Am 13. Februar ist „Weltradiotag“

Wolfgang Klem aus Röddenau sammelt alte Rundfunkgeräte

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Kleine Schätze aus der Radiogeschichte: Wolfgang Klem in Röddenau sammelt seit fast 40 Jahren Rundfunk- und Phonogeräte aller Art, auch im Wohnzimmer hört er Musik aus alten Röhrengeräten. Seine kleine „Philetta“ von Philips aus den 1950er-Jahren ist sein Lieblingsstück. 

Röddenau – Seit fast 40 Jahren sammelt, tauscht, hegt und pflegt Wolfgang Klem aus Röddenau Rundfunkgeräte.

Weich rastet die elfenbeinfarbene UKW-Taste ein, geheimnisvoll flackert das dunkle Grün des „magischen Auges“, dann kommt satter Klang aus textilbespannten Lautsprechern in edlem Holzrahmen – für Wolfgang Klem in Röddenau haben alte Röhrenradios bis heute nichts von ihrer Faszination verloren.

Seit fast 40 Jahren sammelt, tauscht, hegt und pflegt er Rundfunkgeräte. Er kennt aber auch ihren historischen Wert als weltumspannendes, Menschen verbindendes Medium, was die Unesco 2011 dazu bewegte, alljährlich den 13. Februar zum „Weltradiotag“ auszurufen – und der wird heute wieder gefeiert.

Aber wer denkt, angesichts von Internet und neuen digitalen Medien habe das gute, alte Radio eigentlich ausgedient, der irrt: Nach Ansicht der Unesco bleibt das Radio das global am weitesten beanspruchte Medium, eine „Plattform für demokratischen Diskurs“ und auch gerade in autoritären Systemen eine „Arena für alle Stimmen, die ausgesprochen, repräsentiert und gehört werden wollen“. 

Insbesondere in Entwicklungsländern ist das Radio für Millionen von Menschen noch heute die oft einzige Informationsquelle.

Wolfgang Klem hat in seinem Leben die vielfältigen technischen Formen des Rundfunkempfangs miterlebt: Er erinnert sich an den großen Holzkasten mit Tragegriffen, den sein Röddenauer Grundschullehrer Konrad Schieferstein morgens auf dem Pult aufbaute, bevor gemeinschaftlich Schulfunksendungen in Live-Übertragung gehört wurden.

„Ein Höhepunkt in meiner Jugend war der Tag im Jahr 1953, als mein Vater Justus Klem für unsere Familie einen Röhrenempfänger vom Typ ‚SABA Meersburg-Automatic 6-3D’ anschaffte“, erzählt der 75-Jährige. Solch ein Gerät mit Holzgehäuse und vier Lautsprechern, fast 18 kg schwer, ausgelegt für Lang-, Mittel-, Kurzwelle und UKW, kostete damals 540 DM. „Ein stolzer Preis!“

Wolfgang Klem lernte den Beruf des Maschinenschlossers, arbeitete in seinem Leben 30 Jahre als Dreher und hat „den Elektrikern dabei immer gern zugeschaut“. 

Nachdem aber vor etwa 35 Jahren durch das Geschenk eines alten Radios des Nürnberger Herstellers „Lumophon“ sein Interesse an der Elektrotechnik historischer Geräte geweckt war, begann auch seine Sammelleidenschaft.

Auf Börsen und Flohmärkten in ganz Deutschland kaufte oder tauschte er Radios, suchte für defekte Geräte nach passenden Röhren, reparierte mehr und mehr selbst. „Alle, die ich habe, funktionieren auch“, sagt er stolz. „Schwierige Fälle“ überließ er aber gern auch Fachleuten. „Von denen habe ich immer noch was dazu gelernt.“

Seine Röhrengeräte haben ihn über die Transistoren- und Digitalzeit begleitet und begeistern ihn heute noch. „Analoge Wärme statt digitaler Kälte“ demonstriert er bei einem Gang durch seine Sammlung.

Im Esszimmer der Klems stehen gleich vier Radios, seine ersten Sammlerstücke, und als stilvolles Möbelstück: eine SABA „Phonotruhe“, die den großen Musik-Klang der Welt besonders qualitätvoll ins Haus holt.

Einen Ehrenplatz hat auch eine kleine „Philetta“ von Philips aus den 1950er-Jahren. Kompakt, Tastensatz in der Mitte, Lautsprecher mit Grobrillenabdeckung. „Mein Lieblingsstück!“

Volksempfänger, Radioklub, Seifendose

Auch wenn am 28. Oktober 1923 bei der ersten Sendung aus dem Berliner Vox-Haus ein Foxtrott ertönte – in der Pionierzeit des deutschen Rundfunks in den 1920er-Jahren hatte das Radio mit Wirtschafts-, Börsen- und Politiknachrichten schon eine eminent politische Funktion, bevor sich der „Unterhaltungsrundfunk“ durchsetzte.

In Frankenberg bildete sich 1927 ein „Radioklub“, der in der Gaststätte „Zum Ritter“ tagte. Die NS-Regierung entwickelte mit dem technisch schlichten, deshalb für breite Volksmassen erschwinglichen „Volksempfänger“ ein höchst wirksames Propagandamedium (Volksmund: „Goebbelsschnauze“). Hitler-Reden tönten im Frankenberger Land zu angeordneten „Gemeinschaftssendungen“ aus den Fenstern der Gastwirtschaften.

Nach Kriegsende sollte nach dem Willen der drei Siegermächte das Radio nie mehr zentrales Instrument der Informationsvermittlung werden. Erst 1949 wurden wieder Sender öffentlich-rechtlich verfasst in deutsche Hände gegeben, 1950 entstand die ARD.

Frankenberger kauften ihre ersten UKW-Radios ab 1951 bei Radio Riessner am Untermarkt. Dort erlebten sie am 27. Mai 1953 im Schaufenster auch die ersten Fernsehsendungen, in Dodenau im Radiogeschäft Müller.

Aus Amerika und Japan drängte kurz darauf die neue Transistortechnik mit kleinen Geräten, nun auch das beliebte „Kofferradio“, auf den Markt. 

An der Edertalschule bauten Schüler in den 1950ern erste Transistorradios in einer Seifendose. Es gab damals in Deutschland 36 Firmen, die Radiogeräte herstellten – geblieben sind nur noch ganz wenige.

Die Zukunft gehört dem Internetradio mit vielen tausend Sendern sowie dem digital-terrestrischen Radio mit DAB+ (Digital Audio Broadcast). Ab dem 21. Dezember 2020 müssen neue Radiogeräte digital empfangen können. 

Wie lange man noch auf den alten Röhrengeräten UKW hören kann, ist nicht abzusehen – irgendwann wird abgeschaltet.  

VON KARL-HERMANN VÖLKER

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