Christl Weimann zur Hospiz-Diskussion

"Wir vergessen den Menschen"

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Wieder in Frage stehener Standort für ein stationäres Hospiz: Das medizinische Versorgungszentrum im Frankenberger Bockental.Archivfoto: Malte Glotz

Frankenberg - Eine eigentlich beendet geglaubte Diskussion flammt wieder auf: die um den Standort eines stationären Hospizes für den Landkreis. Christl Weimann, die vor fast fünf Jahren den Anstoß für die Pläne gab, sieht dabei die Betroffenen in den Hintergrund gedrängt.

. Eine wohl gut gemeinte Geste sorgt für viel Aufregung im Landkreis und insbesondere im Frankenberger Land. Der Korbacher Herbert Kuhaupt will dem Kreis ein Hospiz stiften - unter der Bedingung, dass es in Korbach gebaut wird (WLZ-FZ berichteten). Gar nicht einverstanden ist damit Christl Weimann, Vorsitzende des Ambulanten Hospizes Frankenberg. Dabei geht es ihr nicht um den Standort, sondern um die Art, wie das Thema wieder auf die Tagesordnung kommt: durch die Öffentlichkeit: „Mir wäre es lieb gewesen, wenn Herr Kuhaupt erst mit dem Landrat gesprochen hätte“, sagt sie.

Sie erinnert an die langen Diskussionen, die es gab, nachdem sie selbst 2010 den Anstoß gegeben hatte, die Arbeit des Ambulanten Hospizes und des Korbacher Hospizvereins durch ein stationäres Hospiz im Landkreis zu verstetigen. „Ich dachte, diese Diskussionen würden endlich abgeschlossen sein“, sagt sie - und ein wenig Resignation in ihrer Stimme ist zu vernehmen. Sie verweist darauf, dass in Frankenberg mit dem ehemaligen medizinischen Versorgungszentrum im Bockental ein Gebäude bereit steht. „Und wir haben einen Investor und Betreiber, was mich sehr freut“, erklärt sie - und drückt ihre Sorge davor aus, dass das Internationale Bildungs- und Sozialwerk mit Sitz in Iserlohn, aufgeschreckt durch die neuerliche Diskussion, wieder abspringen könnte. Von diesem war vorerst keine Stellungnahme zu den Diskussionen um den Standort zu erhalten.

Gute Zusammenarbeit

der Vereine nicht gefährden

Das Internationale Bildungs- und Sozialwerk hatte im Voraus erklärt, es könne sich auch vorstellen, in Waldeck-Frankenberg zwei Hospize zu betreiben: eines für Kinder und Jugendliche in Korbach, eines für Erwachsene im Bockental. Zuletzt ging die Präferenz jedoch zu einem Mehr-Generationen-Haus in Frankenberg.

„Dieser Betreiber hat viele soziale Projekte in Deutschland“, verweist Weimann auf die Erfahrungen des Werkes. So wisse es genau um die Rahmenbedingungen der Verbände der gesetzlichen Krankenkassen für Hospize - mit mindestens acht Betten und einer Finanzierung, die zu mindestens zehn Prozent auf Spenden beruht. „Mir stößt auf, dass es jetzt Spenden nur für Korbach geben soll“, sagt Weimann. Sie betont, dass mit dem Hospizverein in Korbach eine ausgesprochen gute Arbeitsbasis im Sinne der Betroffenen herrsche: „Wenn ein Korbacher hier im Krankenhaus liegt, dann machen wir eine sorgsame Übergabe. Und umgekehrt genauso“, erklärt sie.

Und genau diesen Aspekt sieht die Vorsitzende des Ambulanten Hospizes in der derzeitigen Diskussion unter den Tisch fallen: „Ich habe das Gefühl, dass wir die Zielgruppe aus den Augen verlieren“, klagt sie: die Betroffenen und ihre Familien. „Unsere Arbeit dreht sich um den Menschen“ betont sie - und ergänzt, dass es letztlich gleich sei, wo im Landkreis das Hospiz entstehe: „Es ist wichtig, dass es vorangeht“, sagt Christl Weimann.

Im Sinne der Betreuten und ihrer Familien solle die Situation schnell geklärt werden: „Der Landrat soll Stellung nehmen“, fordert sie - und ebenso sollten dies die weiteren politisch Verantwortlichen tun. Mit diesem Aufruf für einen offenen Umgang verknüpft Christl Weimann auch eine Hoffnung für den Standort Frankenberg: „Wir hoffen, dass der Landrat sein Versprechen hält.“

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