Michael Deuker von Depro Music versteht die Aufregung um den angeblichen Betrug der „Spatzen“ nicht

„Völlig an den Haaren herbeigezogen“

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Die Plakate mit dem „Live“-Hinweis waren schon vor den Betrugs-Vorwürfen gedruckt worden – dass die „Kastelruther Spatzen“ bei Konzerten ihre Instrumente selbst spielen, gilt als unstrittig. Michael Deuker von Depro Concert veranstaltet den Auftritt der S

Gemünden - Fans der „Kastelruther Spatzen“ sind wegen der Betrugsvorwürfe erzürnt, Kenner der Szene hingegen erstaunt: Dass Produzenten externe Musiker ins Aufnahmestudio holen, sei gängige Praxis und völlig normal, sagt Depro-Chef Michael Deuker.

Michael Deuker ist Profi im Musikgeschäft. Mit Depro Concert veranstaltet er seit mehr als 30 Jahren Konzerte mit großen Künstlern - darunter auch den „Kastelruther Spatzen“. Seit sechs Jahren produziert seine Firma Depro Music selbst erfolgreich CDs mit Schlagersängern wie Nicki oder „Schwesterherz“. „Wir mieten genauso externe Musiker an“, erklärt er.

Genauso schreibe ja in der Regel der Künstler auch seine Texte nicht selbst. Es gebe einige professionelle Instrumentalisten, die für solche CD-Aufnahmen gebucht und dann auch im Begleitheft des Tonträgers vermerkt werden - wie auch im Fall der „Kastelruther Spatzen“. Das falle nur nicht auf, „weil sich die wenigsten das Kleingedruckte durchlesen“. Er sei überrascht, dass die Diskussion über die Musiker so „aufgebauscht“ wurde. „Das war völlig an den Haaren herbeigezogen.“

Entscheidend: „Die Stimme muss der Norbert Rier sein“, sagt Michael Deuker. „Die Band spielt auf der Bühne ja alles selbst, was auf der CD zu hören ist.“ Deshalb sei der angebliche „Skandal“ auch nicht mit „Milli Vanilli“ vergleichbar - das preisgekrönte Popduo war 1990 zerbrochen, als herauskam, dass keines der Lieder selbst gesungen war. „Die „Spatzen“ hätten zeitweise 250 Auftritte im Jahr absolviert. Da sei es ohnehin schwierig, noch zeitaufwändige Aufnahmen unter einen Hut zu bringen, sagt Deuker.

Depro veranstaltet am 22. Januar 2013 ein Konzert in Koblenz mit den „Kastelruther Spatzen“. Die Nachfrage nach Eintrittskarten sei ungebrochen hoch, betont Michael Deuker. Er hat mit der Südtiroler Combo schon zahlreiche Auftritte veranstaltet, auch einige in der Gemündener Sporthalle.

Ebenso üblich sei, dass bei Fernsehshows die Künstler mit Playback auftreten. „Da wollen die Sender kein Risiko eingehen.“ Der Live-Auftritt der Spatzen im Musikantenstadl am Samstag sei deshalb eine Besonderheit gewesen.

Michael Deuker versteht nicht, dass Ex-Produzent Walter Widemair nun gegen seine frühere Band schießt. „Der Produzent ist die wichtigste Person. Er gibt die Marschrichtung vor“, erklärt der Musikexperte. Diese seien Künstler und anspruchsvoll - und mit einem guten Produzenten stehe und falle auch der Erfolg.

Deuker arbeitet mit Profis wie Harald Steinauer zusammen, der Nicki produziert, oder mit Frank Ramond, der für Depro „Schwesterherz“ betreut hat. Ramond hat sich unter anderem als Produzent von Ina Müller und Roger Cicero einen Namen gemacht. Jeder Produzent sei ein „hochprofessioneller Musiker“. Depro hat derzeit acht Titel in den Top 100 der Airplay-Charts, also in den meistgespielten Titeln im Radio. Erfolge feiern die Gemündener unter anderem mit Neuling Marina Koller.

Michael Deuker glaubt nicht, dass Walter Widemair noch einmal mit einem der Stars aus der Musikszene zusammenarbeiten kann. „Den wird sicher keiner mehr holen. Er hat den Spatzen unrecht getan.“

Hintergrund:

In der „Bild“-Zeitung hatte der ehemalige Produzent der „Kastelruther Spatzen“, Walter Widemair, Vorwürfe wegen Betrugs gegen die Gruppe erhoben, weil Sänger Norbert Rier auf weiten Teilen der Platten von Studiomusikern statt von seinen Bandmitgliedern begleitet wurde. Die Südtiroler, die zu den erfolgreichsten Künstlern in der Volksmusikszene zählen, hatten umgehend darauf verwiesen, dass alle engagierten Musiker in den CD-Booklets namentlich erwähnt seien. Auch die zusätzlichen Stimmen bei Choraufnahmen seien aufgeführt worden. Um ihre insgesamt 13 Echos müssen die „Kastelruther Spatzen“ nach den Vorwürfen nicht fürchten. Eine mögliche Aberkennung stehe außer Frage, erklärte die Deutsche Phono-Akademie.(r)

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