Frankenberger Immobilien-Makler greift Anregung aus Gießen auf · Motto: „Frankenberg erwartet Sie“

Willkommensgruß statt leerer Fenster

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Frankenberg - Mehr als ein Dutzend Geschäfte in der Fußgängerzone stehen leer. Die undekorierten Schaufenster drücken Tristesse aus. Von der Umgestaltung der Straße ist viel zu hören, vom Aufbruch in die Zukunft bislang aber nichts zu sehen. Makler Rudi Jung ist nun einen Schritt nach vorne gegangen.

Die Zukunft der Einkaufsstadt ist das Thema dieser Zeit: Kaufleute diskutieren Konzepte, die Politik plant die Umgestaltung der Fußgängerzone, Hauseigentümer suchen nach Mietern für ihre leer stehenden Ladenlokale. Doch das Ziel, wieder mehr Handel in der Innenstadt zu verankern und damit mehr Kunden nach Frankenberg zu holen, ist auf die Schnelle nicht zu erreichen.

Dem Frankenberger Makler Rudi Jung, selbst Eigentümer einer Immobilie in der Neustädter Straße, war es dennoch wichtig, kurzfristig ein Zeichen zu setzen. Das Ergebnis ist seit gestern zu sehen: „Frankenberg erwartet Sie“ ist im Schaufenster des Ladenlokals in der mittleren Fußgängerzone zu lesen, in dem in den vergangenen Jahren „Ihr Platz“ Handel betrieb. Mit der Insolvenz der Drogeriekette folgte der Auszug. Trotz intensiver Bemühungen fand der Makler keinen neuen Mieter. „Der Leerstand erzeugt Tristesse“, sagt Rudi Jung. Und die sei alles andere als förderlich. Denn viele leer stehende Ladenlokale in einer Straße würden potenzielle Interessenten davon abhalten, sich niederzulassen.

Dass er durch die Plakat-Aktion binnen weniger Tage einen neuen Mieter findet, erwartet er nicht. „Aber wir geben zumindest ein ganz anderes Bild als Einkaufsstadt ab.“ Eine Frankenberger Werbeagentur hat für ihn eine Folie gestaltet, die am Mittwoch auf zwei Schaufenstern aufgezogen wurde. Unter der freundlichen Einladung „Frankenberg erwartet Sie“ wird ein weiter Bogen gespannt, für wen Frankenberg neue Heimat werden könnte: nicht nur Gewerbetreibende, auch Eisesser, Cocktailschlürfer, Hauskäufer, Vereinsmeister, Schützenkönige, Mieter, Touristen, Spaziergänger, Ideenfinder oder Biertrinker, alle seien in Frankenberg „herzlich willkommen“.

„Die neuen Schaufenster sind nur eine Kleinigkeit, aber viele Steine ergeben auch einen Turm“, sagt Jung. Er hofft, dass auch andere Hauseigentümer ähnliche Ideen umsetzen. „Einer muss immer den Vorreiter machen.“ Und diese Art von Frankenberg-Werbung könne einerseits für Aufmerksamkeit sorgen, andererseits der Fußgängerzone zu einem einheitlichen Bild verhelfen - auch wenn die Vermietung der Flächen weiter das Ziel bleibt.

Empfohlen hat diese Form des Leerstands-Managements Markus Pfeffer, Stadtmarketingmanager aus Gießen. Er referierte bereits zweimal in Frankenberg über die Erfahrungen in Mittelhessen. „Die Fußgängerzone braucht Aktionen, sie braucht eine frische Erscheinung und sie braucht auch ein Leerstands-Management“, sagte er vor vier Wochen bei einem vom Kaufmännischen Verein für die Eigentümer von Häusern in der Fußgängerzone organisierten Treffen. Ein handgeschriebener Zettel mit Kontaktdaten zur Vermietung in einem leeren Schaufenster reiche dazu nicht aus.

„Jetzt haben wir mal einen Anfang gemacht“, sagt Jung und kündigt an, „die Eigentümer der bei uns in der Verwaltung stehenden Objekte motivieren“ zu wollen. Sein Appell: „Zur Nachahmung empfohlen“.

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