Umweltministerin Lucia Puttrich sieht Energiewende als „epochale Aufgabe“ an

Wechsel nicht schmerzfrei

„Energiewende - eine aktuelle Bilanz“: Das war das Thema einer IHK-Veranstaltung in Allendorf. Das Foto zeigt von links Dr. Walter Lohmeier, Hauptgeschäftsführer IHK Kassel, Umweltministerin Lucia Puttrich und den Viessmann-Generalbevollmächtigten Manfred Greis. Foto: Hoffmeister

Allendorf-Eder. Seit Fukushima ist alles anders. Nach der japanischen Reaktorkatastrophe im März 2011 ist der Ausstieg aus der Atomenergie beschlossene Sache. Bis 2050 sollen erneuerbare Energien wie Wind- und Wasserkraft, Biomasse oder Fotovoltaik 80 Prozent der deutschen Stromversorgung sicherstellen.

Wie ist der Stand der Energiewende? Zu dieser Frage hatte die Industrie- und Handelskammer Kassel Vertreter aus Politik und Wirtschaft in die Akademie der Viessmann-Werke eingeladen. Hauptrednerin war die hessische Ministerin für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Lucia Puttrich.

„Wenn man möchte, dass die Welt sich verändert, dann sieht sie hinterher anders aus.“

Lucia Puttrich

Zwei Pflöcke schlug Puttrich gleich zu Beginn ihres Vortrages ein: Die Energiewende dürfe man nicht auf den Strom reduzieren („das meiste ist Wärme“). Und: Wer den Erfolg an der Höhe der so genannten EEG-Umlage (derzeit 5,277 Cent) messen wolle, der verfolge „den falschen Ansatz“. Vielmehr sei die Energiewende eine „epochale Aufgabe“. Der Wechsel gehe „nicht schmerz- und kostenfrei“, so Puttrich: „Wenn man möchte, dass die Welt sich verändert, dann sieht sie hinterher anders aus.“ Strom sparen und den Wechsel des Anbieters sprach die Ministerin als mögliche Reaktionen an.

Auf den Spagat zwischen politisch gewollter Energiewende und der Frage der Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit ging der Hauptgeschäftsführer der IHK Kassel, Dr. Walter Lohmeier, ein. Lohmeier sprach von einer „gewaltigen Herausforderung“.

Das angekündigte Ziel, die Umlage für erneuerbare Energien (EEG-Umlage) auf 3,5 Cent des Strompreises zu begrenzen, sei ebenso verfehlt worden wie der erforderliche Bau neuer Stromtrassen, sagte der Journalist Andreas Horchler als Moderator. Dr. Hermann Hüwels vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) räumte ein, dass Deutschland beim Leitungsausbau „erheblich zurückhängt“. Die Belastung der Privathaushalte und Unternehmen durch das Erneuerbare Energiengesetz (EEG) müsse gesenkt werden, forderte der Bereichsleiter für Umwelt, Energie und Rohstoffe.

„Enorm viele Arbeitsplätze“

„Steigendes Interesse“ an der Umsetzung der Energiewende hat Prof. Dr. Jens Hesselbach von der Universität Kassel ausgemacht. Auf die Frage, ob die Fotovoltaik ein energiepolitischer Irrweg gewesen sei, antwortete Hesselbach: aus der Versorgungssicht sei die Fotovoltaik „eher uninteressant“. Aber: „Wir dürfen nicht vergessen, dass diese Technologie gerade in unserer Region enorm viele Arbeitsplätze gebracht hat.“

In Vertretung des nach einer Fußoperation noch genesenden Firmenchefs Dr. Martin Viessmann wies der Generalbevollmächtigte Manfred Greis darauf hin, dass der Allendorfer Heiztechnikhersteller die ausgegebenen Energie- und klimapolitischen Ziele der Bundesregierung bereits heute erreicht.

Viesssmann habe den Anteil erneuerbarer Energie auf 60 Prozent erhöht und den Ausstoß von Kohlendioxid um 80 Prozent gesenkt.

Von Thomas Hoffmeister

Quelle: HNA

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