Ehemalige Geschäftsführer eines Bilderrahmenherstellers wegen Insolvenzverschleppung vor Gericht

Vorwurf lautet Bilanzfälschung

Frankenberger Land. Vor dem Marburger Landgericht müssen sich derzeit die ehemaligen Geschäftsführer eines inzwischen insolventen Bilderrahmenherstellers aus dem Frankenberger Land verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Männern unter anderem Insolvenzverschleppung, Bilanzfälschung und Kreditbetrug vor.

Laut Anklage sollen der 58-Jährige aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf und sein gleichaltriger Mitgesellschafter, der inzwischen in Norddeutschland lebt, zwischen 2003 und 2008, dem Jahr der Insolvenzeröffnung, trotz der ihnen bekannten Überschuldung des Unternehmens keine Insolvenz angemeldet haben. Die Bücher seien nicht ordentlich geführt, die Bilanzen zur Vertuschung der drohenden Zahlungsunfähigkeit gefälscht worden. Dies hätten die Angeklagten unter anderem mit nicht vorhandenen Warenbeständen, die zusätzlich ausgewiesen worden seien, bewerkstelligt. Und sie sollen bei ihrer Bank mittels der unrichtigen Angaben im Jahr 2005 eine Umschuldung erreicht haben, die diese bei richtigen Angaben sicher so nicht durchgeführt hätte.

Letzterer Vorwurf wurde zunächst einmal zurückgestellt. Ein Bankangestellter hatte berichtet, dass das Risiko für die Bank durch die Umschuldung nicht größer geworden sei. Für einen Kreditbetrug müsse nun erst einmal die Fälschung bewiesen werden, stellte Richter Carsten Paul, fest.

Die Angeklagten bestreiten diesen Vorwurf. Ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen habe die Bilanzen nie beanstandet. Aus wirtschaftlichen Gründen sei die Produktion vor mehreren Jahren zum Großteil nach Ungarn verlagert worden. Dort habe es einen großen Leistenbestand gegeben, um Großaufträge, beispielsweise für Möbelhäuser und Baumärkte, schnell erledigen zu können. In der Bilanz von 2005 steht ein Wert von 2,8 Millionen Euro. Die Anklage geht von einer Bestandsmanipulation aus.

Insolvenz in Ungarn

Wie die Angeklagten berichteten, sei das Unternehmen in Ungarn, das als Lohnunternehmer tätig gewesen sei, selbst in die Insolvenz gegangen. An die Waren sei man danach nicht mehr herangekommen.

Einer der Männer war bereits 2007 ausgeschieden, der andere kurz vor der Insolvenzeröffnung entlassen worden. Zuvor habe es mit der Firma des Geschäftsmannes, der die Insolvenz letztendlich beantragte, eigentlich eine Fusion geben sollen. Dieser soll am nächsten Verhandlungstag am 1. November aussagen. Einer der Angeklagten hatte gemutmaßt, dass die Insolvenz für diesen der einfachste Schritt gewesen sei, das Unternehmen weiterzuführen.

Zwar hatte der Insolvenzverwalter berichtet, dass das Verfahren noch nicht abgeschlossen sei, gleichwohl arbeite das Unternehmen mit denselben Mitarbeitern und auch dem Kundenstamm unverändert weiter, so die Angeklagten. (kse)

Quelle: HNA

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