Lehrer arbeiten auf dem "Reddighäuser Hammer"

"Was anderes als Kreide in der Hand"

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Die Lehrer Peter Weber, Wolfgang Werth, Marcel Himmelmann, Volker Gülich und Daniel Haim ließen sich von Dirk Augustat und Andreas Koch (v.l.) durch den Betrieb führen.Foto Mark Adel

Hatzfeld-Reddighausen - Sie haben geschweißt, geschliffen, schwere Stahlteile gehoben - und das alles für ihre Schüler: Fünf Lehrer haben gestern die Werkbank gegen die Tafel eingetauscht und auf dem Reddighäuser Hammer gearbeitet. Das Ziel: Die Berufsberatung an den Schulen soll noch praxisnäher werden.

Die Lehrer sind Mitglieder des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft, der verschiedene Veranstaltungen anbietet, um Lehrer und Betriebe miteinander in Verbindung zu bringen. Der Tag im Betrieb gehört zu diesem Angebot. „Wir reden viel über Arbeit“, sagte Wolfgang Werth von der Battenberger Gesamtschule. „Da ist es sinnvoll, Arbeit auch zu erleben.“

Die Firma Frank Original, in der Region besser bekannt als „Reddighäuser Hammer“, stellt Verschleißprodukte für die Landwirtschaft her - bekannt sind vor allem die Pflugscharen. Ausgerüstet mit Sicherheitsschuhen und Frank-Shirts erfuhren die Pädagogen, wie die Formen per Lasertechnik ausgeschnitten werden oder Stahlteile sandgestrahlt werden, sie lernen den Werkzeugbau und die Schlosserei kennen.

Neben Wolfgang Werth arbeiteten Volker Gülich und Marcel Himmelmann von der Ortenbergschule, Daniel Haim von der Friedrich-Trost-Schule und Peter Weber von der Battenberger Gesamtschule auf dem „Hammer“.

Mitarbeiter leiteten die Lehrer an. „Alle waren sehr engagiert“, berichtete Wolfgang Werth von der Battenberger Gesamtschule. Volker Gülich von der Frankenberger Ortenbergschule ist vor allem aufgefallen, dass viele Mitarbeiter schon seit sehr langer Zeit im Betrieb beschäftigt sind. Diese Verbundenheit, zum Teil über Generationen, zeichne den „Hammer“ aus, sagte Andreas Koch.

Die Einblicke seien „sehr authentisch gewesen“, sagte Werth. Dazu zählte auch die Arbeitszeit: Die Lehrer traten ihren Dienst morgens um 6 Uhr an, gemeinsam mit den anderen Hammer-Mitarbeitern zur Frühschicht. „Dann können sie den Schülern auch erzählen, wie ein siebeneinhalb Stunden langer Arbeitstag aussieht“, sagte Andreas Koch, Kaufmännischer Leiter von Frank Original. „Man bekommt einen gewissen Respekt vor dem Arbeitsalltag hier“, bestätigte Wolfgang Werth. „Das ist was anderes, als Kreide in der Hand zu halten.“ Werth lobte die Bereitschaft der Betriebe, mit den Schulen zusammenzuarbeiten und beispielsweise Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen. Aus Werths Sicht profitieren beide Seiten von dem gegenseitigen Austausch. „Wir sprechen regelmäßig miteinander.“ Die Lehrer, die gestern im Betrieb arbeiteten, unterrichten Arbeitslehre oder beraten bei der Berufewahl - ein enger Kontakt zur Wirtschaft ist deshalb wichtig.Das Unternehmen bildet neben Kaufleuten vor allem Industriemechaniker aus. Das biete nach Abschluss der Lehre besonders viele Möglichkeiten, sagte Koch. Derzeit werden zehn Instrustiemechaniker und zwei Industriekaufleute ausgebildet. Andreas Koch sieht die Lehrer als Multiplikatoren, die über den Arbeitsalltag im Betrieb ihren Kollegen berichten.

Dass Lehrer den Arbeitsalltag so hautnah erleben, sei ein Besonderheit im Frankenberger Land, sagt Frauke Syring vom Arbeitskreis Schule-Wirtschaft. „Es geht weiter als die klassische Betriebserkundung, denn wir wollen, dass sich Lehrer intensiver Gedanken machen können über Ausbildungsberufe.“

Dazu gehöre, einen Tag den Rollentausch zu erleben, bei dem der Lehrer Schüler eines Ausbilders ist. (da)

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