Frankenberg

Wenn‘s kracht, wird die Schuld geteilt

- Frankenberg (mba). Auch auf Supermarkt-Parkplätzen gelten Verkehrsregeln – jedoch mit gewissen Einschränkungen. Auf „Rechts vor links“ etwa können Autofahrer nicht bestehen.

An den Einfahrten vieler Supermarkt-Parkplätze stehen eindeutige Hinweis-Schilder: „Hier gilt die StVO“ – die Straßenverkehrsordnung, die auch auf allen öffentlichen Straßen den Verkehr regelt. Im Prinzip haben diese Verhaltensregeln für Autofahrer auch an solchen Orten Gültigkeit, wo der Verkehr vor allem zum Stehen kommen will – möglichst in der Nähe der Eingangstür. „Die Straßenverkehrsordnung gilt auf allen öffentlich zugängigen Verkehrsflächen“, sagt Markus Schäpe, Leiter der Abteilung Verkehrsrecht beim ADAC. Es handele sich bei Supermarkt-Parkplätzen zwar um Privatgelände, aber da sie öffentlichen Verkehrsraum darstellen, gelten die Regeln der StVO auch dort, bestätigt Detlef Ückert vom Verkehrsdienst der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg. Oberstes Gebot: Vorsicht Allerdings müsse auf Parkplätzen jeder Verkehrsteilnehmer besonders vorsichtig fahren, betont der Polizist: Der Paragraph 1 der StVO habe dort besondere Bedeutung. Der besagt: „1. Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. 2. Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“ Das unterstreicht auch Schäpe: „Der Grundsatz der gegenseitigen Rücksichtnahme hat Vorrang. Man muss immer mit den Fehlern der anderen rechnen.“ Zur besonderen Rücksichtnahme gehöre etwa eine angepasste Geschwindigkeit. Da alle Fahrer zu besonderer Vorsicht gehalten seien, würde bei Unfällen auf Parkplätzen die Schuld regelmäßig geteilt, sodass jeweils die Hälfte des Schadens vom jeweiligen Gegenüber getragen wird, sagt der ADAC-Experte – es sei denn, ein Fahrer hat offensichtlich den Unfall allein verursacht. Komme es zu einer Kollision beim Rangieren, sei zumeist unerheblich, wer tatsächlich der Verursacher sei: „Wenn es zum Unfall kommt, wird davon ausgegangen, dass beide unvorsichtig waren“, erklärt Verkehrsjurist Schäpe. Auch wenn die Straßenverkehrsordnung auf Parkplätzen gilt, die bekannte Vorfahrtsregelung „Rechts vor links“ habe dort nur eingeschränkte Geltung. Wenn sich etwa zwei Fahrspuren auf einem Parkplatz kreuzten, müssten sich die Autofahrer irgendwie verständigen, wer zuerst fahren dürfe – etwa durch Blickkontakt. Auf seinem „Recht von Rechts“ kann man sich also nicht berufen. Auch Zebrastreifen vor dem Eingangsbereich sind laut Schäpe nicht verbindlich, da die entsprechenden Verkehrsschilder fehlten. Verkehrsschilder hingegen, etwa „Vorfahrt achten“ oder ein Stoppschild, hätten volle Gültigkeit, auch wenn sie auf einem Parkplatz aufgestellt sind. Auch Fahrbahnmarkierungen, die die Fahrtrichtung vorschreiben, seien zu beachten, sagt Markus Schäpe. Dennoch: Mit „Falschfahrern“ müsse man jederzeit rechnen.

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