Bröckelnde Liebfrauenkirche

Wahrzeichen der Stadt löst sich auf

Frankenberg - Von der Fassade an Portal der Liebfrauenkirche mitsamt Turm lösen sich Sandsteinplatten. Die Restaurierung kann frühestens 2015 beginnen.

Hoch über die Stadt ragt die Liebfrauenkirche hinaus – weithin sichtbar als imposantes Wahrzeichen. Das allerdings bekommt Schönheitsflecken, die nicht ganz ungefährlich sind. Seit Samstag vergangener Woche ist der Bereich rund um das Portal abgesperrt. Den Kirchgängern und Touristen drohen sonst Sandsteinplatten auf den Kopf zu fallen.

„Wir klären das Problem zurzeit mit dem Denkmalschutz und der landeskirchlichen Bauberatung“, sagt Pfarrer Christoph Holland-Letz, Vorsitzender des Bauausschusses. Aufgefallen waren die ersten Steinbröckchen vor dem Portal des Gotteshauses vor einigen Wochen Küster Wilfried Koch, worauf Mitte des Monats ein Ortstermin mit dem Bezirkskonservator Dr. Bernhard Buchstab aus Marburg stattfand. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es keinen Sinn hat, an so ein Gebäude nicht konservatorisch heranzugehen“, sagt Holland-Letz. Bauplaner Johann Heinrich Berghöfer erklärt: „Die einfachste Methode wäre, den Sandstein dort abzuklopfen, wo er abplatzt.“ Doch das nähme dauerhaft Substanz vom Gotteshaus – und ist deshalb nicht erwünscht. „Wir wollen möglichst viel retten und sichern“, sagt Holland-Letz.

Helle Flecken in der Fassade

Der Schaden an der Westfassade mit dem hoch über die Kirchgänger aufragenden Turm ist schon von unten zu sehen: Helle Flecken zeichnen sich dort ab, wo sich eine Sandstein-Schicht gelöst hat und nach unten gefallen ist. Doch weitere, mit dem bloßen Auge aus dieser Entfernung nicht sichtbare Stellen sind zu vermuten. „So etwas kann viele Gründe haben“, sagt Berghöfer und zählt auf: Wetter, die Beschaffenheit des Steins an sich, Umwelteinflüsse, Feuchtigkeit im Stein. Unbekannt ist das Problem dem Bauausschuss des Kirchenkreises jedenfalls nicht: Bereits 2012 sei abzusehen gewesen, dass mittelfristig Arbeiten nötig würden, erinnert sich Christoph Holland-Letz. Glücklicherweise ist die gesamte Fassade wohlbekannt: Im Vorfeld der Restaurierungsarbeiten am Chor wurde im Jahr 2009 von einer österreichischen Fachfirma eine eingehende Untersuchung vorgenommen, auch mittels eines elektronischen Verfahrens. „Wir wissen ganz gut, wo Schäden sind“, sagt Berghöfer. Dennoch müsse direkt vor Beginn der Sanierungsarbeiten am Gemäuer vom Bezirkskonservator geschaut werden, wo welcher Arbeitsschritt nötig ist.

Denn anders als in den 1980er-Jahren, als historische Gebäude einfach komplett imprägniert wurden, ist es heute üblich, die Schäden gezielt anzugehen. „Es ist vorstellbar, dass die Arbeiten, die damals mit bestem Wissen ausgeführt wurden, für die heutigen Schäden mit verantwortlich sind“, sagt Holland-Letz. Es ist also Vorsicht geboten am Wahrzeichen der Stadt Frankenberg.

Baubeginn frühestens 2015

Fest steht, dass der Portalbereich der Liebfrauenkirche in den nächsten neun Monaten gesperrt bleibt. „Die Bauarbeiten beginnen dieses Jahr nicht mehr“, sagt Berghöfer. Anzustreben sei ein Baubeginn nach Ostern 2015 – und das sei ein sehr optimistischer, wenn auch wünschenswerter Termin: „Wir rechnen mit einer Bauzeit von sechs bis sieben Monaten“, sagt er. Die Arbeiter müssten die Steine je nach Bedarf mit Sandsteinersatz füllen oder „aufbö-schen“, also die entstandenen Lücken ausgleichen. Schlussendlich soll der Schaden für das bloße Auge nicht mehr erkennbar sein. Noch sei aber nicht einmal klar, ob nur die Westfassade mit westlicher Turmseite betroffen sei oder der komplette Glockenturm.

Problematisch gestaltet sich die Finanzierung: „Wir möchten versuchen, für das Vorhaben Bundesmittel zu bekommen“, sagt Holland-Letz. Dafür seien Gespräche mit den heimischen Abgeordneten vorgesehen. Er könne sich etwa eine Anerkennung als „Baudenkmal nationaler Bedeutung“ vorstellen, um eine Förderung zu erhalten. „Auch die Landeskirche muss mit ins Boot“, fordert er und zeigt sich sicher: Sobald ein Geldgeber wie der Bund feststehe, sei auch aus Kassel Geld zu bekommen.

Was die Arbeiten kosten, kann Bauplaner Johann Heinrich Berghöfer noch nicht beziffern – auf jeden Fall aber kommt auf die Kirchengemeinde eine sechsstellige Summe zu. Eine Berechnung aus dem Jahre 2012 bezifferte die Kosten für eine Sanierung auf knapp 200000 Euro – in diese Kostenaufstellung war allerdings nur die Westfassade des Turms eingeschlossen. Möglich, deutet Pfarrer Holland-Letz an, dass bald zu Spenden aufgerufen wird.

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