Keine Drehkreuze, mehr Einfluss

Teilhabeforum im Kreis setzte sich mit Bedürfnissen Behinderter auseinander

Waldeck-Frankenberg. Gut besucht war das zweite Teilhabeforum, zu dem der Landkreis in die Mehrzweckhalle Goddelsheim eingeladen hatte. Das Forum stand im Zeichen der Entwicklung von Ideen, damit Menschen mit Behinderungen uneingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Zehn große Tische waren in der Mehrzweckhalle in Goddelsheim aufgebaut worden, Bis zu zehn Menschen – zumeist mit Behinderungen – diskutierten über unterschiedliche Themen, die aber alle einen Einfluss auf ihre Akzeptanz im gesellschaftlichen Leben haben. Im Folgenden stellen wir nicht nur die Themen vor. Wir geben auch die Ideen wider, die von den Teilnehmern entwickelt wurden, um das Leben für Menschen mit Behinderungen zu verbessern.

• An den ersten beiden Tischen ging es um den Mangel an Wohnraum für Menschen mit Behinderungen und die Bewusstseinsbildung bei Vermietern. Da viele Betroffene nicht wissen, wo es für sie geeigneten Wohnraum gibt, wurde der Wunsch nach einem Online-Portal geäußert, in dem Wohnungen zu finden sind. Zudem sollten Vermieter von Anfang für Barrierefreiheit in ihren Wohnungen und Häusern sorgen. Entsprechend sollte es nach Meinung der Teilnehmer auch Förderungen geben. Da seien Städte, Gemeinden und der Landkreis gefragt.

• Am dritten Tisch stand das Thema „Arbeit“ auf der Tagesordnung. Die Teilnehmer waren sich einig darüber, dass es nur noch einen einzigen Arbeitsmarkt geben dürfe, der für alle Menschen durchlässig sei – also auch für Menschen mit Behinderungen. Es müsse zudem mehr Aufklärungsarbeit für Arbeitgeber geben.

• Über Mobilität und die Frage „Wie komme ich als Behinderter problemlos von A nach B“, wurde an Tisch vier gesprochen. Einig war man sich, dass künftig alle Fahrzeuge barrierefrei sein müssten. „Eine weitere Idee, die geäußert wurde, befasste sich mit Umsteigezeiten. Diese sollen verlängert werden, damit Menschen mit Behinderungen mehr Zeit haben, ihre Züge und Busse zu bekommen“, sagte Lisa Mannweiler vom Fachdienst Soziale Angelegenheiten beim Landkreis, die das Forum organisiert hatte.

Teilhabeforum in der Mehrzweckhalle Goddelsheim: Eine kleine Theatergruppe sorgte bei der Veranstaltung für Abwechslung.  

• An Tisch fünf drehte sich alles um Freizeit, Sport und inklusive Veranstaltungen. Den Teilnehmern war es wichtig, dass künftig immer auch Menschen mit Behinderungen in den Organisationsgremien sitzen. Schließlich wüssten diese am besten, worauf man bei inklusiven Veranstaltungen achten müsse.

• Die Barrierefreiheit im Allgemeinen wurde am sechsten Tisch aufgegriffen. „Dass es an Eingängen in Zukunft keine Drehkreuze mehr geben soll, war eine Forderung der Teilnehmer. Darüber hinaus sollte der Blick auch mal in andere Länder gehen, um sich dort etwas in Sachen Barrierefreiheit abzuschauen“, berichtete Lisa Mannweiler. Generell müsse beim Thema Infrastruktur –das auch an Tisch acht besprochen wurde – noch mehr auf Bedürfnisse behinderter Menschen eingegangen werden.

• An Tisch sieben ging es um die Bewusstseinsbildung. Kernpunkt dort: Die Zusammenkünfte zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen aus allen Generationen müssen verstärkt werden.

• An den Tischen neun und zehn wurde über den Übergang von der Kita in die Schule sowie über die inklusive Beschulung gesprochen. Kritisiert wurde, dass die Übergänge für Menschen mit Behinderungen zu abrupt seien. Die Teilnehmer forderten eine frühere Zusammenarbeit von Kita und Schule. Um Vorbehalte bei Eltern nicht behinderter Kinder hinsichtlich einer inklusiven Beschulung abzubauen, sprachen sich die Teilnehmer für noch mehr Infoveranstaltungen an Regelschulen aus

Generell – das wurde deutlich – sollte es mehr Anlaufstellen für Informationen und der Möglichkeit geben, sich zu Verbesserungen zu äußern.  

Quelle: HNA

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