Da staunten die Heimathistoriker

Was Frankenberg mit Mondlandung und  Hitlerattentat verbindet

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Stauffenberg-Verbündeter: Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim (rechts, 1905-1944) hat Vorfahren in Frankenberg. Er war ein Freund von Oberst Claus Schenck Graf von Stauffenberg (links, 1907-1944). Die Aufnahme entstand um 1942. 

Was verbindet Frankenberg mit dem Attentat auf Adolf Hitler (1944) und der  Mondlandung (1969)? Karl-Heinz Hartmann vom Frankenberger Geschichtsverein und Stadtarchivar Dr. Horst Hecker hab es erfahren.

Die erstaunliche Erkenntnis basiert auf einem Besuch von Dr. phil. Volker Hohmann aus Berlin in Frankenberg. Gemeinsam begleiteten  Hecker und Hartmann den direkten Nachfahren des kurfürstlichen Steuerinspektor Johannes Hohmann (1806-1873) zum Dienstsitz des Ahnen, das Landratsamt im ehemaligen Zisterzienserinnen Kloster St. Georgenberg in Frankenberg.

„Der Steuerinspektor gehörte Mitte der 1850er-Jahre zu den Honoratioren der Stadt. Im Jahre 1852 wird er als Mitbegründer der Frankenberger Kasino-Gesellschaft genannt. Einige seiner Kinder wurden in Frankenberg geboren und dort auch konfirmiert“, erläutert Hartmann der HNA.

„Was Volker Hohmann über das Schicksal einiger Nachfahren dieses Frankenberger Steuerinspektors zu erzählen hatte, war hoch interessant“, schildert Hartmann nach dem Treffen. Denn unter ihnen war ein Raumfahrt-Pionier und ein Widerstandskämpfer im Dritten Reich. Und verwandt mit ihnen ist auch noch ein in Frankenberg geborener Astrophysiker.

Raumfahrt-Pionier

Hohmann erläuterte: Ein Enkel des Steuerinspektors war Dr.-Ing Walter Hohmann (1880-1945), sein Großvater. Er gehört unbestritten zu den großen Raumfahrtpionieren des vorigen Jahrhunderts. Sein Werk ,Die Erreichbarkeit der Himmelskörper’ von 1925 gilt als bahnbrechend für die Weltraumfahrt.

Für den deutsche Raketeningenieur Wernher von Braun diente das Buch als Grundlage und Anregung für dessen Bahnberechnungen. „Ohne diese Vorarbeiten von Dr.-Ing. Walter Hohmann wäre die Mondlandung nicht möglich gewesen“, schrieb die Rhein-Neckar-Zeitung in Heidelberg am 20. Juli 2019. Die Internationale Astronomische Union benannte 1970 einen Krater auf dem Mond nach Walter Hohmann. Zwei Sternwarten in Deutschland tragen seinen Namen.

Widerstandskämpfer

Die älteste Schwester dieses „Raketen-Ingenieurs“, Wilhelmine Eleonore Mertz von Quirnheim (1875-1954), war die Mutter  des Obersts im Generaralstab  Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim

(1905-1944), der als enger Freund von Claus Schenk Graf von Stauffenberg zum engsten Kreis der Widerstandskämpfer gehörte, welche am 20. Juli 1944 ein Attentat auf Adolf Hitler verübten. Es endete bekanntlich tragisch.

Gemeinsam mit seinem Freund Stauffenberg sowie dessen Adjutant Werner von Haeften und General Olbricht wurde Albrecht in der Nacht zum 21. Juli 1944 auf dem Hof den Bendlerblocks in Berlin standrechtlich erschossen und auf Befehl Heinrich Himmlers verbrannt. Die Asche verstreute man auf den Feldern um Berlin.

Astrophysiker

Ein Cousin des Raketen-Ingenieurs Dr. Walter Hohmann war der 1863 in Frankenberg geborene Professor Dr. Wilhelm Trabert. Er war ein bedeutender Astrophysiker und Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien.

Leben und Werk dieses berühmten Wissenschaftlers hat der Schreufaer Karl-Heinz Hartmann, der auch Herausgeber zahlreicher Bücher ist, erst kürzlich beleuchtet und im Frankenberger Heimatkalender 2019 gewürdigt.

Vater des Astrophysikers Wilhelm Trabert war der Dichter, Advokat und Journalist Adam Trabert (1822-1914), der 1859 Elise Haumann in Frankenberg heiratete.

Karl-Heinz Hartmanns Bilanz nach der Begegnung mit Volker Hohmann lautet: „Immer wieder wird man überrascht, was die familiengeschichtliche Forschung ans Licht bringen kann – auch in Frankenberg.“

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