Familie Eckel ist seit fast 25 Jahren für Pflegekinder da

Waffeln und der Hund brechen das Eis

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Brigitte und Heinz Eckel (auf der Bank mit Alina, links, und Jule), sind seit fast 25 Jahren als Pflegeeltern tätig. Ihnen gratulierten (stehend von links) Claudia Meyer und Carmen Schäfer-Debus vom Jugendamt, die leibliche Tochter der Eckels Sabine Grauling, die Pflegekinder Marcel und Beta, Landrat Dr. Reinhard Kubat, Erhard Truß vom Jugendamt und Brigitte Eckels Schwester Irmgard.

Frankenberg-Willersdorf - Eigentlich war ein SOS-Kinderdorf Brigitte Eckels Traum. Stattdessen wurde sie erst Tages- und dann Pflegemutter, bot Kindern Halt und Liebe - mal für wenige Tage, mal für Jahre. Nun steht ihr Ruhestand bevor.

Frankenberg - Willersdorf. Wenn Brigitte Eckel den wenige Wochen alten Säugling in ihrem Arm anlächelt, sieht sie aus wie eine stolze Oma, die ihr Enkelchen hält. Nichts in ihrem Blick deutet darauf hin, dass das Baby nicht ihr Enkelkind ist, nichts lässt darauf schließen, dass sie es in absehbarer Zeit wieder abgeben wird. Doch Brigitte Eckel ist Mutter - oder auch Oma - auf Zeit.

Seit fast 25 Jahren betreuen sie und ihr Mann Heinz kurzfristig Pflegekinder: Jungen und Mädchen, die das Jugendamt aus ihren Familien herausnimmt. Außerdem haben insgesamt fünf langfristige Pflegekinder ein Zuhause in Willersdorf gefunden, zwei von ihnen - Marcel und Beta - bis heute, die anderen drei stehen mittlerweile auf eigenen Beinen. In Spitzenzeiten wohnten neun Kinder zeitgleich auf dem Hof der Eckels.

Schon bevor es den Begriff Bereitschaftspflege überhaupt gab, hat die Willersdorfer Familie das Konzept schon umgesetzt: Mal sind die Kinder nur drei Tage dort, andere bleiben Wochen, ein Junge sogar vier Jahre lang.

Fast immer muss es sehr schnell gehen, wenn das Jugendamt anruft. Dann bittet Brigitte Eckel um eine Frist von zehn Minuten, damit sie schnell Waffeln backen kann. Das ist ihr Rezept, um das Eis zu brechen - und der Hund, der ebenfalls für Begeisterung bei den Kindern sorgt.

„Das Essen ist das wichtigste“, sagt die 68-Jährige. Viele vernachlässigte Kinder seien es nicht gewohnt, regelmäßige Mahlzeiten zu bekommen oder satt zu werden. „Ich koche nie knapp. Sonst bekommen sie Panik“, berichtet sie. Ein Junge habe Butterbrote vom Tisch in seinen Hemden deponiert - als Proviant. Ihm hat Brigitte Eckel den Vorratskeller gezeigt.

Die Pflegemutter hat ein Gespür dafür, wie sie Kindern und auch den Eltern ein positives Grundgefühl vermitteln kann: „Ich sage immer: Die Kinder machen jetzt Ferien auf dem Bauernhof. Das ist doch viel besser, als wenn sie ins Heim müssten“, erklärt sie fröhlich. Und sie selbst wirke eher wie eine Oma - erst recht, wenn sie wie üblich ihre Schürze umgebunden hat. So werde sie von den Eltern nicht als Konkurrenz wahrgenommen. Und auch die behandele sie stets gastfreundlich: Waffeln wirken auch bei Erwachsenen einladend.

Das Aufhören fällt schwer

Brigitte und Heinz Eckel haben drei eigene Kinder. Die Söhne Ralf und Klaus waren erwachsen, als die ersten Pflegekinder kamen, Tochter Sabine war elf Jahre alt. Sie ist mit Pflegekindern aufgewachsen, mittlerweile ist sie in die Fußstapfen der Eltern getreten und hat selbst eine Pflegestelle. Auch die Söhne der Eckels engagieren sich, wenn Hilfe gebraucht wird.

Für Barbara Eckel gibt es auch nach fast 25 Jahren keine schönere Aufgabe als die Pflege von Kindern, die ihre Hilfe brauchen. Es wird ihr schwerfallen, in den Ruhestand zu gehen. Und so ganz wird sie sich von ihrer Aufgabe nicht lösen: Für Notfälle steht sie weiterhin bereit.

In einer Feierstunde bedankte sich am Dienstag Landrat Dr. Reinhard Kubat bei den Willersdorfern für ihre „segensreiche Arbeit“ und die „ganz tolle Leistung“. Auch Carmen Debus-Schäfer, Erhard Truß und Claudia Meyer vom Fachdienst Jugend dankten den Eckels. „Ohne Familien wie sie wären wir verloren“, sagte Debus-Schäfer und betonte, dass es für die Eckels nicht immer leicht war: „Es gab auch manchmal schwierige Zeiten“. Die haben Brigitte Eckel ihre Freude aber nie genommen: „Das ist mein Traum“.

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