Ehrenamtliche des Bromskirchener Skiclubs sorgen für gute Bedingungen am Lift

Wenn Flocken Freude bringen

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Skilift und Loipe sind sein Metier: Ralf Bonacker-Wind ist seit Ende der 1980er-Jahre als Liftwart tätig.

Bromskirchen - Ein paar Tage lang konnten Wintersportfans in Bromskirchen am Skilift die weiße Pracht genießen. Für gute Bedingungen in der Loipe und auf der Piste sorgt in dieser Zeit unter anderem Ralf Bonacker-Wind.

Über allem thront Gustav Thöni. Der Olympiasieger im Riesenslalom lächelt auf dem Schwarzweißfoto unter der Decke. Er lacht hinab in die urige Skihütte - in einer Hand den Pokal, im Hintergrund die Berge. Als wache er über das Treiben auf der Skipiste - mehr als 500 Kilometer Luftlinie von Thönis Geburtsort Trafoi entfernt.

Etwa zu der Zeit, als der Südtiroler seine größten Erfolge feiert, gedeihen in Bromskirchen die Pläne für eine eigene Skipiste mit Lift. „Am hohen Stein“ werden Bäume gerodet und der Plan in die Tat umgesetzt. Seit Mitte der 1970er-Jahre fahren Wintersportbegeisterte auf der Piste und laufen in den Loipen - wenn denn Schnee liegt.

Auf den Wetterbericht schaut Ralf Bonacker-Wind regelmäßig. Im Moment reicht allerdings ein kurzer Blick auf die Piste aus. Braune Flecken drängen in den noch vor Kurzem weißen Teppich. Nach acht Tagen Betrieb ist der Lift wieder geschlossen - es ist zu warm, der Schnee schmilzt.

Bonacker-Wind ist seit Ende der 1980er ehrenamtlich als Liftwart für die Präparation der Piste und die Wartung der Maschinen zuständig. Mehrere Männer beim Skiclub teilen sich die Arbeit mit der Pistenwalze. In ihren Händen - und an den Fertigkeiten der Maschine - liegt es, ob die Loipen frisch gespurt sind und ob der Schnee auch locker und nicht vereist ist. Die Walze spurt und bereitet mit einer Fräse den Schnee auf, „es ist nur schade, dass sie nicht auch Schnee machen kann“, schmunzelt Bonacker-Wind.

Die wichtigste Rolle übernimmt bei aller Technik und menschlichem Geschick dann eben doch die Natur: „Man freut sich über jede Schneeflocke. Wenn es irgendwie geht, öffnen wir Lift und Loipen. Und wenn es nur für zwei Tage ist“, sagt der Bromskirchener.

Vom Feingefühl beim Spuren

Nach der Arbeit geht für den Konstrukteur und gelernten Werkzeugmechaniker im Winter das Ehrenamt los. Sechs und neun Kilometer lang sind die Loipen für die Langläufer, etwa eineinhalb Stunden braucht der 44-Jährige, um diese in Form zu bringen. Noch einmal genauso lang dauert das Präparieren der 250 Meter langen Abfahrtspiste.

Den Blick von der Strecke ins Ederbergland und in Richtung Waldecker Land können die Loipenwarte im Gegensatz zu den Langläufern nicht in vollen Zügen genießen. Das weiß Skiclub-Vorsitzender Herbert Tihanyi. Denn auch wenn all das in der Freizeit geschieht, den Gästen in Bromskirchen sollen möglichst optimale Bedingungen geboten werden. „Beim Spuren kommt es darauf an, sehr feinfühlig und lang gezogene Kurven zu fahren. Man setzt sich nicht einfach auf die Walze und fährt los“, gibt Tihanyi Einblick in die Materie.

Die Langläufer und Skifahrer merken, wenn anderswo die Bedingungen besser sind. In direkter Nachbarschaft liegt die Pastorenwiese mit den Loipen des Skiclubs aus Wunderthausen. Als Konkurrenz sieht Tihanyi die westfälischen Nachbarn nicht. Im Gegenteil: Der Kontakt sei gut, immer wieder würden Veranstaltungen der Nachbarn besucht. Eines ist auf westfälischer wie auf hessischer Seite gleich: Der Ärger über Spaziergänger im Wald, die die Loipen kaputt treten. „Das ist dann jammerschade“, beklagt sich Tihanyi über die Rücksichtslosigkeit einiger weniger. Die Absprache mit Hessen-Forst und Jagdpächtern habe sich hingegen über die Jahre immer weiter verbessert.

Faszination für einen Deutz-Motor

Wenn Schnee liegt, müssen die Loipen alle zwei bis drei Tage gespurt werden. Jeden Tag steht die Kontrolle der Schalter am Lift an. Im Sommer wird der Rasen gemulcht. Das Interesse am Skisport und die Bereitschaft, mit anzupacken, waren bei Ralf Bonacker-Wind früh da. Einerseits durch seinen Vater Robert, der mit Tihanyi zu jenen gehörte, die das Projekt Skilift verwirklichten. Andererseits durch sein grundlegendes Interesse an Technik: „Als es hier noch keinen Strom gab, wurde der Lift mit einem Deutz-Motor betrieben. Als Kind stand ich davor und war fasziniert.“

Im Dezember 1985 wurde der Skiclub gegründet, vorher waren die Alpinisten eine Abteilung des TSV. Heute gehören dem Verein 350 Männer, Frauen und Kinder an. In Eigenleistung sind zum Beispiel die Skihütte zum Aufwärmen und der Geräteschuppen entstanden. Jedes Jahr stehen Fahrten zum Skispringen nach Willingen und in Skigebiete in den Alpen auf dem Programm. Im Sommer werden Skigymnastik, Fahrradtouren oder Nordic Walking angeboten.

Doch im Vordergrund soll der Skisport stehen. Und wenn in diesem Winter noch einmal Schnee fällt, ist Ralf Bonacker-Wind zur Stelle: „Langweilig wird das nicht. Dann nehme ich die Kinder mit, die haben auch Spaß daran.“ Das Wintersport-Gen hat er an den Nachwuchs weitergegeben, vielleicht gilt das auch für den DNA-Abschnitt, auf dem die Kenntnisse zur Bedienung der Pistenwalze abgespeichert sind. Gustav Thöni würde es mit einem Lächeln zur Kenntnis nehmen.

Von Tobias Treude

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