50 Jahre „Der Schatz im Silbersee" von Karl May - Uwe Stuhlmann ist Fan

Für Winnetou gibt er sein letztes Hemd

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Uwe Stuhlmann ist großer Fan von Winnetou. Den „Schatz im Silbersee“ mit Pierre Brice (kleines Foto, links) hat er zehn Jahre nach der Kinopremiere am 12. Dezember 1962 gesehen. Seither sammelt er Figuren, Bücher und DVDs von Winnetou.Foto: Kutsch/Archiv

Gemünden-Lehnhausen - Mit der Kinopremiere von „Der Schatz im Silbersee" vor genau 50 Jahren wurde Winnetou über Nacht zum Kult. Uwe Stuhlmann hat den Indianerhäuptling als Kind gesehen, als die Filme Anfang der 70er Jahre erstmals im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Seitdem sammelt er alles, was mit dem Häuptling der Apachen zu tun hat.

„Ich war neun Jahre alt, als ich ‚Der Schatz im Silbersee‘ das erste Mal sah“, erinnert sich Uwe Stuhlmann. Das war 1973, elf Jahre nach der Premiere des ersten Winnetou-Films mit Pierre Brice. „Zuvor war der Film so erfolgreich, dass er immer wieder im Kino lief, bevor er im Fernsehen zu sehen war.“

„Der Schatz im Silbersee“ riss Uwe Stuhlmann sofort mit: „Andere Kinder hatten zu der Zeit Poster von Abba und Smokey in ihrem Zimmer hängen. Bei mir hingen Bilder von Winnetou.“ Die Faszination für die Abenteuerwelten von Karl May hat den Lehnhäuser aber schon früher ergriffen: Mit den Büchern. Als Kind las Stuhlmann viel. Sein erstes May-Buch war „Das Vermächtnis des Inka“, ein Geschenk seines Onkels. Dann folgten die Indianer-Romane um Winnetou, die Karl May für Kinder und Jugendliche geschrieben hatte.

Pierre Brice erweckt Traumwelten zum Leben

„Bei Karl May gab es gute und böse Indianer. Wie im echten Leben“, sagt Stuhlmann. Das mag er an Winnetou. Der 48-Jährige hatte schon als Kind den Vergleich: „In den Büchern aus der DDR wurden die Indianer immer als Benachteiligte dargestellt und die Kavallerie immer als Bösewichte.“

Die May-Sichtweise sei in den Filmen gut umgesetzt, auch wenn die Drehbücher laut Stuhlmann nach einfachen Prinzipien geschrieben wurden: Die Filme zeigen Romantik und zeichnen das Leben der Indianer so, wie er es sich als Kind vorgestellt und gespielt hat. „Die Romane von Karl May versetzen Menschen schon seit 100 Jahren in Traumwelten. Mit den Filmen mit Pierre Brice sind diese Träume lebendig geworden.“

Stuhlmann sah den Held seiner Kindheit nicht nur auf dem Bildschirm: 1977 war er das erste Mal bei den Karl-May-Festspielen in Elspe. Im gleichen Jahr war auch Pierre Brice das erste Mal als Winnetou dort auf der Bühne zu sehen. „Das war schon toll. Ich habe ihn vorher nur im Fernsehen gesehen. Und dann stand Pierre Brice - der Ur-Winnetou - plötzlich auf dieser Bühne.“ Stuhlmann erinnert sich gerne an seinen ersten Besuch in Elspe.

Bis heute fährt der Lehnhäuser jedes Jahr mit einer Fan-Gruppe zu den Festspielen nach Elspe und nach Bad Segeberg. Die Faszination für den Indianer und Karl Mays Abenteuergeschichten überhaupt hat ihn nie losgelassen. Und nicht nur ihn: „Es gibt so viele Fanclubs und Internetforen. Hunderttausende von Menschen sehen jedes Jahr die Festspiele - und das noch 100 Jahre nach dem Tod von Karl May“. In diesem Jahr lernte Stuhlmann Benjamin Armbruster persönlich kennen. Er gab in Elspe seine letzte Saison als Häuptling der Apachen. „Wir hatten Hemden entworfen, mit einem Spruch zum Abschied.“ So ein Shirt wollte Armbruster nach der Vorstellung haben - und so fuhr Stuhlmann im Unterhemd zurück nach Hause.

