Wotan-Gruppe aus Hamburg prüft Bau zweier 200 Meter hoher Anlagen in der Ernsthäuser Gemarkung

Windpark soll um zwei Räder wachsen

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Acht Windkraftanlagen drehen sich seit dem vergangenen Sommer in der Gemarkung von Ernsthausen (die achte Anlage befindet sich rechts außerhalb des Fotos). Projektentwickler Wotan will eine der kleineren Anlagen (83 Meter hoch) durch eine 200 Meter hohe ersetzen und eine neunte Anlage bauen.

Burgwald-Ernsthausen - Die vier jeweils 150 Meter hohen Windkraftanlagen in der Gemarkung von Ernsthausen liefern seit etwas mehr als einem Jahr Strom. Geht es nach den Plänen der Wotan-Gruppe, wächst der Windpark weiter an. Die Investoren prüfen den Bau zweier weiterer Anlagen, die 200 Meter und damit höher wären, als dies der Flächennutzungsplan zulässt.

Bürgermeister Lothar Koch informierte in der vergangenen Woche im Rahmen der Gemeindevertretersitzung die Parlamentarier über die Gedankenspiele der Hamburger Wotan-Gruppe. Obwohl dies unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschah, waren die Windkraftanlagen beim Grenzgang am Wochenende das am häufigsten diskutierte Thema - denn in Ernsthausen und Wiesenfeld haben die Pläne der Investoren längst die Runde gemacht. Angedacht ist, eine der vier älteren Anlage, die in Privatbesitz ist, abzubauen und an der Stelle dieses 83 Meter hohen Windrades ein 200 Meter hohes zu errichten. In Richtung Münchhausen/Wollmar, jedoch noch auf der Ernsthäuser Gemarkung, könnte dann die insgesamt neunte Windkraftanlage entstehen - auch sie mit einer Höhe von 200 Metern. Doch noch befindet sich die Wotan-Gruppe in der Prüfphase.

„Wir fahren gerade zweigleisig und prüfen, ob zwei weitere Anlagen wirtschaftlich sinnvoll sind - klopfen aber zeitgleich schon die Akzeptanz in der Gemeinde ab“, sagte Jörg Ehlers von der Wotan-Gruppe. „Das Projekt setzen wir nur in Abstimmung mit der Gemeinde um. Ohne die Leute vor Ort tun wir nichts“, betonte er. So denke das Unternehmen auch über eine Bürgerbeteiligung an den Anlagen nach.

Die Planungen stünden allerdings noch am Anfang. „Zunächst müssen wir in Burgwald noch einige Hausaufgaben machen“, erklärt Ehlers weiter. Wege, die beim Transport der Windräder beschädigt wurden, müssten etwa ausgebessert werden.

Doch zu welchem Ergebnis die Investoren aus Hamburg auch immer kommen, ohne die ausdrückliche Stimmung der Gemeinde dürfen ohnehin keine weiteren Windkraftanlagen gebaut werden. Der Grund: 2009 hatte die Gemeinde einen Flächennutzungsplan für das Areal aufgestellt. Und darin ist unter anderem eindeutig festgeschrieben, dass nur Windkraftanlagen bis zu einer maximalen Höhe von 150 Metern in dem Areal zulässig sind. Und dieser Flächennutzungsplan ist weiter gültig. Das bestätigte auf WLZ-FZ-Anfrage das Regierungspräsidium.

Während die Landesregierung den Regionalplan Nordhessen 2010 genehmigt hat, erklärte der Hessische Verwaltungsgerichtshof im März vergangenen Jahren die darin ausgewiesenen Vorranggebiete für Windenenergie für unwirksam. Maßgeblich für die Genehmigung von Windkraftanlagen sind somit aktuell die kommunalen Bauleitplanungen und die immissionsschutzrechtlichen Vorgaben.

Sollte die Gemeinde die Baupläne von Wotan unterstützen wollen, müsste sie nach Auskunft von RP-Sprecher Michael Conrad zunächst den Flächennutzungsplan ändern. Und dazu ist eine „nachvollziehbare Begründung“ erforderlich. Denn bei der Aufstellung des Flächennutzungsplanes wurden städtebauliche Gründe für die Höhenbegrenzung auf 150 Metern angeführt. Die Gemeinde müsste nun also den Nachweis erbringen, dass aus diesen städtebaulichen Gründen jetzt nichts mehr gegen höhere Windkraftanlagen spricht.

Bereits im April 2011 hatte Wotan-Projektleiter Heinrich in Ernsthausen erklärt, dass theoretisch weitere Windkraftanlagen in dem 78 Hektar großen und insgesamt 103 Privatgrundstücke umfassenden ursprünglich als Windvorranggebiet ausgewiesenen Areal errichtet werden könnten. Diese dürften vom Regierungspräsidium allerdings nur genehmigt werden, wenn sichergestellt sei, dass die vier 150 Meter hohen Wotan-Anlagen dadurch nicht beeinträchtigt würden, sagte er bei einer Bürgerversammlung. Aus bauphysikalischen Gesichtspunkten könnten in dem „guten Mittelgebirgsstandort“ weitere Anlagen errichtet werden. Pauschal sagte er, dass der Abstand untereinander etwa das Dreieinhalb- bis Vierfache des Rotordurchmessers betragen müsste. Mit Blick auf die Topografie und die Tallagen sei es jedoch fraglich, ob sich „weitere Anlagen von der Ertragsseite überhaupt noch lohnen“. Bezogen hatte er diese Einschätzung offensichtlich auf die 150-Meter-Klasse. Von 200 Metern war im April 2011 noch keine Rede.

Hintergrund:

In Ernsthausen wurden im Sommer 2011 vier Windkraftanlagen des Herstellers Vestas, Modell „V90 2MW“, errichtet. Investitionssumme: rund 12,4 Millionen Euro. Die Windkraftanlagen haben einen Rotordurchmesser von 90 Metern, eine Nabenhöhe von 105 Metern und eine Gesamthöhe von 150 Metern. Insgesamt sollen die vier Anlagen im Jahr 15,6 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Diese Menge reicht aus, um jährlich 4000 Vier-Personen-Haushalte mit Strom zu versorgen. Die maximale Leistung von zwei Megawatt erreicht das Modell „V90 2MW“ bei einer Windgeschwindigkeit von 12 bis 13 Metern pro Sekunde. Die Windpark Wotan Betriebs- und Verwaltungs GmbH aus Hamburg hat mit Laufzeiten der Anlagen von 25 bis 35 Jahren kalkuliert. Nach Inbetriebnahme hat die Wotan-Gruppe 90 Prozent der Anteil an den Anlagen an die Stadtwerke Energie Jena-Pößneck und die Stadtwerke Erlangen verkauft.

Von Patricia Kutsch und Rouven Raatz

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