Skatepark

"Wir wünschen uns einfach einen Zaun"

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Frankenberg - Scherben auf der Rampe, zersplittertes Holz, Löcher im Beton: Der Frust ist groß bei den Frankenberger Skatern. Seit nunmehr einem Jahr gibt es eine Benutzungsordnung für die Skateanlage. Doch daran scheinen sich nicht alle zu halten.

Langsam rollt Leon auf das Loch im Beton zu. „Das macht mir ja nichts aus“, sagt der junge Mann auf seinem BMX-Rad und fährt über den Schaden auf einer der Rampen im Skatepark - „aber die Skater sehen das sicher anders“, fügt er an. Sicher: Gerät das Rad eines Skateboards in das Loch, dürfte der Fahrer des selbigen nicht mehr lange auf dem Brett stehen.

Der leicht zu übersehende, aber nicht leichtfertig hinzunehmende Schaden auf der Betonpiste ist nicht nur ein Ärgernis, das die Gemüter von Bikern und Skatern in Frankenberg erregt. Hinzu kommt eine kaputte Half-Pipe, Scherben, Müll, Dreck - die Anlage in der Straße „Auf den Weiden“ ist in einem Zustand, den die Skater als „schlimm“ bezeichnen.

„Besonders schlimm ist es am Wochenende und jetzt während der Ferien“, berichtet Jan. „Die lassen ihren Müll hier liegen, Flaschen und Scherben“, beschwert sich der 22-Jährige und meint mit „die“ deutlich jüngere Nutzer der Anlage. „Hier trinken die, die noch nicht alt genug sind, um ins Bonkers zu gehen“, mutmaßt er - dabei ist Alkohol auf der durch die seit 13 Monaten gültige Benutzungsordnung untersagt. Die Hinterlassenschaften der Gelage an der Skateanlage nennt Jan „eine Gefahr“: „Hier sind Eltern mit ihren Kindern - ein platter Reifen ist da noch die kleinste Gefahr“.

Pragmatisch gehen Leon und Max an das Problem heran: „Wir leihen uns vom Hausmeister der Sportanlage einen Besen und machen dann selber sauber“, sagen die beiden, die besonders samstags und sonntags im Skatepark aktiv sind. Reifen-Platzer kennen die BMX-Freunde zur Genüge. Schwere Verletzungen habe es auf den Rädern bislang kaum gegeben - ihre Sorge gilt den Skatern: „Auf der Half-Pipe werden die Bretter zertreten“, sagt Max und weist auf die Holzbahn. Die würde kaum noch genutzt - und wenn, dann von trinkenden Jugendlichen als Sitzgelegenheit. Der Skater Simon ergänzt: „Die muss erneuert werden oder weg, dann können die Trinker wenigstens nicht mehr darauf sitzen“.

Bessere Sicht durch Schnitt

Rüdiger Heß kennt die Problematik an der Anlage: „Das ist immer wieder ein Thema“, sagt der Bürgermeister. Bei Beschädigungen würde die Stadt grundsätzlich Anzeige erstatten. „Wir arbeiten eng mit der Polizei zusammen, die Platzverbote erteilen kann, ansonsten sind uns aber die Hände gebunden“. Ordnungsamtsleiter Manfred Greif erklärt, dass die Bäume und Büsche zur Straße hin bereits ausgelichtet wurden, damit Streifen und auch der Hausmeister der Sportanlagen einen besseren Blick auf die Anlage haben. Greif berichtet von teils in aggressivem Ton verfassten E-Mail, die das Ordnungsamt von besorgten Sportlern erreichen. Darin würden wiederholt Provokationen seitens der Alkoholisierten erwähnt. „Und immer wieder ist von Alkohol die Rede“, fasst der Ordnungsamtsleiter zusammen.

Streifen kontrollieren Anlage

„Wir haben bis jetzt noch keine Anrufe erhalten, bei dem jemand sagte ‚Genau jetzt gibt es Probleme‘“, sagt hingegen Ottmar Vöpel, Dienststellenleiter der Frankenberger Polizei. Auch von Verunreinigungen habe er nur selten gehört: „Ich war erst am Dienstag wieder auf der Anlage, da war alles sauber und ordentlich - und auch die vergangenen Monate haben nichts anderes gezeigt“. Es gebe fraglos Vorfälle auf der Anlage, aber die gebe es an anderen Plätzen Frankenbergs auch, sagt Vöpel. „Wir wollen die Jugendlichen nicht verteufeln“, ruft er zur Mäßigung auf: „Das ist eine Freizeitanlage, da kann und soll man sich treffen.“ Die Skate­anlage werde bei Streifenfahrten regelmäßig kontrolliert, auch von den Mitgliedern des Freiwilligen Polizeidienstes. „Sie ist kein Kriminalitätsschwerpunkt“, betont der Frankenberger Polizeichef und ruft die Nutzer auf: „Wer sich von Jugendlichen belästigt fühlt, der soll sofort anrufen. Dann kommen die Kollegen vorbei.“

Doch auch ohne Kriminalität fühlen sich die Skater und Biker auf der Anlage in Ausübung ihres Hobbys gestört. Sie haben deshalb einen Vorschlag: „Wir wünschen uns einfach einen Zaun“, sagt Jan. An der Marburger Anlage sei das bereits Realität, nennt er ein Beispiel aus der Region. Er habe das Gefühl, dass es dort weniger Probleme gebe. Dem Vorschlag steht der Bürgermeister zumindest nicht ablehnend gegenüber. Heß weist zwar darauf hin, dass sich um das Auf- und Abschließen jemand kümmern müsste, und sagt klar: „Im Haushalt 2012 ist dafür kein Geld.“ Doch er verspricht auch: „Das Thema will ich im Hinterkopf behalten.“

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