Das große Wundenlecken am Tag nach der Wahlniederlage, die sich schon vor Monaten ankündigte

Wackelt am Ende sogar die Koalition?

Frankenberg - Der Gemütszustand der Christdemokraten lässt sich mit einem Wort beschreiben: Schockstarre. Und in der wollen Hesse und Co. nach Möglichkeit noch einige Tage verbleiben. Der Grund: Unter allen Umständen sollen Kurzschlussreaktionen verhindert werden.

Telefonate mit den führenden CDU-Vertretern gestalten sich am Tag nach der „Schmach von Frankenberg“ als schwierig. Das große Schweigen ist angesagt. Ob Fraktionschef Martin Fallenbüchel, Verbandschef Rainer Hesse oder Chefstratege Thomas Müller, keiner antwortet spontan. Alle überlegen sekundenlang und genau, wie sie sich diplomatisch ausdrücken können. Das zeigt: Die 17 Prozent, die Koalitionskandidat Bernd Bluttner eingefahren hat, haben die Christdemokraten tief ins Mark getroffen.

„Natürlich bin tief enttäuscht“, sagt etwa Müller auf Nachfrage. Doch seine Begründung lässt sogleich auf ein Grundproblem der CDU schließen. Die Fraktion hat sich von der Parteibasis und von den Wählern entfernt, ohne es gemerkt zu haben. Anders ist die Aussage des langjährigen Junge-Union-Chefs nicht zu erklären. „Noch am Samstag habe ich Bernd Bluttner bei 28 bis 30 Prozent gesehen“, schließlich sei er bei den Terminen in den Ortsteilen „gut“ angekommen. Doch diese Einschätzung ist relativ. Seine besten Ergebnisse erreichte Bluttner mit 30 Prozent in Dörnholzhausen und mit 25,1 Prozent in Geismar. „Wir haben einen Wahlkampf wie immer gemacht, nur diesmal hat es offensichtlich nichts gebracht.“ Nicht kommentieren will Müller die Frage, ob Bluttner der richtige Kandidat war.

„Das war kein Wahlkampf“

Auch Hesse gibt auf diese Frage keine Antwort, sieht in dem schlechten Ergebnis aber weniger ein Problem der CDU. „Unsere Stammwähler haben auch Rüdiger Heß gewählt.“ Und wer die Stimmen von Heß und Bluttner addiere, komme auf eine Größenordnung, die genau dem bürgerlichen Lager in Frankenberg entspreche. Somit macht der CDU-Chef zumindest keinen Hehl daraus, dass die Person Bluttner schlicht und einfach die schlechtere Wahl war als die Person Heß. Und so kommentiert auch der Geismarer Ortsvorsteher Klaus-Peter Stein den Wahlausgang. „Heß hat sich eindeutig besser dargestellt“, sagt er und stellt fest: „Denn in dem Sinn hat es gar keinen richtigen Wahlkampf gegeben.“

Von Rouven Raatz

Die ausführliche Analyse über die Lage innerhalb der schwarz-grünen Koalition lesen Sie in der Dienstagausgabe, 28. Februar, der Frankenberger Zeitung.

Ein Video vom Wahlabend sehen Sie hier:

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