Gemünden

Wenn „besonders“ ganz normal wird

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- Gemünden (apa). Warum sollten Kinder und Jugendliche mit Behinderung nicht mitspielen, schwimmen, den Bauhof oder ein großes Unternehmen erkunden? Das dachte sich Dörthe Klinge und fragte beim Internationalen Bund nach. Daraus wuchs eine Zusammenarbeit, die von einem Erfolg für alle Seiten gekrönt war.

Ferienspiele gibt es in vielen Städten und Dörfern – doch bei den wenigsten ist die Teilnahme von Kindern mit Behinderung vorgesehen, allein schon wegen der fehlenden Betreuung und der nötigen Flexibilität. In Gemünden sieht das nun anders aus. Dort gibt es seit Jahresbeginn die Individuelle Familienassistenz (IFA) des Deutschen Roten Kreuzes, die Familien betreut, unterstützt und berät, in denen ein Kind mit Behinderung lebt.

Die IFA entstand auf Initiative von betroffenen Eltern (wir berichteten) und ist ein völlig neues Konzept in der Behindertenarbeit im DRK-Kreisverband. Mit der Zusammenarbeit bei den Ferienspielen mit dem Internationalen Bund (IB) ist eine weitere Neuentwicklung geschafft: Unter den rund 50 Kindern waren erstmals eines mit Down-Syndrom und zwei mit komplexen seelischen Behinderungen.

Betreut wurden alle Kinder gemeinsam von bis zu zehn Jugendleitern, zwei Mitarbeiterinnen des DRK sowie Todor Tabakov, der die Jugendarbeit des IB in Gemünden leitet. Aus seiner Sicht war das Thema der diesjährigen Ferienspiele besonders gut geeignet, um die drei Kinder mit Behinderung einzubinden: Die Jungen und Mädchen lernten gemeinsam ihre Stadt kennen, wählten eine Bürgermeisterin, besuchten den Bauhof, die Firma Depro und das Schwimmbad.

„Für uns war es toll, dass wir punktuell ein- und aussteigen konnten, den Bedürfnissen der Kinder entsprechend“, betont Dörthe Klinge von der IFA. Allerdings sei es schon nach dem zweiten Tag kaum notwendig gewesen, etwas abzubrechen, fügt sie hinzu: Wie meistens sei es auch bei den Ferienspielen so gewesen, dass die Kinder weit mehr schafften, als man anfangs erwartet habe. Dennoch: „Das war schon ein Wagnis“, räumt sie ein, „aber ein Wagnis, das den Kindern zusteht“. Den Erfolg hätten sie auch den anderen Jungen und Mädchen zu verdanken: „Das war eine ganz tolle soziale Interaktion“, lobt Klinge. Es habe keine Lästereien gegeben und auch keine Versuche, jemanden auszu­stoßen.

Aus Sicht von Dörthe Klinge ist die Integration von Kindern mit Behinderungen in vielen weiteren Projekten und auch ohne die Zusammenarbeit mit großen Trägern möglich – die Finanzierung erfolgt über öffentliche Gelder. Informationen und Kontakt bei Anke Lottig vom DRK unter Telefon 06451/7227-11.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Donnerstag, 11. August.

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