Interview mit Johannes Haupt

Wirtschaftsförderer will Berufseinsteigern Landkreis schmackhaft machen

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Im Dienst für die heimischen Unternehmen im Kreis: Wirtschaftsförderer Johannes Haupt betont im HNA-Interview, dass die wirtschaftliche Stärke des Kreises im Branchenmix liegt. Gemeinsam mit den Betrieben will er unter anderem daran arbeiten, dass gerade für Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf leichter wird.

Waldeck-Frankenberg. Am Sonntag ist Johannes Haupt auf den Tag genau ein Jahr lang Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Waldeck-Frankenberg. Die HNA hat dies zum Anlass genommen, um mit ihm auf sein erstes Jahr als Wirtschaftsförderer des Kreises zurückzublicken. Haupt spricht aber auch über bevorstehende Aufgaben, die es zu erledigen gilt.

Herr Haupt, Sie sind als junger Arbeitnehmer nach Hamburg gegangen, um Jahre später, auch aus familiären Gründen, in ihre Heimat nach Waldeck-Frankenberg zurückzukehren. Raten Sie diesen Weg auch anderen jungen Menschen? 

Johannes Haupt:  Es wäre vermessen zu sagen, mein Weg sei der Beste. So richtig planen kann man den persönlichen Lebensweg ohnehin nicht. Ich war einer, der zunächst etwas anderes sehen wollte. Leute, die weg wollen, kann man nicht aufhalten. Es gibt aber eine ganze Reihe von jungen Menschen, die sich in der Region wohlfühlen und in Waldeck-Frankenberg bleiben und arbeiten wollen. Den müssen wir sagen: Kein Problem, es gibt hier mehr Möglichkeiten, als man vermutet.

Was meinen Sie konkret? 

Haupt:  Mit Blick auf die berufliche Perspektive und Ausbildung haben wir im Kreis jede Menge gut aufgestellter Betriebe und sind in Frankenberg und Bad Wildungen mit der Technischen Hochschule Mittelhessen vertreten.

Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben im Landkreis - gerade vor dem Hintergrund, dass junge Menschen in der Region gehalten werden sollen? 

Haupt:  Im Landkreis funktioniert die Kooperation schon sehr gut. Es gibt viele Initiativen – wie beispielsweise das Projekt Schule-Wirtschaft. Aber ich werbe auch immer dafür, die Zielgruppe nicht aus den Augen zu verlieren und dass noch stärker die Frage gestellt wird, wie man die Jugendlichen erreichen kann.

Wie wollen Sie die jungen Menschen noch besser erreichen?

Haupt: Wir haben über das so genannte Netzwerk ,Allianz gegen Fachkräftemangel’ mit Schülern und Auszubildenden aus der Region eine umfangreiche Befragung durchgeführt, um herauszubekommen, wie sich die jungen Leute hinsichtlich ihrer Berufswahl informieren und wer für sie konkret die Ansprechpartner sind. Die Auswertung läuft gerade. Anhand der Ergebnisse können wir dann Maßnahmen ansetzen, um die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie sind.

Was bezeichnen Sie als Rückgrat der Wirtschaft in Waldeck-Frankenberg? 

Haupt:  Die Stärke des Kreises aus wirtschaftlicher Sicht liegt im Branchenmix. Wir haben den produzierenden Bereich, der vor allem von zahlreichen kleinen und mittelständischen Betriebe getragen wird. Hinzu kommt natürlich der Tourismus. Wir verzeichnen in Bad Wildungen, wo der Schwerpunkt auf Gesundheit und Reha gelegt wird, sowie in Willingen die höchsten Touristenzahlen in Hessen.

Was fehlt in Waldeck-Frankenberg? 

Haupt:  Ich würde nicht direkt sagen, dass etwas fehlt. Wir haben hessenweit eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten. Im vergangenen Jahr sind von den heimischen Firmen 964 neue Jobs geschaffen worden. Das ist schon eine echte Hausnummer. Ich würde lieber sagen, dass eine Kernaufgabe der Wirtschaftsförderung in Zukunft darin besteht, die vorhandenen Firmen bestmöglich zu unterstützen, damit sie in Waldeck-Frankenberg bleiben und sich möglicherweise auch noch erweitern.

Wie wollen Sie das schaffen? 

Haupt:  Wir müssen die Unternehmen stets über Förderprogramme informieren und ihnen so die Möglichkeit geben, an EU-, Bundes- oder Landesmittel zu kommen, wenn sie beispielsweise planen, ihren Betrieb zu erweitern. Außerdem sind wir dafür verantwortlich, ihnen Wege zur Kooperation mit Entwicklungs- und Forschungseinrichtungen an Hochschulen oder Universitäten zu ebnen. Es gibt mittlerweile unzählige Programme in Deutschland und Europa, mit denen die Wirtschaft gestärkt werden soll. Wir von der Wirtschaftsförderung haben die Aufgabe, für die Betriebe in Waldeck-Frankenberg das richtigen Programm zu finden.

Von Philipp Daum

Was Johannes Haupt von einer Frauenquote in Aufsichtsräten von Unternehmen hält und wie er die Verkehrsinfrastruktur einschätzt, lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Quelle: HNA

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