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Waldeck-Frankenberg: Duschen in Sporthallen bleiben kalt

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Von: Thorsten Spohr

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Leute in Moskau mÃŒssen kalt duschen
Beim Duschen kann viel Energie gespart werden. Eine Minute duschen verbraucht so viel Energie wie einen Haushalt drei Tage lang zu beleuchten. © dpa

Die Duschen in den Sporthallen des Landkreises Waldeck-Frankenberg bleiben weiter kalt. Aufgrund der Energiekrise hatte der Landkreis das warme Wasser abgestellt – und wird diese Entscheidung trotz der mittlerweile kalten Temperaturen auch vorerst nicht ändern.

Waldeck-Frankenberg – „Da auch der Landkreis in der anhaltenden Energiekrise konsequent und nachhaltig den Verbrauch von Erdgas und Strom reduzieren muss, bleibt der Warmwasserbetrieb in den kreiseigenen Liegenschaften, wie in zahlreichen anderen Landkreisen auch, leider vorerst weiterhin ausgesetzt“, teilt der Landkreis auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Bei den Sportlerinnen und Sportlern regt sich allerdings Widerstand, vor allem bei den Vertretern der klassischen Hallensportarten im Wettkampfbetrieb. „Das ist eine Zumutung“, berichtet Julia Fackiner. „Es ist so kalt, dass es in der Lunge brennt“, berichtet die Handballerin der HSG Ederbergland, die sich an unsere Zeitung gewand hatte. Und weiter: „Das ist gesundheitsschädlich.“

Das sehen andere ähnlich. „Jahrelang haben wir wegen Corona Hygieneregeln befolgt und jetzt müssen wir nach dem Sport vollgeschwitzt raus in die Kälte“, sagt Sebastian Wrzosek, Trainer der Handballer der HSG Bad Wildungen. Robert Müller, Trainer der Handballer des TSV Korbach findet: „Das ist eine Zumutung.“

Zumal die Sportlerinnen und Sportler registriert haben, dass in anderen Landkreisen die Duschen nicht kalt sind. So berichten Wrzosek, Fackiner und Müller davon, dass im Kasseler Raum warmes Wasser zum Duschen bereitstehe. Uwe Burkard, Abteilungsleiter der Frankenberger Volleyballer, hat ähnliche Erfahrungen im Gießener Raum gemacht.

Kompromissvorschlag: Warmes Wasser an Spieltagen

Dabei sperren sich die Vereine nicht gegen Maßnahmen zum Energiesparen. „Ein Kompromiss wäre, dass man nur an Spieltagen warmes Wasser bereitstellt“, sagt beispielsweise Uwe Burkard. Doch der Landkreis betont, dass dies technisch nicht umsetzbar sei, „da das Wasser in den Leitungen entweder konsequent über 60 oder unter 25 Grad gehalten werden muss, um die Bildung beispielsweise von gesundheitsgefährdenden Legionellen zu verhindern“.

Dabei liegen die Temperaturen mittlerweile weit unter 25 Grad: Unter der Woche war das Wasser in den Duschen der Sporthalle der Frankenberger Edertalschule 11,9 Grad warm – oder besser gesagt: kalt – wie die Ederbergländer Handballerinnen gemessen haben.

Der Sportkreis Waldeck-Frankenberg hat das Thema Anfang November angesprochen. „Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass es eine Gasnotlage so nicht gibt. Deswegen sollte der Landkreis den Schritt überdenken“, sagt der Vorsitzende Uwe Steuber. „Ich hoffe, dass man sich beim Landkreis mit dem Thema erneut auseinandersetzt“, fügt der Funktionär hinzu.

Kalte Duschen: „Geschrei geht durch die Kabinen“

Das Thermometer lügt nicht. 11,9 Grad, zeigt es an, als Julia Fackiner die Wassertemperatur in den Duschen der Sporthalle der Frankenberger Edertalschule misst. „Bei 10 Grad hole ich schon fast meine Winterjacke raus. Und bei den Temperaturen sollen wir duschen“, sagt die Handballerin der HSG Ederbergland. Zumal es bei der Trainingseinheit in der Sporthalle mit 15,7 Grad Lufttemperatur auch nicht gerade angenehm warm war.