Der gebürtige Schreufaer liebt aber nicht nur die Filme, Theaterstücke und Bücher von Winnetou und Karl May. Für ihn sind die Lebenswelten der May‘schen Abenteuergeschichten ein richtiges Hobby: Er hat alle Bücher von Karl May, sämtliche Hörspiele, die Filme auf Video und DVD und darüber hinaus Filme von den Festspielen in Elspe und Bad Segeberg. Er sammelt alles, was mit Winnetou zusammenhängt und greift dafür auch schon mal tiefer in die Tasche. „Gerade habe ich eine DVD von den Bad Segeberger Festspielen von 2001 ersteigert“, Stuhlmann kramt eine Film-Hülle unter einem Stapel von Romanen, Comics und Bildbänden hervor. Von Brices erstem Auftritt in Elspe hat er auch einige Videosequenzen gefunden.

Bei dem May-Fan verstecken sich richtige Schätze: Bereits als Kind sammelte er die Bildbände, die zu den Filmen erschienen. Mittlerweile hat er die Sammlung komplett. Vollständig in seiner Vitrine versammelt stehen auch zehn kleine Figuren: Hauptfiguren der Winnetou-Filme, die in den 60er-Jahren verkauft wurden. Stuhlmann hat alle: „Das ist selten und hat einen hohen Wert“. Dahinter stehen Senfgläser aus den 60er Jahren und Spielfiguren: Von Freunden bekommt Stuhlmann alles geschenkt, was mit Winnetou zu tun hat.

Statistenrolle in Elspe ist ein Kindheitstraum

Auch die Hörspielsammlung hat er vervollständigt - wieder. In den Ferien war Stuhlmann immer bei seiner Tante in Hagen und verbrachte die Tage im Kaufhaus, um zu stöbern, ob es neue Karl May-Platten gibt. „Meine Schwester hat sie dann auf dem Flohmarkt verkauft.“ Für den 48-Jährigen gibt es noch einen Traum, den er sich unbedingt erfüllen möchte: „Ich möchte einmal eine Statistenrolle bei den Festspielen in Elspe bekommen“, das wünsche er sich seit seiner Kindheit. „Und das schaffe ich auch noch!“

Hintergrund:

Am 12. Dezember 1962 feierte die Verfilmung von Karl Mays „Der Schatz im Silbersee“ Premiere in Stuttgart. Zwei Tage zuvor bekam Produzent Horst Wendtland schlechte Nachrichten: Die Filmbewertungsstelle in Wiesbaden verlieh dem 3,5 Millionen DM teuren Film kein Prädikat, weil es dem Drehbuch nicht gelungen sei, die Geschichte aus der Feder von Karl May „überzeugend zu entfalten“. Der Film wurde zum erfolgreichsten Film des deutschen Nachkriegskinos. Einen Monat später bekommt der Film übrigens das Prädikat „wertvoll“ verliehen. Die Silbersee-Verfilmung ist nicht die erste Karl-May-Verfilmung. Bereits in den 20er Jahren erscheinen drei Stummfilme: „Auf den Trümmern des Paradieses“, „Die Todeskarawane“ und „Die Teufelsanbeter“. Allerdings sind alle drei Filme verschollen. Es folgten einige weitere Versuche, die Story um Winnetou zu verfilmen. 1944 verbot Joseph Goebbels ein fünf Millionen Reichsmark teures Filmprojekt.Den großen Durchbruch schaffte die Story um Winnetou 1962 mit Pierre Brice und Lex Barker als Winnetou und Old Shatterhand. Insgesamt zehn Winnetou-Filme drehte Brice noch in den 60er-Jahren nach „Der Schatz im Silbersee“. Pierre Brice – als Winnetou erst bekannt geworden – nahm die Rolle übrigens nur an, weil seine Agentin ihn dazu überredete. (pk)

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