Zweitägige Themenwanderung

Wanderung auf „Spuren des Mufflons"

+
Das Muffelwild ist seit 80 Jahren im Battenfelder Wald anzutreffen. Frank Röbert (Bildmitte) hat erforscht, wie das Mufflon ins obere Edertal gekommen ist. Am 8. Juli lädt er im Namen des Forstamtes zu einer Wanderung an. 2009, als dieses Foto entstand, berichtete Forstdirektor Gunter Berendes (Zweiter von rechts) über das Muffelwild. Mit im Bild (von links) der Kreisvorsitzende der Jägervereinigung Frankenberg, Hans Ammenwerth, Josef Kocab, der Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins, Frank Röbert und Heinz Friedrich mit Mufflon-Trophäen.

Allendorf-Battenfeld - Im Battenfelder Wald gibt es seit 80 Jahren Muffelwild. Das Forstamt Frankenberg und die Revierförsterei Osterfeld nehmen dies zum Anlass, am Sonntag, 8. Juli, eine zweistündige Wanderung unter dem Motto „Auf den Spuren des Muffelwildes" anzubieten.

Frank Röbert vom Forstamt Frankenberg hat umfangreiche Recherchen über das Muffelwild angestellt. Der Forstbeamte wälzte Akten, die bis in das Jahr 1932 zurückreichen. Dabei fielen ihm Belege wie alte Rechnungen, Lieferscheine und sogar Skizzen der Transportkisten in die Hände, die die Ansiedlung des Muffelwildes im Battenfelder Wald dokumentieren. Das Ergebnis seiner Recherchen:

Am 29. Februar 1932 kamen am Bahnhof in Allendorf sieben Kisten Eilgut mit besonderer Fracht an. Absender war die Firma Julius Mohr JR. - Versandhaus für lebendes Wild - aus Ulm. In den Kisten befanden sich zwei Muffelwidder aus Sardinien, dem Ursprungsland dieser Wildschafe, sowie fünf trächtige Muffelschafe aus der Slowakei. Die Tiere waren zwei Tage unterwegs und sollten nun sofort in ein vorbereitetes Eingewöhnungsgatter von 1,5 Hektar Größe tief im Wald gebracht werden. Wie sich herausstellte, war das neue „Revier“ nicht versteckt genug. Der damalige Forstamtsleiter und Initiator, Forstmeister Walter Frevert aus Battenberg, beklagte sich über „Scharen von Menschen“, die besonders am Sonntag ins Revier kommen, um die „wilden Schafe“, von denen behauptet wurde, sie sähen aus wie eine „gehörnte Wildsau“, selbst zu sehen. Da halfen weder Verbotsschilder noch kontrollierende Forstbeamte. Frevert fand aber eine Lösung, wodurch die Tiere vorerst ihre Ruhe fanden. Er setzte in der Nähe einen ehemals zahmen Rehbock aus, der „aggressiv geworden war“. Bereits die Kunde hiervon stoppte die Besichtigungsausflüge.

Forstmeister Frevert

Forstmeister Frevert leitete vom 1. April 1928 bis zum 30. November 1936 das damalige Forstamt Battenberg. Er war im vergangenen Jahrhundert einer der bedeutendsten jagdschriftstellerischen Verfasser, unter anderem mit drei Bänden biografischer Jagderlebnisse als Bestseller. Seine Zeit in Battenberg beschreibt er in dem 1957 erschienenen Buch „Und könnt’ es Herbst im ganzen Jahre bleiben“. Bereits 1936 erschien der Klassiker „Jagdliches Brauchtum“. Das patentierte „Waidmesser nach Oberforstmeister Frevert“ ist ebenfalls heute noch zu kaufen.

Sein auffallendes Interesse an der Bewirtschaftung des Rotwildes und Erfolge bei der Nachsuche von Rotwild durch die Führung des „Hannoverschen Schweißhundes“ machten ihn in der Jägerschaft und auch Forstverwaltung bekannt. Frevert wurde auch aufgrund dieser Aktivitäten nach Ostpreußen versetzt, wo er ab 1938 zusätzlich als Forstinspektionsbeamter in dem von Hermann Göring als „oberstem Jäger des NS-Regimes“ beanspruchten Staatsjagdrevier „Rominter Heide“ verantwortlich wurde. Ungeklärt geblieben ist Freverts Verantwortung im Zusammenhang mit der Vertreibung vieler Dorfbewohner bei der von Göring befohlenen Einrichtung des Jagdreviers „Urwald Bialowies“. 1953 wurde Frevert Leiter des Forstamtes Kaltenbronn im Schwarzwald, dem Staatsjagdrevier des neu gegründeten Bundeslandes Baden-Württemberg. Frevert starb 1962 im 65. Lebensjahr bei einem Jagdunfall. Eine ausführliche Biografie über Walter Frevert, „Eines Weidmanns Wechsel und Wege“, ist 2005 von Andreas Gautschi verfasst worden.

