1. WLZ
  2. Frankenberg

Wie das Forstamt Burgwald moorige Talgründe renaturiert

Erstellt:

Von: Martina Biedenbach

Kommentare

Moor-Renaturierung durch Verfüllung von Gräben: Das Projekt im Burgwald betrachtet Staatssekretär Oliver Conz (Mitte) mit (von links) den Forstamtsmitarbeitern Jana Holzberg, Christina Lorey, Steffen Hering, Ingo Schulze sowie Stefan Nowak von Hessen-Forst, Revierleiter Ralf Küch und Thomas Rohde vom Umweltministerium.
Moor-Renaturierung durch Verfüllung von Gräben: Das Projekt im Burgwald betrachtet Staatssekretär Oliver Conz (Mitte) mit (von links) den Forstamtsmitarbeitern Jana Holzberg, Christina Lorey, Steffen Hering, Ingo Schulze sowie Stefan Nowak von Hessen-Forst, Revierleiter Ralf Küch und Thomas Rohde vom Umweltministerium. © Martina Biedenbach

Wie das Forstamt Burgwald moorige Talgründe renaturiert, das erläuterte Förster Steffen Hering bei einem Besuch vom hessischen Umweltstaatsekretär Oliver Conz. Das Forstamt ist ein „Modellbetrieb für Klimaschutz plus“.

Burgwald – Das Forstamt Burgwald ist mit seinen umfangreichen Moorflächen einzigartig in Hessen. Moore speichern weltweit mehr Kohlenstoff als alle Wälder dieser Erde zusammen. Außerdem halten sie das Wasser wie ein Schwamm im Boden. Deshalb sind der Erhalt und die Renaturierung von Moorflächen ein wichtiges Ziel des Forstamtes, für das es aus verschiedenen Töpfen Fördermittel erhält.

Ein Beispiel, wie dabei verfahren wird, stellte der Münchhäuser Förster Steffen Hering in einem Talgrund südwestlich des Christenbergs anlässlich des Besuchs von Oliver Conz, Staatssekretär im Hessischen Umweltministerium, vor. „Fichten raus, Gräben zu“, fasste Förster Hering das Vorgehen zusammen. Auf einer Fläche, die die Reformierte Pfarrei Todenhausen für den Naturschutz zur Verfügung gestellt hat, erklärte er Details. Dort waren zunächst die Fichten, die zum Teil vom Borkenkäfer befallen waren, entfernt worden. Nadelbäume entnehmen dem Boden viel Wasser, Regenwasser verdunstet in der Baumkrone, es kommt wenig davon im Boden an. Deshalb: Fichten raus.

Die Fläche war früher hugenottischen Glaubensflüchtlingen zugewiesen worden, die in dem nassen Gebiet Entwässerungsgräben ausgehoben hatten, um landwirtschaftlichen Anbau betreiben zu können. Diese Gräben gilt es nun zuzuschütten. Dabei wird zunächst die obere Humusschicht ausgehoben und an der Seite gelagert. Dann werden die Gräben mit Sand verfüllt und darauf wird wieder die Humusschicht aufgebracht. Auch Quergräben werden so geschlossen, damit sich bei Regen das Wasser auf die Fläche verteilen und einsickern kann.

Bereich Gerhardshals im Burgwald: Hier wachsen schon nach kurzer Zeit auf verfüllten Gräben Seggen, Binsen und Moose.
Bereich Gerhardshals: Hier wachsen schon nach kurzer Zeit auf verfüllten Gräben Seggen, Binsen und Moose. © Biedenbach, Martina

Wie daraus schon nach eineinhalb Vegetationsperioden eine gewünschte moorige Fläche mit Binsen, Seggen und Moosen wird, das zeigte Hering einige Meter weiter im Bereich Gerhardshals. Dort werden nach und nach auch an den seitlichen Anhöhen die Nadelbäume durch Laubbäume ersetzt. Laubbäume verlieren ihre Blätter, somit kann in der regenstarken Winterzeit viel mehr Wasser in den Boden gelangen. 20 000 Buchen wurden gepflanzt, allerdings macht auch ihnen die Trockenheit zu schaffen.

Das Vorgehen hört sich einfach an, ist aber mit viel Arbeit und Tücken verbunden. Denn in den verschlossenen Grabenbereichen breitet sich zum Beispiel die unerwünschte Birke aus, die wieder viel Wasser entnimmt. Unter anderem durch Entfernen eines Teils der Birkenrinde versucht der Förster, die Bäume zum Absterben zu bringen.

Forstamt Burgwald: Klimaschutz trotz großer Waldschäden

Anerkennung zollte Staatssekretär Oliver Conz den Forstamtsmitarbeitern für ihr Engagement im Bereich Klimaschutz – trotz enormer anderen Herausforderungen. Wie berichtet, hatte Umweltministerin Priska Hinz 2020 das Forstamt Burgwald zum „Modellbetrieb für Klimaschutz plus“ ausgewiesen. Dort soll zum Beispiel auch untersucht werden, welche Baumarten optimal für den Klimaschutz sind. Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt unterstützt unter Einbindung des Senckenberg- Biodiversität- und Klima-Forschungszentrums Frankfurt den Landesbetrieb Hessen-Forst bei der Umsetzung.

Dem Wald geht es zunehmend schlechter. Seit Jahren anhaltende Trockenheit und intensive Hitzeperioden im Sommer, Borkenkäfer und Sturmschäden verursachen enorme Schäden. Im Bereich des 14 000 Hektar umfassenden Forstamts Burgwald liegt bereits zehn Prozent der Fläche frei, schilderte die stellvertretende Forstamtsleiterin Christina Lorey. Stefan Nowak, Abteilungsleiter Waldentwicklung und Umwelt bei Hessen-Forst, wies darauf hin, dass angesichts der aktuellen großen Waldschäden die Kapazitäten für Klimaschutz eingeschränkt seien.

Christiana Lorey, stellvertretende Forstamtsleiterin, berichtete am Rande des Besuchs von den Herausforderungen durch den jüngsten Waldbrand bei Schönstadt und dankte Feuerwehren, THW, Landwirten, Rettungsdiensten, Forstunternehmen und den eigenen Mitarbeitern für die Unterstützung. Wie es mit den verbrannten Flächen weitergeht, werde derzeit geklärt. Ein Problem bei der Wiederbewaldung wird der europaweit fehlende Nachschub an Pflanzen und Samen sein, so Nowak. (Martina Biedenbach)

Auch interessant

Kommentare