Burgwald müsste rund 1,5 Millionen Euro investieren

Wiesenfelder Wasser soll 2017 fließen

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Eine Versuchsfilteranlage zum Reinigen des Wassers aus dem Wiesenfelder Tiefenbrunnen hat die Gemeinde im September 2012 in Betrieb genommen. Wirtschaftlich gesehen rechnet sich eine richtige Reinigungsanlage für die Gemeinde.Archivfoto: Kutsch

Burgwald-Wiesenfeld - Die Burgwalder müssen seit fast vier Jahren auf ihr eigenes Trinkwasser verzichten, weil eine Verunreinigung im Wiesenfelder Wasser festgestellt wurde. Nach vielen Untersuchungen und einer Studie steht nun fest: Das Wasser lässt sich reinigen, die komplette Gemeinde kann mit dem eigenen kostbaren Nass versorgt werden - das wird allerdings rund 1,5 Millionen Euro kosten.

Wasser ist das kostbarste Gut und im Burgwald gibt es sehr viel davon. Die Gemeinde Burgwald hat Tiefenbrunnen in Wiesenfeld und Ernsthausen und das eigene Wasser auch nach Allendorf verkauft – das Wiesenfelder Wasser darf allerdings nicht mehr verwendet werden. Um den Bedarf zu decken, muss die Gemeinde derzeit Wasser aus Frankenberg zukaufen.

2010 war eine Verunreinigung mit Tetrachlorethan festgestellt worden. Burgwald musste den Brunnen vom Netz nehmen und kauft seitdem Wasser aus Frankenberg zu. Das Ernsthäuser Wasser wird nur in Ernsthausen in das Netz eingespeist, weil der Burgwalder Ortsteil an kein anderes Wassernetz angeschlossen ist. Beides will die Gemeinde ändern – muss dafür aber 1,5 Millionen Euro investieren. Bis 2017 könnten die Burgwalder wieder das eigene, gute Wiesenfelder Wasser nutzen. Im Hauptausschuss der Gemeinde Burgwald hat Diplom-Ingenieur Michael Rempe erklärt, wie das Trinkwasser wieder sauber wird und was es kostet. Ausführlich wird er es am Donnerstag, 25. September, ab 20.15 Uhr in der öffentlichen Parlamentssitzung in Burgwald erläutern und für Fragen bereit stehen. Bürgermeister Lothar Koch hofft auf breites Interesse aus der Bevölkerung, die zu der Präsentation eingeladen ist. Denn die Investitionen in das eigene Wasser würden die Gemeinde viel Geld kosten. Die Verunreinigung mit Tetrachlorethan ist laut Rempe minimal – er verglich die Menge mit einem Stück Zucker in einem Freibad oder mit 18 Menschen aus der gesamten Weltbevölkerung. Dennoch liegt der Wert deutlich über dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung. „Es ist aber ein seltener Stoff. Keiner meiner Kollegen in Deutschland hat bisher Erfahrungen damit gesammelt.“ Daher wusste zunächst auch niemand, wie diese Verunreinigung aus dem Wasser gefiltert werden kann.

Ein Jahr lang lief eine Versuchsanlage in Wiesenfeld: Mit Aktivkohle wurde das Wasser gefiltert. Sie entfernte die Verunreinigung tatsächlich komplett, das Filtermaterial musste während der Versuchslaufzeit nicht ausgetauscht werden. „Die Aktivkohle funktioniert wie ein Schutzschild, das eine ganze Reihe an Stoffen herausfiltert“, erklärte der Fachmann. Die Stoffe im Wasser bleiben in der Aktivkohle hängen, die aus verbrannten Kokosnuss-Schalen besteht.

Rempe und der Ausschuss empfehlen der Gemeinde eine Investition in vier Schritten: Nächstes Jahr sollte eine Wasserleitung von Ernsthausen nach Wiesenfeld gebaut werden. Kostenpunkt: 250000 Euro. Ernsthausen läuft derzeit im Inselbetrieb. Sollte der dortige Brunnen ausfallen, gäbe es kein Wasser in dem Ortsteil. „Außerdem haben Sie Förderrechte für 400 Kubikmeter am Tag. Ernsthausen nutzt aber nur die Hälfte“, sagte Rempe. Durch eine Anbindung an Wiesenfeld könnten die anderen Ortsteile der Gemeinde teilweise mit Ernsthäuser Wasser versorgt werden. Die Gemeinde müsste weniger Wasser über Frankenberg einkaufen.

2016 sollte laut Rempe die alte Wasserleitung zwischen dem Tiefenbrunnen Wiesenfeld und dem Hochbehälter Burgwald erneuert werden. Das kostet für 1600 Meter Leitung ebenfalls rund 250000 Euro. Erst im Jahr 2017 wäre der Tiefenbrunnen in Wiesenfeld selbst an der Reihe: Eine Maschinenhalle mit drei Filtern, eine Dosierstation, die Natriumcarbonat in das Wasser einfügt – das Wiesenfelder Wasser ist laut Rempe nämlich etwas zu weich – sowie eine Aufbereitungsanlage für das zurückgespülte Wasser aus dem Filter müssen gebaut werden. Rempe rechnet mit Kosten von rund 585000 Euro.

Zum Schluss sollte die Gemeinde in 2018 die Wasserleitung vom Hochbehälter Vogelhaus zum Hochbehälter Burgwald kaufen und damit den Vertrag zur Wasserabnahme aus Frankenberg beenden. Das kostet nochmal rund 400000 Euro. „Wir haben es kaufmännisch und wirtschaftlich berechnet: Es ist durchaus zu vertreten, dass wir den Brunnen wieder ans Netz nehmen“, sagte Bürgermeister Koch.

„Der Wiesenfelder Tiefenbrunnen ist mit einer Förderleistung von 60 Kubikmetern in der Stunde ein starker Brunnen. Es lohnt sich daher, um das gute und weiche Wasser zu kämpfen.“ Der bisherige Bedarf würde mit 40 Kubikmetern gedeckt werden – „aber das Wasser ist ein Wirtschaftsgut, welches die Gemeinde verkaufen kann“, gab er zu Bedenken.

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