Bereits 1928 war im benachbarten Hallenberger Wald Muffelwild als neue jagdbare Tierart mit Erfolg ausgesetzt worden. Es hatte sich vermehrt, ein Zeichen für Frevert, dass die hiesige Waldlandschaft für dieses Wild geeignet war. Ein erster Genehmigungsantrag an das zuständige Regierungsreferat in Wiesbaden für das Aussetzen von Mufflons wurde zwar im Hinblick auf fehlende Finanzmittel für erforderliche 3000 Reichsmark abgelehnt, aber Frevert, der auch Vorstandsmitglied des Rotwildjagdverbandes Rothaargebirge (mit entsprechenden Beziehungen) war, gelang es ein Jahr später, trotz der Weltwirtschaftskrise einen staatlichen Fonds und private Geldgeber für seine Idee zu begeistern. Größter Einzelposten war der Ankauf der Muffel: ein Widder kostete 300 Mark, das Schaf 275 Mark. Hinzu kamen 20 Rollen zu je 25 Meter Maschendraht für 335 Mark.

Keine Schälschäden

Das erste Lamm wurde bereits Mitte März gesetzt, zwei weitere folgten bis Ende April 1932. Ende Juli wurde dann das Gatter geöffnet. Fünf Jahre nach dem Aussetzen im Zusammenhang mit dem Auftrag, die Sonderschau Muffelwild auf der internationalen Jagdausstellung in Berlin zu organisieren, erbat Frevert detaillierte Auskünfte über den hiesigen Bestand in den Revierförstereien Battenfeld, Allendorf und Bromskirchen. Danach wurden zwölf Widder sowie 18 Schafe und Lämmer gezählt. 1955 wurde der Bestand mit 26 Widdern und 45 Schafen/Lämmern angegeben. Der heutige Bestand wird auf rund 300 Stück geschätzt.

Frevert blieb es vorbehalten, im November 1937 den ersten Widder zu erlegen. Er wog 36 Kilogramm. Bis 1945 wurden jährlich zwei Widder und sechs Stück weibliches Wild einschließlich Lämmern zur Erlegung freigegeben. Heutzutage beträgt die jährliche Jagdstrecke etwa 100 Stück; das sind ungefähr 25 Prozent der gesamten hessischen Jagdstrecke für Muffelwild.

1934 schreibt Frevert in einem Artikel, dass die Muffel in einem Gebiet von 2000 Hektar rund um das Eingewöhnungsgatter verblieben sind. Heute ist das hessische Muffelwildgebiet Rothaargebirge jagdrechtlich auf ein Gebiet von rund 6000 Hektar festgelegt, begrenzt durch die Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen, die Eder und die Bundesstraße 236.

1953 wurde erstmals entschieden, geeignete Jungtiere lebend zur Einbürgerung für andere hessische Forstämter, später auch für private Interessenten, einzufangen. Das „Battenberger Muffelwild“ war begehrt, da es keine Schälschäden an den Bäumen und keine Wildschäden im Feld verursachte. So transportierte die Firma Traute und Born aus Battenfeld mit Lastwagen im Februar sechs Stück Muffelwild zum Forstamt Germerode im hessischen Meißner. Dafür wurden elf Stunden zu je 8,70 DM, davon für den Fahrer 1,20 DM je Stunde, in Rechnung gestellt.

Das Anlocken und Einfangen der Tiere gelang nicht immer nach Wunsch; viele Anfragen konnten nicht erfüllt werden. Muffelwild erhielten zum Beispiel auch der Saupark Springe bei Hannover sowie der Berliner und der Darmstädter Zoo. Ein Widder kostete damals 500, ein Schaf 400 und ein Lamm 100 DM. Bis 1966 wurden so in zwei extra angelegten Muffelfängen 92 Tiere gefangen.

Gefahr durch Luchse

„Nach 80 Jahren ist festzuhalten“, sagt Röbert, „dass sich das Muffelwild nachhaltig etabliert hat.“ Es sei aber auch festzustellen, dass in den vergangenen Jahren der Gesundheitszustand infolge des verstärkten Auftretens von Erkrankungen bei den Schalen, Stichwort Moderhinke, Sorge bereite und der Lebensraum damit wohl doch nicht als optimal zu bezeichnen sei. Inwieweit dabei auch genetische Ursachen eine Rolle spielen, sei nicht untersucht. „Für die Zukunft bleibt abzuwarten, ob nicht auch der Luchs als ,neuer Jäger‘, der bereits jetzt Wälder in Nordhessen durchstreift, auch bei uns zu einem Rückgang des Bestandes führen wird.“ Im Harz sei dies geschehen.

Start der Wanderung „Auf den Spuren des Muffelwildes“ ist am Sonntag, 8. Juli, um 10 Uhr. Treffpunkt ist der Wanderparkplatz an der B 236 gegenüber dem Abzweig Osterfeld. Alle Naturfreunde sind eingeladen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare