Theater-Ag der Edertalschule in Frankenberg

Wenn die Toten keine Ruhe finden

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Die nicht ganz so gläubige Magdalena wird von Marketing-Profis zum neuen Werbegesicht des „Happy Die Eternity Parks“ erklärt. Sie vermarktet den Spruch „You only die once“.Fotos: Patricia Kutsch

Frankenberg-Schreufa - WLAN im Grab für den Facebook-Post aus dem Exil und für ihren letzten Frieden kämpfende Leichen: Im Stück "Unter uns" der Theater-AG der Edertalschule ist alles möglich. Bei der Premiere bewiesen die Darsteller musikalisches und schauspielerisches Talent.

Makaber, zynisch, gerne unter der Gürtellinie und einfach unterhaltsam: Was die Darsteller der Theater-AG der Edertalschule innerhalb einiger Monate einstudiert und bei der Premiere am Mittwochabend auf die Bühne gebracht haben, war bemerkenswert. Die jungen Männer und Frauen durften ihre Ideen auf den Brettern, die die Welt bedeuten, verwirklichen. Und sie hatten dabei spürbar Spaß.

Das lag zum einen am in großen Teilen selbst entwickelten Drehbuch zum Stück „Unter uns“, zum anderen an der Spielfreude der Darsteller, die sich auch vor Gesangsstücken nicht scheuten.

Die Geschichte strotzt nur so vor absurden und grotesken Momenten sowie Übertreibungen - ein ernster Hintergrund aber bleibt. Ort des Geschehens ist ein Friedhof. Der penible und chaotische Wärter mit Hang zur Metrosexualität - genial gespielt von Tim Meiser - bereitet sich mit seiner attraktiven Sekretärin (Vivien Graßhoff) auf den Besuch der amerikanischen Aktiengesellschaft vor. Deren Vorsitzender (Leonard Finger) und seine Stellvertreterin (Liane Bergener) wollen die Rentabilität des Friedhofs erhöhen - und dabei ist ihnen jedes Mittel recht.

Um die Gewinnprognose zu erreichen, soll eine Werbeagentur „Action in die Kiste bringen“. Verkaufskonzepte gibt es zuhauf. Neonröhren am Grabstein inklusive 4000-Watt-Staubsauger, WLAN im Sarg für den letzten Facebook-Post und ein Cardio-Bereich für tote Sportler sind nur einige Ideen für den „Happy Die Eternity Park“.

Dagegen begehren die zwei vermeintlich blinden Occupy-Aktivisten Held (Faissal Sharif/Jonas Vial) und Crohn (Eldin Mehic/Manuel Cronau) auf. Sie wollen die letzte Oase des Friedens frei von Kommerz und Kapitalismus halten, doch der verheiratete Macho Crohn ist mehr mit dem Verführen von Frauen als mit anderen Dingen beschäftigt. Dazu gesellen sich die Nutten Marie (Suna Knell/Anna Kobus) und Rose (Katrijn Kornmann/Lea Ochse), Crohns Frau, die ständig auf Sauberkeit bedachte Erna, flirtende Witwen und Witwer sowie die streng gläubige Frau Mackenroth mit ihrer nicht ganz so gläubigen Tochter Magdalena.

Viele der Witze sind anzüglich, versaut, zweideutig oder auch einfach nur eindeutig - dafür sorgt vor allem die naive und hoffnungslos romantische Nutte Rose („Wir werden euch stoppen!“ „Poppen? 40 Euro!“).

Die Darsteller überschreiten mit dem brachialen Humor bewusst Grenzen - und gehen damit selbstironisch um.

Weitere Aufführungen finden heute, am Samstag und am Sonntag jeweils um 20 Uhr im Dampfmaschinenmuseum in Schreufa statt. Karten gibt es für 9 und ermäßigt für 5 Euro in der Buchhandlung Jakobi, im Lädchen gegenüber der Schule sowie in der Buchhandlung Urspruch in Korbach.

Mehr über das Schultheater lesen Sie am Freitag in der gedruckten Ausgabe der Frankenberger Zeitung.

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