Frankenau

„Wir sind am Ende" - Video - Interview mit H. Backhaus

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- Frankenau (jos). Tagelang habe sie nur geweint, sagt Angela Hoyer. Dann hat sie am Wochenende einige Zeilen aufgeschrieben. „Ich will die Menschen damit wachrütteln“, sagt die Schwester von Schäfer Holger Backhaus, der auf Anordnung des Darmstädter Regierungspräsidiums rund hundert möglicherweise am Q-Fieber erkrankte Tiere nach Frankenau gebracht hat.

Über wütende Reaktionen auf den Transport der Schafe ist in den vergangenen Tagen viel berichtet worden, auch in dieser Zeitung. Seit Bürgermeister Björn Brede vor zwei Wochen bei einer Pressekonferenz im Frankenauer Rathaus über den „Bakterien-Import“ in die Kellerwaldstadt informiert hat, ist es das Bestreben der WLZ-FZ gewesen, sachlich zu berichten und dabei auch die Sichtweise des betroffenen Schäfers wiederzugeben. Deshalb haben wir gleich nach der Pressekonferenz den Namen des Schäfers recherchiert und Holger Backhaus bei seinem Stall in einem Tal bei Frankenau besucht.

Von der Pressekonferenz wusste er zu diesem Zeitpunkt nichts. Er war mit den Nerven ohnehin schon völlig am Ende, weil er seit Tagen damit beschäftigt war, in seinem Stall Quarantäne-Bedingungen herzustellen. Nun musste er auch noch erfahren, dass sich in seiner Heimatstadt Widerstand formiert, der den Transport seiner Schafe zu verhindern versucht. „Holger ist Ihnen dankbar, dass Sie auf ihn zugegangen sind“, sagt dessen Schwester Angela Hoyer, als sie sich gestern bei der Frankenberger Zeitung meldet.

Doch obwohl der Schäfer in der FZ so eindrucksvoll geschildert hatte, dass er an der misslichen Situation keine Schuld trägt und ihm die Hände gebunden sind – Holger Backhaus wird ausgebuht, als er mit den möglicherweise erkrankten Schafen seinen Stall ansteuert. Angela Hoyers Besuch in unserer Redaktion gleicht einem Hilferuf. „Wir sind am Ende, wissen nicht mehr weiter“, beschreibt sie die Gefühlslage ihrer Familie, die sich verstoßen, isoliert und im Stich gelassen fühlt.

Angela Hoyer bittet uns, ihren Brief zu veröffentlichen, der sich an alle Frankenauer richtet. „Das ist auch der Wunsch meines Bruders“, versichert Angela Hoyer. Ihr Hilferuf im Wortlaut: „Ich schreibe hier, weil ihr mich kennt. Ich und meine Familie sind ein Teil eurer Gemeinde. Heute möchte ich euch mal ein Zeugnis zum Lesen geben, auch im Namen Gottes, denn ich möchte für meine gesamte Familie schreiben, denn die hat keine Kraft mehr. Wir sind keine schlechten Menschen, wir wollen euch nichts Böses. Wir würden niemals die Gesundheit von euch und euren Kindern gefährden. Ihr könnt mir glauben, wir haben selbst Familie und Kinder, für die wir immer das Beste wollen und geben. Wir alle würden niemals leichtfertig die Gesundheit anderer Menschen aufs Spiel setzen wollen, das schwöre ich, so wahr mir Gott helfe. ....

Hier geht es zum Video:

Mehr lesen Sie in der FZ vom Donnerstag, 22. September.

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