Dresdener Kabarett „Herkuleskeule“ nahm die moderne Medienwelt aufs Korn

Um Wahrheit und Lüge

Attacke gegen die Medien: In ihrem Programm „Die nackte Wahrheit“ nahmen die Dresdener Kabarettisten Rainer Bursche (links) und Michael Rümmler die Print- und Fernsehmedien aufs Korn. Foto:  Völker

Frankenberg. Sie schwingen die Sprachkeule, pieksen manchmal mit der feinen Nadel, schrecken aber ansonsten vor gar keiner Geschmacklosigkeit zurück: Auf der Bühne der Ederberglandhalle in Frankenberg bliesen Rainer Bursche und Michael Rümmler vom Dresdener Kabarett-Theater „Die Herkuleskeule“ zu einer turbulenten Attacke gegen die Windmühlenflügel der modernen Medienwelt, immer auf der Suche nach der „nackten Wahrheit“, so ihr Programmtitel.

Eingeladen zu dem Gastspiel hatte der Frankenberger Kulturring, der in den vergangenen Jahren gerade mit seinem Kabarett-Angebot auf steigendes Publikumsinteresse gestoßen ist. Diesmal war es kein Standup-Komödiant oder deutsch-türkischer Satiren-Grenzgänger, der die Lacher auf seine Seite zog, sondern mit Thomas Wand am Klavier ein traditionsreiches Ensemble mit klassischem Nummernkabarett, das mit seinem unterhaltsamen Wechsel aus Sprachspiel und Songs die Zuschauer bestens unterhielt.

Und dabei waren sie es als Medienkonsumenten, die sich an dem Geschehen um den auf der Bühne gegründeten Fernsehsender „Nichts 24“ nicht ganz unschuldig fühlen sollten. Rainer Bursche und Michael Rümmler führten vor, wie man auch die ungeheuerlichsten Weltnachrichten mit unbewegtestem Gesicht verlesen oder als Reporter vor Ort dem im Mittelmeer versinkenden Flüchtling vom sicheren Schiff aus mit dem Mikrofon zuwinken kann. „Mit den Nachrichten wird nicht mehr auf den Kopf gezielt, sondern auf den Bauch“, meinten die beiden Fernseh-Macher. „Dort gibt es auch die größte Angriffsfläche!“

Es ging um politische Ausgewogenheit, Wahrheit und Lüge, Schulden und Banker, Nichtwähler und die neue Regierung, wobei die TV-Medien den beiden Kabarettisten Steilvorlagen für ihre grotesk überzogenen, gewollt politisch-unkorrekten Parodien lieferten. Da brachte ein Besuch von „Herrn Hitler“ in Kerners Talkshow allerdings weniger Erkenntniszuwachs als etwa Rainer Bursches „Sendung mit der Maus“, in der er Iran und Irak im wechselnden Freund-Feind-Schema der Großmächte für erwachsene Kinder höchst anschaulich skizzierte.

Ansonsten ließen die beiden Dresdener Kabarettisten keinen Kalauer aus („Frau Merkel ist der Stützstrumpf, Herr Westerwelle die Krampfader“), aber manchmal vermisste man doch – gerade bei ihren Aussagen zum Einwirken der Politik auf Fernsehmedien – wirklich aktuelle Bezüge.

Viel Vergnügen

Das Frankenberger Publikum hatte dennoch viel Vergnügen, merkte schnell, dass es sich beim Kabarett in der ersten Sitzreihe nicht ungefährlich lebt, und spendete dem Ensemble immer wieder spontan Zwischenbeifall.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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