Neujahrskonzert der Kiwanis Ederbergland

Im Walzertakt ins neue Jahr

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Durchdringend klare Stimme: Die Sopranistin Esther Hilsberg bewies ihre Stimmkraft bei Klassikern der filmischen Operetten wie Werner Heymanns „Das muss ein Stück vom Himmel sein“ aus dem Werk „Der Kongress tanzt“.

Frankenberg - Klassiker aus der Wiener Staatsoper und den goldenen 20er-Jahren in Berlin: Beim Kiwanis-Neujahrskonzert mit dem Johann-Strauß-Orchester stand weit mehr auf dem Programm als der Meister des Walzers selbst.

Ob „Heiter weiter“ das richtige Motto für ein Neujahrskonzert im Jahre 2015 ist, darüber mag gestritten werden: Weder endete 2014 besonders heiter noch begann das neue Jahr sonderlich amüsant. Vielleicht aber ist „Heiter weiter“ die einzig mögliche Losung in einer Zeit voll schlechter Nachrichten. Dem Frankfurter Johann-Strauß-Orchester jedenfalls ist es gelungen, bei seinem Konzert zum Neujahrsempfang der Kiwanis in der Ederberglandhalle für knapp drei Stunden viel Heiterkeit zu verbreiten und dunkle Gedanken für diese Zeit in weite Ferne zu verbannen. Mittel der Wahl: Walzer aus Wien und Berlin sowie die klare Stimme der Sopranistin Esther Hilsberg.

Einen Auftakt nach Maß - pompös, aber dennoch mit Stil - lieferte das Orchester mit der Ouvertüre aus „Der arme Jonathan“ von Carl Millöcker ab. Stefan Ottersbach, der zugleich dirigierte und auch moderierte, klärte - wie zu jedem Stück - den Hintergrund auf: Die DDR habe den „armen Jonathan“ als Lehr- und Gesinnungsfilm genutzt „und ihm jeden Humor entzogen“. Dem stünde das Stück von Millöcker mit ungezwungener Heiterkeit gegenüber.

Und für Heiterkeit gab es trotz der misslichen Nachrichtenlage dieser Tage durchaus Grund: Wie Kiwanis-Vorsitzender Erhard Pauly erläuterte, ist der Service-Club weltweit seit 100 Jahren aktiv. „Der Erste, dem in Detroit geholfen wurde, war der kleine Walter, der später den Nachnamen Kiwanis annahm“, erläuterte er. Seither sei Hauptziel des Clubs, Kindern und Jugendlichen zu helfen. „Wir machen das stets lokal - aber da es uns überall gibt, ist die Wirkung weltweit“, sagte Pauly. Im Frankenberger Land ist der Club seit einiger Zeit vornehmlich musikpädagogisch aktiv.

Und so passte es, dass Ottersbach für das Neujahrskonzert eine Reise durch die Geschichte des Walzers und der Operette erarbeitet hatte. Strauß selbst, Franz Lehár oder auch Franz von Suppé mit seinem Boccaccio-Marsch waren Paten für den ersten Teil des Konzerts. Ottersbach führte das Publikum in die goldene wie die silberne Zeit des Walzers ein und verknüpfte so Wissensvermittlung und die Freude an der Musik. Für Abwechslung sorgte Esther Hilsberg. „Wir haben viel gemeinsam, aber ich lerne sie erst jetzt kennen“, sagte Ottersbach: Beide studierten in Köln, hatten dieselben Lehrer, arbeiteten später an den gleichen Theatern - nur zu unterschiedlichen Zeiten. Die Sopranistin brillierte bei anspruchsvollen Operetten wie „Frühling in San Remo“ von Fred Raymond. Ihr Glanzstück des Abends aber legte sie mit dem verzückend vielseitigen „Toujours l’Amour“ von Paul Abraham ab, dem das Orchester ein Medley des Berliner Film-Komponisten folgen ließ.

Da war die Pause bereits vergangen und in die Walzer-Melodien hatte sich ein Hauch von Swing eingeschlichen. Schwungvoll ließ Ottersbach das Konzert mit Stücken von Robert Stolz ausklingen, kam um die Zugabe nicht herum und wurde nach dem zehnten Auftritt des Orchesters in der Ederberglandhalle auch noch beschenkt: Für ihn gab es einen maßangefertigten Thonet-Hocker der Serie 14.

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