Neue Betreuungsform in Allendorf

Ein Wald als Kindergarten

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Pfarrer Gerald Rohrmann, die Erzieherinnen Lenita Herguth und Uta Billert sowie Bürgermeister Claus Junghenn freuen sich über die Waldgruppe, die bei Osterfeld entstehen soll.Foto: Mark Adel

Allendorf (Eder) - Bei Wind und Wetter im Freien, die Natur erkunden, über Stock und Stein rennen: In der Waldgruppe der evangelischen Kindertagesstätte in Allendorf soll das ab Mai möglich sein.

Bei Osterfeld soll sich der Wald in einen Kindergarten verwandeln – es wäre der erste seiner Art im ganzen Landkreis, berichten die beiden Erzieherinnen Lenita Herguth und Uta Billert. „In Marburg-Biedenkopf ist das wesentlich verbreiteter.“ Im Nachbarkreis haben sie sich viele Waldkindergärten angeschaut und ein Konzept für die Allendorfer Kindertagesstätte „Linspherfische“ erarbeitet.

Bis zu 20 Kinder sollen in der neuen Gruppe unterkommen, die am Wald nahe Osterfeld entsteht. „Und wir haben schon jetzt 14 Anmeldungen“, freut sich Lenita Herguth. Einzige Bedingung: Die Kinder sollten nach möglichst trocken, also etwa drei Jahre alt sein. Ein ausgedienter Bauwagen der Straßenmeisterei dient als Anlauf- und Rückzugsort, von dort aus erkunden die Kinder den Wald.

Gegen 8.15 Uhr starten sie mit dem Bus von Allendorf aus nach Osterfeld und laufen von der Dorfmitte die letzten Meter zum Wald. Mittags gegen 12 Uhr geht es wieder zurück. Vorher und danach können sie den „normalen“ Kindergarten besuchen – zu diesen Zeiten gibt es keine Platzprobleme.

In den Wald geht es übrigens bei nahezu jedem Wetter – wenn nicht gerade ein Orkan übers Edertal fegt oder sich ein Wolkenbruch über Osterfeld ergießt. Zeichnet sich solch extrem schlechtes Wetter schon morgens ab, können die Kinder einen Raum der Schule nutzen. Sind sie schon in Osterfeld, steht das Lebenshaus als Zufluchtsort zur Verfügung. Einen Namen gibt es noch nicht: „Den dürfen sich die Kinder überlegen.“

Entstanden ist die Idee aus rein praktischen Gründen: Der Platz in den drei Kindergarten im Gemeindegebiet wird knapp, besonders in der Kerngemeinde. „Wir haben überall Wartelisten“, berichtet der Allendorfer Pfarrer Gerald Rohrmann. Das gelte gleichermaßen in der Krippe und in der Betreuung der über dreijährigen Kindern.

Erste Pläne sahen das Ausweichen in Räume der Schule oder das Battenfelder Gemeindehaus vor. „Aber das wären Notlösungen gewesen, und es hätte trotzdem Geld in Umbauten gesteckt werden müssen.“ So entstand die Idee, ein ganz neues Angebot zu schaffen. Bürgermeister Claus Junghenn und Förster Erich Wetzlar hätten die Pläne auf Anhieb unterstützt, sagt Pfarrer Rohrmann. Eine geeignete Fläche mit Südhanglage wurde am Waldrand bei Osterfeld gefunden.

„Wir müssen noch den Platz herrichten und den Bauwagen umbauen“, erklärt Bürgermeister Junghenn. Die Gemeinde hat einen gebrauchten Wagen gefunden. Deshalb hofft der Verwaltungschef, dass für die Einrichtung des Geländes weniger Geld als die im Haushalt veranschlagten 30000 Euro benötigt wird.

An laufenden Kosten sind jährlich 130000 Euro eingeplant. So teuer wird es in diesem Jahr nicht, weil die Gruppe erst im Mai startet. Weil zwei Erzieherinnen mit der Waldgruppe unterwegs sind, wird für die Linspherfische derzeit noch Ersatz gesucht.

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