Temperaturen viel zu mild

Ausbleibender Winter: Diese Konsequenzen sind in der Region spürbar

Der Verkauf von Streusalz und Schneeschiebern stockt: Mitarbeiterin Carmen Miess vom Baumarkt Eisen-Finger in Frankenberg wird das Wintersortiment zurzeit nicht los.
+
Der Verkauf von Streusalz und Schneeschiebern stockt: Mitarbeiterin Carmen Miess vom Baumarkt Eisen-Finger in Frankenberg wird das Wintersortiment zurzeit nicht los.

Wo bleibt eigentlich der Winter? Schnee und klirrende Kälte gab es schon lang nicht mehr, die Temperaturen sind viel zu mild. Erste Auswirkungen sind in der Region bereits spürbar. 

Schneebedeckte Landschaften, klirrendeKälte, warm eingepackt in einen dicken Mantel: Wer den Winter sucht, muss schon in die Berge fahren oder in Erinnerungen schwelgen. Eisiges Winterwetter? Bisher Fehlanzeige! Ende Januar waren es bis zu 15 Grad in Nordhessen. Doch welche Folgen haben die milden Temperaturen für die Region?

Schlitten und Skier warten in den Kellern und Garagen vergeblich auf ihren Einsatz, Schneeschaufeln und Streusalz werden in den heimischen Baumärkten zum Ladenhüter.

Ausbleibender Winter: Baumarkt bleibt auf Sortiment sitzen

Der Baumarkt Eisen-Finger in Frankenberg verkauft um diese Jahreszeit normalerweise zwischen 20 und 25 Schneeschieber und Besen – am Tag! Hinzu kommt eine Palette Streusalz. Doch in diesem Winter ist der Absatz mau. „Wir werden das bei diesem Wetter nicht los“, zeigt sich Geschäftsführer Alexander Finger frustriert. Bei schneereichen Wintern seien auch Schneefräsen sehr gefragt. Allerdings hätte es hierfür in diesem Winter erst zwei Anfragen gegeben.

Kein Schnee im Winter: Skigebiet Willingen hofft auf den Februar

Ähnlich schleppend läuft das Geschäft im Skigebiet in Willingen. Weil die Kältephasen im Dezember relativ kurz waren, konnten die Betreiber bis Mitte Januar nur ein eingeschränktes Angebot anbieten. Jörg Wilke, Skigebietssprecher in Willingen, blickt hingegen gelassen auf das Wetter, er sagt: „Für uns ist so was schade, aber es ist nichts Ungewöhnliches. Der Brot- und Buttermonat im Liftbetrieb ist der Februar.“ Und der hat gerade erst begonnen.

Fehlendes Winterwetter: Folgen für Mensch und Tier

Bleiben Schnee und Kälte aus, hat das nicht nur wirtschaftliche Folgen. Das warme Winterwetter wirkt sich auch auf die Natur aus. Zahlreiche Pollenallergiker müssen bereits jetzt zum Taschentuch greifen. Der Grund: Die milden Temperaturen verstärken den Pollenflug der Frühblüher Hasel und Erle.

Zeigt sich das Wetter weiter wenig winterlich, wird das zum Problem für viele Pflanzen und Tiere. Matthias Eckel vom Kreisbauernverband Frankenberg erklärt: „Mäßiger Frost ist gut für die Pflanzen. Sie kommen im Herbst zur Ruhe und viele Schädlinge und Pflanzenkrankheiten vermindern sich auf natürliche Weise.“

Eine Herausforderung stellen zudem neue Tier-Infektionen wie die Blauzungenkrankheit dar. Eckel: „Diese Krankheit ist in unserer Region eindeutig auf zu milde Winter zurückzuführen.“

Klimawandel: Temperaturen steigen immer schneller

Der aktuelle Winter 2019/2020 ist viel zu mild. Der Deutsche Wetterdienst hat in seiner Station in Burgwald-Bottendorf Ende Januar eine Mitteltemperatur von 2,9 Grad gemessen. Zum Vergleich: 2018/2019 lag die Mitteltemperatur im gesamten Winter bei 2,3 Grad, 2009/2010 sogar bei -1,5 Grad. Besonders seit Ende der 1980er-Jahre sind die Winter-Durchschnittstemperaturen in Deutschland deutlich angestiegen, Schneetage wurden immer weniger. So auch in der Region Waldeck-Frankenberg: Im Dezember 2019 gab es lediglich zwei Schneedeckentage, im Januar keinen einzigen. 

Von Pascal Spindler

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare