Battenberg: Nachfolger von Friedrich W. Jörn

Volker W. Lorenz ist neuer Auhammer-Chef

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Technischer Geschäftsführer Volker Lorenz, sein Vorgänger Friedrich W. Jörn und der kaufmännische Geschäftsführer Norbert Gerling vom Eisenwerk Hasenclever (Auhammer).Foto: Mark Adel

Battenberg - Der Auhammer ist europäischer Marktführer, beliefert Autohersteller mit Turboladergehäusen. Der neue Chef Dr. Volker W. Lorenz will das Unternehmen umstrukturieren, denn trotz begehrter Produkte fährt traditionsreiche Eisenwerk derzeit keine Gewinne ein.

Dr. Volker Lorenz hat zum 1. Dezember die Nachfolge von Friedrich W. Jörn als technischer Geschäftsführer angetreten. Die kaufmännische Verantwortung obliegt weiterhin Norbert Gerling, der im Sommer diesen Jahres vorgestellt worden war. Jörn hatte im vergangenen Jahr den Chefposten übernommen, als der Auhammer in Schieflage geraten war. Zwei Geschäftsführer und vier Prokuristen waren freigestellt worden. Jörn hatte das Unternehmen zuvor bis 2008 mehr als 20 Jahre lang geleitet. Er sprach nach der Freistellung im vergangenen Jahr davon, getäuscht worden zu sein.

„Über Beziehungen“ kam Lorenz nun als sein Nachfolger nach Battenberg. Die Region ist ihm nicht unbekannt, seine Lebensgefährtin stammt aus Dillenburg. Der 56-Jährige ist unter der Woche in Battenberg, die Wochenenden verbringt er in seiner Heimatstadt Köln (siehe Kasten).

Der Auhammer sei „ein Unternehmen, das über Jahrzehnte sehr erfolgreich ist“ und für seine Technologie und hohe Qualität bekannt sei, sagt Volker Lorenz. In den vergangenen Jahren seien die „richtigen Investitionen“ erfolgt, auch die Spezialisierung auf Stahlguss sei richtungsweisend gewesen.

Auftragslage „exzellent“

Stahlgussprodukte sind moderne Turbolader, wie sie immer häufiger in Benzinmotoren eingesetzt werden. Der Hubraum der Aggregate wird kleiner, zugleich steigt dank des Turbos die Leistung („Downsizing“). Damit habe der Auhammer ein Alleinstellungsmerkmal in Europa, „auch weltweit sind wir an der Spitze“, sagt Friedrich W. Jörn. Das Material ist in Battenberg entwickelt worden. Nun gelte es, Produktion und Logistik zu optimieren. Erste Gespräche mit Mitarbeitern habe er geführt. „Wir haben großes und vielversprechendes Potenzial“, sagte Lorenz „Wir haben einige Hausaufgaben zu machen“, ergänzt Gerling.

Hinter dem Auhammer liegen schwere Zeiten: Kurzarbeit, Lohnverzicht, Landesbürgschaft, die Gesellschafter der Mutterfirma ERW mussten Geld in den Auhammer pumpen, um das seit 1772 bestehende Traditionsunternehmen vor der Pleite zu bewahren. Unter anderem hatte die Wirtschaftskrise dem Eisenwerk zugesetzt

Doch derzeit sei die Auftragslage „exzellent“, die Reputation beim Kunden „sehr gut“. Weil der Bedarf an Turboladern immer mehr steigt, rechnen Jörn, Lorenz und Gerling mit wachsenden Stückzahlen: „Wir haben gegenüber 2012 eine Steigerung von 15 Prozent.“ Mehr als zwei Millionen Stück sollen es im nächsten Jahr sein.„Aber wir müssen wieder nachhaltig Geld verdienen“, sagt Friedrich W. Jörn. Er gab erneut als Ziel vor, im nächsten Jahr wieder in die Gewinnzone zu fahren.

Zu viel Ausschuss

Das Problem seien „interne Qualitätsprobleme“, sagt Norbert Gerling. Die Kunden hätten davon nichts gespürt, sondern „das bekommen, was sie bestellt haben“. Doch auf dem Auhammer wurde viel Ausschuss aussortiert - das binde Mitarbeiter, kostet Arbeitszeit, Energie und damit Geld, erklärt Gerling. „Wir machen zu viel händisch, das können wir uns auf Dauer nicht erlauben“, ergänzt Friedrich W. Jörn.

Im nächsten Jahr seien deshalb Investitionen geplant, Details stünden noch nicht fest. Im Januar werden zudem 30 Leiharbeiter fest eingestellt. Insgesamt sind auf dem Auhammer derzeit 680 Menschen beschäftigt, davon etwa 70 Leiharbeiter. Der 72-jährige Friedrich W. Jörn bleibt Geschäftsführer der Muttergesellschaft ERW.

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