Bewohner und Betreuer feiern Heiligabend in der Vitos Heilpädagogischen Einrichtung in Halgehausen

Wenn die Wohngruppe die Familie ist

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Endlich auspacken: Der Heilige Abend in der Vitos Heilpädagogischen Einrichtung in Halgehausen verläuft genauso wie in vielen Familien. Mit Spannung packen die Bewohner ihre Geschenke aus, gucken Weihnachtskarten an und zeigen stolz ihre neuen Errungenschaften. Fotos: Andrea Pauly

Haina-Halgehausen - Geschenkpapier fliegt in alle Richtungen, gespannte Gesichter, dann Ausrufen des Entzückens: Genauso sollte eine Bescherung aussehen. In der Wohngruppe für Menschen mit geistigen Behinderungen in Halgehausen wird gefeiert wie in einer Familie. Denn vielen ersetzt die Wohngruppe die Verwandtschaft.

Der Heiligabend in der Wohngruppe in Halgehausen kommt dem typischen Weihnachtsfest in einer Familie sehr nahe: Am frühen Abend essen alle gemeinsam, es gibt Hähnchen mit Tortellinisalat. Viele Bewohner haben bei der Zubereitung geholfen - so, wie es an Feiertagen und Wochenenden üblich ist. Nach dem Essen wird der Tisch abgeräumt, dann geht Betreuerin Marion Seibel nach nebenan ins Wohnzimmer. Wenig später erklingt ein Glöckchen und die zwölf Bewohner betreten nach und nach das große Wohnzimmer. Zwei fehlen: Sie verbringen den Heiligen Abend bei ihren Familien.

Bevor es ans Auspacken geht, übernimmt Betreuerin Marion Seibel den traditionellen Part: Sie setzt sich neben den Christbaum und liest die Weihnachtsgeschichte vor. Die Bewohner lauschen andächtig, niemand fällt ihr ins Wort oder wird ungeduldig. Dann singen alle gemeinsam Weihnachtslieder. Dabei geht es zwanglos zu: Als alle fast gleichzeitig Textschwierigkeiten bekommen, brechen sie lachend ab.

Lindemann und Seibel helfen einigen Bewohnern beim Auspacken, wenn zu viel Klebeband oder zu feste Knoten Schwierigkeiten bereiten, und lesen die beigelegten Karten vor. Von allen Seiten werden sie bestürmt: „Guck mal, was ich hab!“ - „Ein Hemd! Kann ich das morgen gleich anziehen?“ - für alle haben Marion Seibel und ihr Kollege ein liebes Wort und Aufmerksamkeit. Vor allem Seibel übernimmt als langjährige Betreuerin der Männer und Frauen eine wichtige Rolle. Sie ersetzt die Mutterfigur - obwohl die meisten Bewohner älter sind als sie selbst. Einige von ihnen bekommen an den Feiertagen Besuch oder werden abgeholt, um etwas Zeit in der Familie zu verbringen. Doch es gibt auch jene, um die sich die Verwandten auch an Weihnachten nicht persönlich kümmern. „Manche trauern da sehr“, sagt Seibel mitfühlend.

Den gesamten Artikel finden Sie in der Frankenberger Zeitung am Freitag.

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