen sogar schon über die Farbgebung der Zimmer und der Funktionsräume: Denn Licht und Farben sind für psychisch kranke Menschen von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Das Team hat viele Ideen gesammelt. Sogar ein kleiner Park mit Streichelzoo, der für alle Bürger zugänglich sein soll, gehört dazu. „Der Baukörper sollte von denen mitgestaltet werden, die die Abläufe kennen“, erläutert Gruber. „Man muss eine solche Baumaßnahme mit den Mitarbeitern, die da nachher beschäftigt sind, besprechen, damit sich Bewohner und Mitarbeiter im Tagesgeschäft wohlfühlen“, fügt Hammerschlag hinzu. Die Ideen wurden in Absprache mit dem Architekturbüro Kleinberg aus Lollar eingearbeitet. Das U-förmige Hauptgebäude mit 1150 Quadratmetern Nutzfläche wird eingeschossig und durch die Hanglage teil­unterkellert. Die offene Seite des „U“ zeigt nach Norden zum Wald hin. Die beiden Einzelhäuser haben eine Nutzfläche von je 200 Quadratmetern.

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