Frankenberg

Wohlfühlresort: Konzept geht nicht auf

- Frankenberg (jos). Auf drei Säulen sollte das „Wohlfühlresort Frankenberg“ stehen: Schwimmbad, Fitnessclub und Gastronomie. Das dritte Standbein bricht nun weg: Familie Mengel zieht sich Ende September aus dem Café „Joliente“ zurück.

Es war die größte Investition in ein öffentliches Angebot in der Amtszeit von Bürgermeister Christian Engelhardt: 3,5 Millionen Euro haben die umfassende Sanierung und der damit verbundene Umbau des Ederberglandbades die Stadtwerke als hundertprozentiges Tochterunternehmen der Stadt Frankenberg gekostet. Vor drei Jahren war die Eröffnung des sogenannten Wohlfühlresorts. Die Idee: Schwimmbad, Fitnessclub und Gastronomie sollten sich gegenseitig befruchten, ein Wohlfühl-Ensemble bilden. Doch dieses Konzept ist aus Sicht des Gastronomie-Partners nicht aufgegangen. Mit dem Rückzug der Familie Mengel stehen die Stadtwerke vor einem Problem – denn ein Nachfolger für die Verpachtung des attraktiv und nobel ausgestatten Cafés „Joliente“ ist bislang nicht gefunden. Für Christian Mengel, Chef der Bäckerei Himmelmann, gab es zwei Gründe, sich aus dem Ederberglandbad zurückzuziehen: Zum einen ist er gerade dabei, sein Gastronomie-Unternehmen umzustrukturieren und die Übergabe des Geschäfts an zwei seiner Töchter vorzubereiten. Zum anderen ist aus seiner Sicht das Konzept „Wohlfühlresort“ nicht aufgegangen. Bereits im Mai habe er das Pachtverhältnis kündigen wollen. Nur zum Gefallen der Stadtwerke habe er noch bis in den Herbst weitergemacht. Zum Ende dieses Monats sei die Pacht nun gekündigt. – Grundsätzlich habe sich das Ederberglandbad nicht wie von den Betreibern gewünscht zu einem Familienbad entwickelt. „Es ist ein reines Sportbad“, sagt Mengel. Die umliegenden Schulen und die Bundeswehr würden das Bad rege nutzen – aber Familien seien dort kaum anzutreffen. Dafür fehle es beispielsweise an Liegestühlen und Orten, wo sich eine Familie für einen längeren Besuch des Bades „niederlassen“ kann. Außerdem seien die Öffnungszeiten für einen Familienausflug nicht geeignet: In der Mittagszeit hat das Bad für drei Stunden geschlossen. Ein Tagesausflug sei damit unmöglich. Mit dem neuen Hubboden in einem der Becken könne man zwar prima Wassergymnastik anbieten – aber eine Investition in Familienfreundlichkeit sei das nicht gewesen, ist sich Mengel sicher. Nach wie vor würden deshalb auch Frankenberger Familien lieber das Hallenbad in Battenberg besuchen. Bei der Konzeption des „Wohlfühlresorts“ sei außerdem ein grundlegender Fehler gemacht worden: Das Café hätte zum Freibad hin eingerichtet werden müssen, findet Mengel. Denn so, wie es angelegt ist, haben Freibad-Besucher keinen Zugang zu dem hochwertigen Gastronomie-Bereich. „Aus Kostengründen“ sei das Café „Joliente“ vor drei Jahren auf den Umkleide- und Saunabereich des Fitnessclubs „draufgesetzt“ worden, erklärte Karl-Heinz Schleiter, Chef der Stadtwerke, auf WLZ-FZ-Nachfrage. Er räumt ein, dass der gegenseitige Nutzen der drei Partner im „Wohlfühlresort“ nicht so groß sei, wie es vielleicht bei der Eröffnung erwartet wurde. Allerdings dürfe man eben auch nicht zu viel erwarten: Nach zwei Stunden Fitnessstudio gehe ein Sportler eben nicht unbedingt noch zum Abendessen in ein Restaurant. Was die Entwicklungen der Besucherzahlen im Hallenbad angeht, könnten die Stadtwerke zufrieden sein, findet Schleiter. „Wir haben Steigerungen erreicht. Die sind zwar vielleicht nicht so hoch wie erwartet, aber sie sind zufriedenstellend.“ Besuchten im Jahr 2006, also vor dem Umbau, noch rund 26 000 Menschen das Hallenbad, so waren es laut Schleiter im Jahr 2007 schon mehr als 33 000 – obwohl das Bad wegen der Umbauarbeiten erst im November geöffnet wurde. Im Jahr 2008 waren es schließlich fast 39 000 Besucher, im vorigen Jahr dann knapp 37 000. Rund ein Drittel der Besucher sind jeweils Vereine, Schulklassen und die Bundeswehr gewesen. Mit Hochdruck suchen die Stadtwerke nach einem Nachfolger für die Schwimmbad-Gastronomie. „Es ist schwer, jemanden zu finden“, gibt Schleiter zu. Es habe zwar schon etliche Verhandlungen gegeben. „So jemanden wie die Familie Mengel haben wir allerdings noch nicht gefunden“, berichtet der Chef der Stadtwerke. Es sei in der heutigen Zeit grundsätzlich schwer, Gastronomie zu betreiben, findet Schleiter. Das Catering im Ederberglandbad sei eine große Herausforderung, sagt auch Bürgermeister Christian Engelhardt, der Aufsichtsratschef der Stadtwerke ist. Es gehe immerhin um drei Bereiche: das Hallenbad-Catering, die Präsenz-Gastronomie und das Freibad-Catering mit dem Problem, dass die Saison kurz ist und das Geschäft komplett vom Wetter abhängig ist.

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