Geschäftsführer Peter Löwer

Viessmann-Logistik: Über Nacht zu jedem Ort in Deutschland

Viessmann-Regionallager in Allendorf/Eder: Unser Bild zeigt Staplerfahrer Wladislaw Tichonin (links) und Peter Löwer, Geschäftsführer Viessmann Logistik International, beim Zusammenstellen von Lkw-Sendungen.
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Viessmann-Regionallager in Allendorf/Eder: Unser Bild zeigt Staplerfahrer Wladislaw Tichonin (links) und Peter Löwer, Geschäftsführer Viessmann Logistik International, beim Zusammenstellen von Lkw-Sendungen.

Ob mit Auto, Rad, Flugzeug oder Zug: Die Menschen sind viel und ständig unterwegs. In unserer Herbstserie „Mobilität“ berichten wir über alle Facetten rund um dieses Thema. Heute geht es um die Logistik des Klima-Spezialisten Viessmann aus Allendorf-Eder.

Interview mit Peter Löwer, Geschäftsführer Viessmann Logistik International GmbH.

Was der Kunde abends bis 18 Uhr bestellt, ist am nächsten Morgen bis 8 Uhr auf jeder Baustelle im gesamten Bundesgebiet. Gilt diese Viessmann-Zusage aus dem Jahr 2009 noch?

Löwer: Sie gilt, wenn es der Wunsch des Kunden ist, für die Lkw-Zustellung zu Zielorten im gesamten Bundesgebiet, mit Ausnahme der Inseln. Bei Paketzustellung klappt es sogar bei Bestellungen bis 20 Uhr am Vorabend. Weiterhin bieten wir einen Nightline-Service für Ersatzteile an. Diese sind bereits am nächsten Morgen bis 7 Uhr an einem vereinbarten Depot.

Wie viele Regionallager unterhält Viessmann in der Bundesrepublik?

Es gibt drei Regionallager, und zwar in Hannover, Allendorf-Eder und Augsburg. Damit erreichen wir bundesweit 19 Verteilgebiete mit jeweils einem Umschlagpunkt. Wir fahren beispielsweise von Allendorf aus mit 40-Tonner-Lkw zum Umschlagpunkt für das Verteilgebiet Stuttgart und laden die Ware dort für die „letzte Meile“ auf kleinere 7,5-Tonner um.

Wie groß sind die Regionallager (Fläche und Zahl der Mitarbeiter)?

Unser mit Abstand größtes Regionallager ist mit gut 12 000 Quadratmetern in Allendorf. Dort arbeiten im Schnitt 45 Mitarbeiter. Die Regionallager in Hannover und Augsburg sind deutlich kleiner mit jeweils etwa 5000 Quadratmetern Fläche.

Wie viele Einzelartikel gibt es in den Regionallagern?

Es gibt mehr als 40 000 unterschiedliche Artikel vom Dichtring bis zum etwa sechs Tonnen schweren Blockheizkraftwerk. Eine Standard-Lieferung wiegt etwa 200 Kilogramm.

Achten Sie auch auf Effizienz?

Das ist ein ganz wichtiges Thema. Es fängt schon damit an, wie die Ware verpackt ist. Auf dem Platz im Lkw, den früher ein Gas-Wandgerät Vitodens 200 mit Zubehör eingenommen hat, packen wir heute die doppelte Menge, weil wir das Zubehör getrennt verschicken. Wenn wir das Ladevolumen der Lastwagen voll ausnutzen, reduzieren wir damit die Kilometer auf der Straße. Und wo ich Geld spare, da spare ich auch Kohlendioxid.

Wie viele Sendungen werden pro Tag verschickt?

In der Spitze sind es mehr als 2000 Lieferungen pro Tag. Im Jahr 2019 haben wir knapp 1,3 Millionen Pakete ab Warenverteilzentrum versandt.

Bei der Warenverteilung setzt Viessmann fast ausschließlich auf Lkw. Das Warenverteilzentrum verfügt aber auch über einen Bahnanschluss. Ist es denkbar, diesen Bahnanschluss in absehbarer Zeit wieder zu aktivieren?

Ich wünsche mir, dass der Bahnanschluss reaktivierbar bleibt. Im Moment ist er für uns nicht wirtschaftlich nutzbar.

Lkw fahren heute fast ausschließlich mit Diesel. Können Sie sich auch andere Energieträger vorstellen? Womit werden Lkw nach Ihrer Einschätzung in zehn Jahren angetrieben?

Wir fahren bereits auf ausgewählten Strecken mit Gasfahrzeugen, zum Beispiel mit einem Lkw der Spedition Heinemann auf der Pendelstrecke zwischen Allendorf und unserem Werk in Faulquemont in Frankreich. In Belgien erfolgt die Kundenzustellung testweise mit einem Gas-betriebenen 7,5-Tonner-Lkw. Technisch können Lkw mit CNG (Compressed Natural Gas) oder LNG (Liquid Natural Gas) betrieben werden. Wir setzen mit Gas betriebene Fahrzeuge ein, um Erfahrungen zu sammeln, und sind dazu im Gespräch mit unseren Logistik-Partnern.

Wie sieht es mit elektrisch betriebenen Lkw aus?

Im Schwer- und Fernverkehr wird sich der Elektroantrieb nach meiner Einschätzung nicht durchsetzen, weil die Batterien zu schwer sind. Wasserstoff ist eine interessante Alternative. Dieser wird in ersten Fahrzeugen getestet, ist aber noch nicht ganz marktreif. Am Ende wird es vermutlich ein Mix aus verschiedenen Antriebsarten geben – je nach Anwendungsfall.

Der Viessmann-Standort Allendorf verfügt über keinen Autobahn-Anschluss. Erwarten Sie noch einen Lückenschluss zwischen Kreuztal und Hattenbach (B 508n)?

Das halten wir nach wie vor für wünschenswert. Wir liegen in der Mitte Deutschlands und auch in Europa relativ zentral.

Die Ortsumgehungen Münchhausen/Wetter/Lahntal im Zuge der B 252/B 62 sollen bis Ende 2024 fertiggestellt sein. Was wird sich für das Unternehmen Viessmann dadurch verbessern?

Grundsätzlich begrüßen wir Ortsumgehungen. Aber für Logistiker sind Fahrten in der Nacht essentiell. Wir müssen nachts fahren. Anstreben müssen wir eine Kombination aus Entlastung der Menschen und Erhalt der Mobilität. Es ist wünschenswert, dass es Umgehungen gibt, damit Lkw nicht direkt an den Häusern vorbei fahren. Das bedeutet Stress für alle Beteiligten. Die Strecke über die Sackpfeife ist auch nach ihrem Ausbau immer noch suboptimal. Die Bundesstraße 508n würde in westlicher und nördlicher Richtung eine Verbesserung bringen. Am Ende besteht das Leben aus Kompromissen.

Zur Person

Peter Löwer (54) ist Geschäftsführer (Managing Director) der Viessmann Logistik International GmbH. Nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften mit Diplom-Abschluss ist Löwer seit 1995 für die Firma Viessmann tätig. Berufsbegleitend absolvierte er ein Ergänzungsstudium als Wirtschaftsinformatiker, das er mit dem Master-Abschluss beendete. Bei Viessmann war Peter Löwer zunächst zehn Jahre im Bereich Informationstechnologie (IT) tätig und dann drei Jahre Prozess-Optimierer. Seit 2008 arbeitet er im Bereich Logistik. Löwer ist verheiratet und wohnt in Frankenberg.

Von Thomas Hoffmeister

Peter Löwer, Geschäftsführer Viessmann Logistik International GmbH.

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