"Wunder" im Briefkasten: Flugblätter werben für angebliche Geistheilung

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Kleine Broschüren, große Versprechen: Mit solchen Infoblättern wirbt der Bruno-Gröning-Freundeskreis derzeit für Veranstaltungen in Bad Wildungen und Waldeck, wo man angeblich in die Geheimnisse der „Heilung auf geistigem Weg eingeführt wird.

Wer dieser Tage in Bad Wildungen seinen Briefkasten öffnet, dem flattern Flyer mit großen Versprechen entgegen. „Hilfe und Heilung auf geistigem Weg“ sei möglich, verkünden sie.

Das funktioniere bei Schwierigkeiten in Schule und Beruf genauso wie bei Krankheiten, selbst vermeintlich unheilbaren. Polizei, Ärzte und Kirche warnen allerdings vor dem Freundeskreis, der hinter den Flugblättern steckt.

Der Bruno-Gröning-Freundeskreis wirbt mit diesen Flugblättern für Vorträge: Im Waldecker Bürgerhaus am Freitag, 19 Uhr, und im Bürgerhaus Altwildungen am Samtag, 11 Uhr, sollen Menschen die Lehre Grönings kennenlernen, der in um 1950 mit angeblichen Wunderheilungen Schlagzeilen machte. Die HNA beleuchtet das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln:

DER FREUNDESKREIS 

Wie eine solche Veranstaltung ablaufen kann, hat eine HNA-Reporterin vor kurzem im Nachbarkreis Kassel erlebt. Dort wurde den Besuchern von einem „Heilstrom“ berichtet, den man empfangen könne. Auch Menschen, die angeblich dadurch eine Krankheit überwanden, traten auf. Ein Mann aus dem Freundeskreis betonte zudem nach Veröffentlichungen in der HNA, man sei nicht unseriös. Der Freundeskreis lebe durch Spenden. Die Teilnahme an Vorträgen und Seminaren sei kostenlos, jeder könne den Freundeskreis jederzeit verlassen. Er selbst habe schon „mehr als 80 Mal“ein Bild Grönings auf kranke Körper aufgelegt und diese geheilt, so die Behauptung. Passend dazu heißt es auf einem zweiten Flyer, der auf eine Filmvorführung über Grönings Wirken hinweist (18. Juli, Bürgerhaus Altwildungen, 15 bis 20.30 Uhr): „Es gibt kein Unheilbar - Gott ist der größte Arzt!“

DIE POLIZEI 

Außerhalb des Freundeskreises werden dessen Versprechen allerdings skeptisch gesehen. Wunder kommen eben selten per Postwurfsendung. „Solche zwielichtigen Flyer sollte man gleich in den Papierkorb werfen“, riet Wolfgang Jungnitsch, Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen, bereits den HNA-Lesern. Diese Veranstaltungen seien ähnlich wie Kaffeefahrten. „Man sollte auf den gesunden Menschenverstand setzen.“ Verhindern könne die Polizei solche Veranstaltungen nicht.

DIE ÄRZTE 

Auch Mediziner sehen die Gruppierung kritisch. Dr. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, Präsident der Landesärztekammer, machte vor kurzem der HNA die Position deutlich: Man stehe dem Freundeskreis „ablehnend gegenüber“. Die Organisation vertrete keine „medizinische Fachmeinung, sondern eine esoterische Weltanschauung“. Belege für die medizinische Prüfung angeblicher Heilungen würden nicht vorliegen. Von Knoblauch zu Hatzbach: „Menschen, die sich von solchen Veranstaltungen Heilerfolge versprechen, raten wir von der Teilnahme ab.“

DIE KIRCHE 

Auch die Evangelische Kirche hat den Bruno-Gröning-Freundeskreis auf HNA-Anfrage bereits kritisch bewertet: Der behauptete Nachweis der Wirkung des „Heilstroms“ werde von der Kirche „stark angezweifelt“, sagte Pfarrer Oliver Koch, Beauftragter für Sekten und Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck. Der Freundeskreis vertrete ein okkult-magisches Weltbild. Durch die Werbungen wecke der Freundeskreis „große Erwartungen in Menschen, die teilweise schwer krank sind“, so Pfarrer Koch.

DER NAMENSGEBER 

Bruno Gröning selbst - wegen seiner Heiltätigkeit zu Lebzeiten mit einem behördlichen Verbot belegt und in einem speziellen Fall von einem Gericht zu acht Monaten Bewährungsstrafe verurteilt - hat der Heilstrom offensichtlich nicht vor einem frühen Tod bewahren können. Wie Der Spiegel seinerzeit in einem Nachruf berichtete, starb er 1959 im Alter von 52 Jahren. Gröning litt an Krebs.

Quelle: HNA

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