Schiffelbach

Wer wird schon gerne Bauer ?

+

- Gemünden-Schiffelbach (gl). Seine Eltern haben keinen Bauernhof und trotzdem hat sich Michael Löwer entschlossen, Landwirt zu werden. Die Geschichte einer seltenen Entscheidung für die Scholle.

Es ist kalt draußen, der Schnee liegt dutzende Zentimeter hoch auf den Feldern, an den Straßenrändern türmen sich Berge aus Abraum. Wer den Stall von Heinz Otto in Schiffelbach betritt, merkt sofort einen deutlichen Temperaturunterschied. Die Luft ist feucht – die Milchrinder stehen Dampf atmend in Reih und Glied, genießen ihr Mahl. Etwas entfernt hantieren Hofbesitzer Heinz Otto und sein Angestellter Michael Löwer an einem Schlepper samt Güllefass.

Die beiden haben es eilig, sie treffen die letzten Vorbereitungen für den nächsten starken Frost. Sie arbeiten als Team, Hand in Hand, einer kann sich auf den Anderen verlassen. Dass Heinz Otto einen zuverlässigen, anpackenden Mitarbeiter wie Michael Löwer gefunden hat, war Zufall. Als der heute 23-Jährige im Herbst 2007 seinen Wehrdienst in Schwarzenborn im Schwalm-Eder-Kreis abschloss, begab er sich auf die Suche nach einer Lehrstelle.

An der Hans-Viessmann-Schule in Frankenberg hatte er die „Fachoberschule Elektrotechnik“ belegt. Ein Jahrespraktikum bei einem Kunststoff verarbeitendem Unternehmen in Gemünden hatte ihm zwar viel Freude bereitet, „aber das mein Leben lang zu machen, das wäre nicht so mein Ding gewesen“, sagt er. Zur selben Zeit war Heinz Otto auf der Suche nach einer Aushilfe für den Herbst. „Ich suchte jemanden für Bestellarbeiten und ich wusste, dass Michael Schlepper fahren kann. Dann habe ich mal angerufen.“ Löwer, der bereits früher auf dem Hof seiner Großeltern ausgeholfen hatte, standen gerade keine Lehrstellenangebote ins Haus. Er nahm das Angebot an.

Nach nicht einmal vier Wochen trat er an seinen neuen Chef: „Eine Ausbildung wäre auch nicht schlecht“ – er hatte Gefallen an der Arbeit mit den Tieren, den großen landwirtschaftlichen Maschinen gefunden. Einen Anruf beim Marburger Kreisbauernverband später hatte Michael Löwer einen Ausbildungsplatz. Nicht in der Elektrotechnik, sondern im Stall.

„Das Ziel ist, mich weiter zu bilden, jederzeit bereit zu halten und immer auf der Höhe der Zeit zu sein“, sagt Löwer. Mit seiner derzeitigen Position als Angestellter ist er daher erst einmal zufrieden.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Freitag, 31. Dezember.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare