Kindertrachtengruppen traten beim Hessentag in Korbach auf

Warum Volkstanz für manche Kinder so cool wie Fußball ist

Severina Eckel (rechts) bindet ihrer Schwester Josephina die Schleife des Käppchens. Die beiden tanzen in der Kinderlandjugend Geismar.

Korbach. Sie haben dem Ministerpräsidenten die Schau gestohlen: Während Volker Bouffier im Publikum saß, begeisterten Kindertanzgruppen im Trachtenzelt auf dem Hessentag die Zuschauer mit ihren Volkstänzen. Und auch Bouffier fand es „super, dass die Kinder hier dabei sind“.

Mit dabei waren auch Volkstanzgruppen aus Geismar, Haubern und Laisa. Einige der Kinder gerade mal vier, fünf Jahre alt. Und wie die Erwachsenen, die am Abend tanzten, zeigten sie, dass es gar nicht uncool ist, in Tracht zu tanzen. Schon gar nicht beim Hessentag.

„Ich tanze, weil es mir Spaß macht“, erzählt Josephina Viktoria Eckel aus Dörnholzhausen. Die Fünfjährige tanzt in der Kindertanzgruppe der Landjugend Geismar. „Ich glaube, ich habe mit vier angefangen.“ Ihre Schwester und ihr Bruder tanzen schon in der Gruppe der älteren Kinder, die ebenfalls im Zelt der Hessischen Vereinigung für Tanz und Trachtenpflege auftritt.

Die Kleinen tanzen noch einfache, spielerische Tänze mit Klatschen, Stampfen und Drehen. „Der König ging spazieren“ ist einer von Josephinas Lieblingstänzen.

Was bei allen Kindergruppen an diesem Nachmittag auffällt: Es gibt deutlich mehr Mädchen als Jungen. Für Louis Stremme ist das kein Problem. „Dann tanzen einfach zwei Mädchen zusammen“, sagt der Achtjährige aus Ellershausen, der durch eine Freundin vor zwei Jahren zur Landjugend Haubern kam. Louis ist bei dem Auftritt in Korbach einer von nur drei Jungen der Kindertanzgruppe. „Für die Kinder spielt das beim Tanzen keine Rolle“, sagt Tanzleiterin Carolin Hochgrebe.

Klatschen, stampfen, drehen: Der achtjährige Louis hat Freude am Volkstanz – hier mit seiner Tanzpartnerin Vianne beim Auftritt der Hauberner Kinderlandjugend auf dem Hessentag. Fotos:  Paulus

Es gebe noch mehr Jungen, die Interesse am Volkstanz haben, die hätten aber oft noch andere Hobbys, vor allem Fußball, sagt Hochgrebe. „Irgendwann müssen sie sich entscheiden, dann zieht bei vielen der Fußball mehr als das Tanzen.“ Die Landjugend Haubern ist aber das beste Beispiel, dass Volkstanz auch bei Jugendlichen und Erwachsenen angesagt ist: Die Gruppe, die nächste Woche ihr 40-jähriges Bestehen feiert, hat mehr als 250 Mitglieder.

„Wenn sich die Kinder als Gruppe gefunden haben, machen sie das mit Freude und verteidigen den Volkstanz auch vor Freunden, die das nicht so cool finden. Und sie tragen die Tracht mit Stolz“, sagt Carolin Hochgrebe.

Moderatorin Teresa Arnold (unten) interviewt den sechsjährigen Ole von der Kindertanzgruppe Laisa. Dahinter Alina Schäfer (rechts), die stolz sagt: „Ich trage gerne Tracht.“

Das gilt auch für Alina Schäfer aus Laisa. Die 13-Jährige ist vor wenigen Wochen konfirmiert worden und findet es trotzdem noch immer „cool, zu tanzen und Tracht zu tragen“. Wie ihre beiden älteren Schwestern wechselt sie jetzt mit der Konfirmation von der Kindertanzgruppe zur Trachtengruppe der „Großen“, in der auch ihre Mutter Eva tanzt. „Es macht mich natürlich stolz, dass meine Töchter das fortführen“, sagt die Mutter. „Ich habe aber nie gesagt, dass sie zur Trachtengruppe müssen; sie machen das freiwillig.“

Deshalb ist es für Alina auch kein Problem, in ihrer evangelischen Marburger Tracht mit Rock, Schürze, Leibchen und auf dem Kopf der Stülpe durch die Hessentagsstraße zu gehen. „Die Leute freuen sich, dass wir Tracht tragen. Das macht mich stolz“, sagt die 13-Jährige.

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