H5N2-Virus in Geflügelbestand nachgewiesen · Tötung der 59 Tiere angeordnet

Vogelgrippe in Gemünden ausgebrochen

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Gemünden - Erstmals ist im Landkreis das Vogelgrippe-Virus nachgewiesen worden. Für Menschen bestehe keine Gefahr, gibt das Veterinäramt Entwarnung. Amtstierarzt Dr. Martin Rintelen geht davon aus, dass Wildvögel die Enten, Hühner sowie die eine Gans des Gemündener Hobbyzüchters angesteckt haben. Nach der Diagnose des hessischen Landeslabors verhängte der Landkreis ein 1000-Meter-Sperrgebiet rund um das Anwesen des Gemündener Züchters. Um eine Ausbreitung der Vogelgrippe zu verhindern, sind die 59 Tiere bereits getötet worden.

Erstmals ist im Landkreis das Vogelgrippe-Virus „H5N2“ nachgewiesen worden: und zwar in einer „privaten Geflügelhaltung“ am Ortsrand von Gemünden, erklärte Amtstierarzt Dr. Martin Rintelen Mittwochabend auf Anfrage von WLZ-FZ. „Es handelt sich um einen reinen Zufallsbefund, denn offensichtlich kranke Tiere waren nicht dabei.“

Ursprünglich wurde das Veterinäramt zu einem „Tierschutzfall“ gerufen. Der Hobbyzüchter hält Enten, Hühner und eine Gans. „Wir sind dann dorthin und haben routinemäßig Proben genommen“, erläutert der Amtstierarzt. Die wurden vom Landesbetrieb hessisches Landeslabor untersucht – mit positivem Befund. Am 28. Dezember wurde die Diagnose „Aviäres Influenzavirus Typ A“ gestellt: Vogelgrippe. Das Friedrich-Loeffler-Institut bestätigte schließlich zwei Tage später die Diagnose. Das Influenzavirus Typ A des Subtyps H5N2 wird dem niedrigpathogenen Typ zugeordnet, es hat eine nur gering krank machende Wirkung. Es besteht jedoch die Gefahr der „genetischen Veränderung zum hochpathogenen aviären Influenza-A-Virus Subtyp H5, der Geflügelpest“.

1000 Meter Sperrgebiet

„Wie es sich aus der Verordnung ergibt, wurden die insgesamt 59 Tiere des Hobbyzüchters getötet“, erklärt der Amtstierarzt. Außerdem wurde ein Sperrgebiet rund um den betroffenen Bestand von 1000 Metern eingerichtet. Innerhalb dieses Sperrgebiets liegt ein weiterer Geflügelbestand, allerdings ebenfalls ein kleiner. Von den zehn Tieren wurden am Mittwoch Proben genommen. Rintelen rechnet Ende der Woche mit den Ergebnissen. „Verlaufen die Untersuchungen 21 Tage nach Reinigung und Desinfektion des Ausbruchsbetriebes negativ, können die Maßnahmen wieder aufgehoben werden.“ Der Landkreis arbeitet dabei mit dem hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und mit der Task-Force Tierseuchenbekämpfung beim Regierungspräsidium Kassel zusammen. „Hinweise auf eine weitere Verbreitung des Erregers von diesem Bestand liegen nicht vor.“

Schon häufiger Probleme

Gemündens Bürgermeister Frank Gleim hat von dem Ausbruch der Vogelgrippe durch das Veterinäramt erfahren: „Das Ordnungsamt hat da keine Rolle gespielt“, betont er. Allerdings seien das betroffene Anwesen und der Bewohner schon häufiger im Fokus des Ordnungsamtes gewesen. „Da wird eine andere Kultur gelebt, als wir es gewohnt sind“, sagt der Rathauschef. Das Amt habe dem Grundstück bereits Besuche wegen Verstößen gegen Gewässer- und Naturschutzauflagen, aber auch gegen Brandschutzauflagen Besuche abgestattet – mehrfach sei es in den vergangenen Jahren zu Einsätzen der Feuerwehr gekommen. „Wir sind in diesen Gebieten bemüht, für Dinge, die wir verlangen, Verständnis zu wecken“, sagt Gleim: „Leider ist es jetzt so weit gekommen.“ Nun gelte es, mit „Argusaugen“ darauf zu achten, dass aus dem Vorfall kein Nachteil zuungunsten der Stadt oder gar ihrer Bürger entstehe. „Das ist schon eine andere Größenordnung.“

Der Amtstierarzt geht davon aus, dass das Virus von Wildtieren auf das Geflügel des Hobbyzüchters übertragen wurde. „In der Nähe gibt es Fischteiche, hin und wieder halten sich dort Wildvögel auf.“ Er selber habe dort Reiher und auch Wildgänse gesehen. Eine Gefahr für Menschen bestehe jedoch nicht. „Geflügelprodukte können nach wie vor unbedenklich gegessen werden, auch Eiprodukte können gegessen werden, wenn sie durcherhitzt werden.“Überlegungen, ob die Kindergärten oder die Cornelia-Funke-Schule nach dem Ende der Weihnachtsferien auch weiterhin geschlossen bleiben könnten, gibt es nach Aussage von Bürgermeister Gleim ebenfalls nicht: „Wir warten auf Nachricht vom Veterinäramt, ob die Stadt handeln soll.“

H5N2 auch in Hofgeismar

Der Vogelgrippe-Befund in Gemünden ist der erst zweite überhaupt in Hessen. Der erste Ausbruch ist jedoch keine vier Wochen her. Auf einem Hof in Hofgeismar wurde das Virus nachgewiesen. In dem Betrieb wurde das Geflügel – elf Gänse, 25 Enten und vier Hühner – ebenfalls getötet. Bei dem Virus handelte es sich nach Angaben des hessischen Verbraucherschutzministeriums um den weniger krankheitserregenden Typ. Aufgefallen war die Krankheit, als der Züchter Tiere auf einer Geflügelausstellung zeigen wollte und dafür eine Gesundheitsbescheinigung brauchte. Zuletzt war das H5N2-Virus in Deutschland nach Angaben des Friedrich-­Loeffler-Instituts vor vier Jahren in Sachsen aufgetreten.

Hintergrund: Vogelgrippe (Typ H5N2)

Wie auch bei den alljährlichen Grippewellen der Menschen gibt es nicht die Vogelgrippe, sondern mehrere Arten, die unterschiedlich stark ansteckend und unterschiedlich gefährlich sind. Da die Viren der Influenza des Menschen und der klassischen Geflügelpest der gleichen Gruppe angehören, sind Übertragungen vom Tier auf den Menschen möglich – und umgekehrt. Als besonders aggressiv gilt der Virentyp H5N1: Befallene Vögel gehen meist schnell zugrunde. Wegen seiner hohen Infektiosität wird der Virustyp streng beobachtet.

Weniger gefährlich – für Menschen besteht nach aktuellem Forschungsstand kaum ein Ansteckungsrisiko – ist der auch in Gemünden festgestellte Virus vom Typ H5N2. Dieser Untertyp trat etwa im Sommer 2005 in Japan auf, wo mehr als 1,5 Millionen Hühner und anderes Geflügel getötet wurden. Bereits 1983 und 1984 hatte es Ausbrüche in den USA gegeben, in deren Folge 17 Millionen Tiere getötet wurden. Zwischen 1992 und 1995 gab es zudem Ausbrüche in Mexiko. Im Dezember 2008 wurde ein H5N2-Virus in Belgien und Deutschland festgestellt. Dies führte zur Keulung von drei Geflügelbeständen in Niedersachsen. Berichte über eine Übertragung auf von H5N2 Menschen liegen nicht vor.

Die Symptome der Geflügelpest sind vergleichbar mit denen einer menschlichen Grippe: Schwäche, Appetitlosigkeit, Fieber, Durchfall und motorische Störungen im akuten Verlauf. Bei chronischem Verlauf sinkt die Legeleistung. Wie beim Menschen auch ist eine Impfung möglich – wegen der Veränderlichkeit der Viren ist eine Ansteckung aber dennoch nicht ausgeschlossen.

Im Gemündener Sperrgebiet gelten für Vogelhalter und Landwirte strenge Vorgaben. So darf nichts aus einem Vogelbestand in die Umwelt verbracht werden. Ställe oder Käfige von Vögeln dürfen nur von einem beschränkten Personenkreis und nur in Schutzkleidung betreten werden – diese ist mitsamt Schuhen nach dem Verlassen des Stalls zu desinfizieren. Vögel dürfen nicht frei gehalten werden, jedes Tier bedarf einer Untersuchung. Diese Beschränkungen gelten so lange, bis sie widerrufen 
 werden. (wikipedia.de)

Von Malte Glotz und Rouven Raatz

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