Bei nicht einmal zwölf Grad bekommt die Redewendung „unter die Dusche springen“, eine völlig neue Bedeutung. „Das Geschrei geht durch die Kabinen“, berichtet Fackiner von Versuchen ihrer Mitspielerinnen oder von Gastmannschaften. Sie findet: „Das ist gesundheitsschädlich. Dabei haben wir nicht mal richtig mit dem Winter angefangen.“ Und das findet nicht nur sie. „Das ist eine Zumutung“, sagt Robert Müller, Trainer der Handballer des TSV Korbach. Er habe es einmal probiert, nach dem Training kalt zu duschen. „Das mache ich nicht wieder“, steht für ihn fest.

So haben die Sportlerinnen und Sportler die Wahl zwischen Pest und Cholera: entweder kalt duschen oder nassgeschwitzt und ausgekühlt in die Kälte gehen und mit dem Auto schnellstmöglich nach Hause fahren, um dort zu duschen. Denn eines ist klar: Geduscht wird auf jeden Fall – nur eben nicht in den Sporthallen, sondern zuhause. „Die Kosten werden so auf die Privatpersonen umgewälzt“, findet Müller.

Und Uwe Burkard stellt infrage, dass im Endeffekt wirklich Energie gespart wird. „Nur der Landkreis spart Geld“, findet der Abteilungsleiter und Trainer der Frankenberger Volleyballer. Sebastian Wrzosek, Trainer der Handballer der HSG Bad Wildungen/Friedrichstein/Bergheim, sieht es ähnlich: „Am Ende spart man nicht wirklich.“

Warme Duschen in anderen Landkreisen

Dabei sind die Sportlerinnen und Sportler offen für Kompromisse. Laut Burkard wäre schon geholfen, nur an den Spieltagen am Wochenende warmes Wasser zur Verfügung zu stellen – auch um den Gastmannschaften ein wenig Komfort zur Verfügung zu stellen. Schließlich haben diese meist noch eine lange Autofahrt vor sich. Diese „nassgeschwitzt anzutreten, ist nicht tragbar“, findet Burkard, der wie seine Vereinskollegen darauf hinweist, dass in den Hallen anderer Landkreise die Duschen warm seien. „Jeder ist bereit, bei Energiesparmaßnahmen mitzumachen und etwas dazu beizutragen. Aber es muss in einem angemessenen Rahmen sein“, sagt Burkard.

Alle betonen, dass sie die Regelung für gesundheitsschädlich halten. „Jahrelang haben wir Hygieneregeln befolgt“, sagt Wrzosek mit Blick auf die Corona-Pandemie. „Jetzt müssen wir vollgeschwitzt raus in die Kälte und ins kalte Auto“, sagt der Bad Wildunger Trainer. „Es tut mir leid: Das ist nicht verständlich.“

Landkreis weist auf Energiespareffekte hin

Der Landkreis macht in seiner Stellungnahme wenig Hoffnung, dass kurzfristig warmes Wasser in den Duschen bereitgestellt wird. „Das große Ziel ist es, den Sportbetrieb für alle Breitensportangebote aufrechtzuerhalten und gleichzeitig Energie einzusparen. Das ist leider nicht ohne gewisse Einschränkungen möglich“, sagt Sprecherin Ann-Kathrin Heimbuchner.

Der Verzicht auf warmes Wasser würde den Energieverbrauch in den Sporthallen stark senken. Der Verbrauch sei zwar von Halle zu Halle verschieden. „Fakt ist aber: Einmal Duschen zuhause verbraucht rund 6 Kilowattstunden an Energie. Ein Duschvorgang in der Halle erfordert im Durchschnitt rund 600 Kilowattstunden.“ Der Grund hierfür sei die Vorhaltung der großen zentralen Anlagen und der hygienischen Anforderungen in den Sportstätten und das im Verhältnis sehr seltene Duschen.

„Der Energieverbrauch für das Duschen zuhause, wo ohnehin permanent Warmwasser bereitgehalten wird, ist somit bis zu einhundertfach geringer als ein Mal Duschen in der Halle. Hier liegt der entscheidende Energieeinspareffekt“, so Heimbuchner.

Nur am Wochenende oder am Abend warmes Wasser bereitzustellen sei nicht umsetzbar. Das Wasser müsse konsequent über 60 oder unter 25 Grad gehalten werden, um die Bildung beispielsweise von gesundheitsgefährdenden Legionellen zu verhindern.

„Es ist absolut verständlich, dass die Situation eine große Herausforderung für alle ist. Daher soll der Warmwasserbetrieb auch nur so lange, wie es unbedingt nötig ist, ausgesetzt werden. Die aktuelle Energiekrise ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die nur gemeinsam gestemmt werden kann“, appelliert der Landkreis.

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