Vorgaben und Infektionsrisiko zu hoch

Wegen Corona fallen fast alle Weihnachtsmärkte in Waldeck-Frankenberg aus

Symbolbild: Weihnachtsmärkte fallen aus
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Symbolbild: Weihnachtsmärkte fallen aus

Eigentlich würden am ersten Adventswochenende die ersten Weihnachtsmärkte in Waldeck-Frankenberg stattfinden. Eigentlich. Wäre nicht Corona.

Waldeck-Frankenberg – Wegen der Pandemie und dem verlängerten Teil-Lockdown fallen in diesem Jahr fast alle Weihnachtsmärkte und Adventsbasare im Landkreis aus, nur wenige finden in anderer oder kleinerer Form statt. Die Märkte sind grundsätzlich nicht verboten, die Vorschriften für Hygiene, Abstand und Maske und das Infektionsrisiko sind den meisten Veranstaltern und Standbetreibern aber zu hoch.

Schon in den vergangenen Wochen hatten einige Veranstalter ihre Weihnachtsmärkte frühzeitig „mit großem Bedauern“ oder „schweren Herzens“ abgesagt. Der Kaufmännische Verein in Frankenberg hatte noch im Oktober seinen Markt im Klostergarten am 3. Advent geplant, aber irgendwann „hat uns die weitere Entwicklung mit den aktuellen Auflagen keinen Spielraum gelassen“, sagt Vorsitzender André Kreisz. Das sei „sehr schade“, aber „lieber einmal ausgesetzt, als negativ in Erinnerung zu bleiben.“

Auch der Basar der Lebenshilfe, der für den 2. Advent in und an der Ederberglandhalle in Frankenberg geplant war, fällt aus. Damit fehle vielen Teilnehmern und Besuchern ein „Veranstaltungshighlight“ und der Lebenshilfe eine Einnahme, sagt Helmut Klein, der Vorsitzende der Lebenshilfe in Frankenberg. Trotzdem findet er: „Vor dem Hintergrund des aktuellen Gesundheitsrisikos, das jeder Veranstalter und Besucher eingehen würde, sollte es uns nicht schwerfallen, in diesem Jahr ausnahmsweise auf den Basar zu verzichten.“

Weihnachtsschmuck: (von links) Kristina Kirchner, Sonja Bobsin und Laura Gottschling mit Dekoartikeln, die sie für den Lebenshilfe-Basar angefertigt hatten. Einige der Arbeiten werden nun in der Schreufaer Filiale der Bäckerei Weber zum Verkauf angeboten.

Abgesagt ist für dieses Wochenende auch der Weihnachtsmarkt auf dem Obermarkt in Frankenberg: „Da gibt es keine Alternative, die Gesundheit geht vor“, sagt Organisator Bernhard Becker. Vor allem an Glühweinständen könnten schnell mehrere Menschen zusammenstehen. Daher kann er überhaupt nicht nachvollziehen, dass in diesen Tagen in der Messehalle in Kassel ein Großflohmarkt stattfindet: „Das geht gar nicht.“

„Die Absage hat natürlich auch finanzielle Auswirkungen, der Verdienst fehlt den Vereinen.“

Klaus-Dieter Arnold, früherer Marktleiter in Laisa

Auch der Weihnachtsmarkt in Laisa am ersten Adventswochenende, einer der größten im Frankenberger Land, fällt aus. Die Vereine veranstalten ihn seit 1983 gemeinsam, ausgefallen war er bisher nie. „Die Absage hat natürlich auch finanzielle Auswirkungen, der Verdienst fehlt den Vereinen“, sagt der frühere Marktleiter Klaus-Dieter Arnold. Die Stimmung wollen sich die Laisaer aber nicht nehmen lassen: Die Weihnachtskrippe am Museum und die Deko im Dorf werden trotzdem aufgestellt.

Seit Jahren beleben die Eheleute Martin und Andrea Funk mit ihrem Stand die Frankenberger Weihnachtsmärkte. Auch ihnen blutet das Herz: „Aber die Umstände sind halt so. Damit müssen wir im Moment leben.“ Finanziell seien sie zum Glück nicht von den Märkten abhängig: „Der Verkauf unseres Honigs und der Honigkerzen ist ein Hobby. Wir müssen davon nicht leben.“ Den Eheleuten geht in diesen Tagen vor allem die Atmosphäre abhanden: „Da fehlt einfach was.“

Aussteller: Andrea und Martin Funk sind bei den Frankenberger Weihnachtsmärkten in der Regel mit einem Stand mit Honigprodukten vertreten.

In Rosenthal wollte die Stadt eigentlich gemeinsam mit den örtlichen Vereinen sowie der Familie Kohlbeck am heutigen Samstag wieder zur „Einstimmung auf den Advent“ in die Hofraithe einladen, aber wegen Corona musste auch diese Veranstaltung abgesagt werden. Wir hatten schon alles vorbereitet, aber leider muss alles ausfallen“, bedauert Bürgermeister Hans Waßmuth.

Alternative Aktionen in der Vorweihnachtszeit seien nicht geplant in Rosenthal. „Richtige Weihnachtsstimmung“ wird seiner Ansicht nach in diesem Jahr vermutlich erste eine Woche vor dem Fest aufkommen. „Das Virus hat uns doch alle ganz schön im Griff“, schätzt Hans Waßmuth die aktuelle Pandemie-Lage ein. Er fügt aber an: „Weihnachten wird nicht ausfallen“.

Schausteller bedauern Absagen

In Bad Wildungen soll es in den kommenden Wochen eine „Adventsstadt“ geben – mit Lichtern, Holzbuden und längeren Öffnungszeiten in den Geschäften. Ersetzen kann das die abgesagten Weihnachtsmärkte nicht, bedauern auch viele Schausteller. „Das tat schon sehr weh und hat die Branche zusätzlich belastet“, sagt Konrad Ruppert (Bad Wildungen), Vorsitzender des Schaustellerverbands Kassel-Göttingen, nachdem unter anderem die großen Märkte in Kassel, Marburg und Gießen abgesagt wurden.

„Wir haben nur mit 40 bis 50 Prozent der Einnahmen gerechnet, weil ein gut ausgearbeitetes Hygienekonzept zusätzliche Kosten verursacht“, erklärt er. „Einige Kollegen haben ihre letzten Einnahmen im vergangenen Dezember gemacht“, berichtet Ruppert. Nach den Weihnachtsmärkten sei für die Schausteller Winterpause. „Wir hoffen, dass wir ab April wieder arbeiten können.“

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