Junge Autorin Melda Akbas schilderte in Frankenberg ihr Leben zwischen Moschee und Minirock

„Weder Baum noch Borke“

Integration und Parallelgesellschaft: Die junge Autorin Melda Akbas, hier zwischen Buchhändlerin Inge Jakobi und Manfred Berger vom Frankenberger Türkisch-Deutschen Verein, stellte ihren autobiografischen Beitrag zur Migrationsproblematik vor. Foto: Völker

Frankenberg. Sie ist charmant, selbstbewusst und schlagfertig. Schnell kommt sie mit dem Frankenberger Publikum in Kontakt, in der Buchhandlung Jakobi sitzen die Zuhörer dicht gedrängt in jedem Winkel und auf Treppenstufen. „So wie ich will. Mein Leben zwischen Moschee und Minirock“, nannte Melda Akbas ihr Buch, das sie im vergangenen Jahr als 18-jährige Abiturientin geschrieben hat und dabei mitten in der Debatte um Integration und Sarrazin ihre ganz eigene Sichtweise von Migration öffentlich machte.

Für den Türkisch-Deutschen Verein in Frankenberg war dies der Anlass, die Autorin zu einer Lesung mit Diskussion in die Buchhandlung Jakobi einzuladen. Vereinsvorsitzender Manfred Berger sparte in seiner Einleitung nicht mit Lob: „In diesem Buch spiegelt sich das breite Spektrum des türkischen Lebens hier in Deutschland wider. Man kann in den hier geschilderten persönlichen Erfahrungen viel mehr über Probleme lesen und lernen, als in mancher öffentlichen Debatte.“

„Vielleicht ist das mein Dilemma. Für Deutsche bin ich eine Türkin, für Türken eher eine Deutsche. Weder Baum noch Borke. Nichts Richtiges. Ein Zwischending. Ich kann weder das eine noch das andere sein, ohne mich teilweise selbst zu verleugnen, aber beides geht eben auch nicht.“

So schildert die junge Berlinerin ihre Situation, die sie zum ständigen Spagat zwingt: zwischen dem Respekt vor ihrer muslimischen Erziehung und der Entschlossenheit, sich einzumischen, mitzubauen an einer friedlichen Welt vieler Kulturen und dabei als Frau ihre Selbständigkeit zu bewahren.

Die Frankenberger Zuhörer interessierten sich besonders für das Verhältnis, das Melda zu ihren Eltern entwickelt und vielleicht durch ihre sehr offene literarische Verarbeitung verändert hat. „Meine Mutter hat das Buch akzeptiert, mein Vater lässt es ruhen“, berichtet sie. Akbas erzählt von Konflikten und Freundschaften, „wo alle Dates heimlich sind.“ Sie ist dennoch „stolz darauf, Tochter türkischer Eltern zu sein“. Für sie gilt: „Familie ist Reichtum.“

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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