Ausverkauftes Haus bei Goethes „Iphigenie auf Tauris“ in der Ederberglandhalle

Von Wunsch und Pflicht

Iphigenie auf Tauris: Das Frankenberger Publikum honorierte die Leistung der Mitwirkenden am Ende mit lang anhaltendem Beifall. Foto:  Moniac

Frankenberg. Friedlich nach Hause zurückkehren und eine Zukunft mit Bruder und Schwester leben: Nichts sehnlicher als das wünscht sich Iphigenie, doch leicht wird es der jungen Griechin in Goethes klassischem Drama „Iphigenie auf Tauris“ nicht gerade gemacht. In der Bearbeitung von Anne-Sylvie König und Amina Gusner spielte das Tournee-Theater Thespiskarren in einer Co-Produktion mit dem Stadttheater Minden den Fünfakter in der Ederberglandhalle Frankenberg, die dank der Oberstufenschüler der Edertalschule komplett ausverkauft war.

Iphigenie lebt seit mehreren Jahren als Gefangene auf der Insel Tauris, hat jedoch durch ihr liebenswertes Wesen große Beliebtheit erlangt und segensreich gewirkt. König Thoas möchte sie sogar zur Frau nehmen, was Iphigenie allerdings hinauszuzögern versucht. Dann die unerwartete Chance zur Heimkehr: Iphigenies Bruder Orest und sein Freund Pylades kommen auf die Insel, und nach einem längeren Versteckspiel planen die drei die Flucht.

Nur: Hat Thoas wirklich Verrat und Lüge verdient? Hat er sich nicht stets gütig und aufrichtig gezeigt? Iphigenie schwankt zwischen den persönlichen Wünschen und ihrem Pflichtgefühl und entscheidet sich für eine friedliche Lösung ohne Blutvergießen und Hinterlist.

Die fünfköpfige Schauspielergruppe spielte das Stück in atemberaubendem Tempo und mit großartiger Bühnenpräsenz. Anfangs gewöhnungsbedürftig, dann aber in seiner schlichten Funktionalität überzeugend war das Bühnenbild, das den Tempel der Diana zeigte, mittels beweglicher Säulen und raffinierter Beleuchtungseffekte aber problemlos auch andere Situationen suggerierte.

Kein Goethe im Original, sondern eine Art Modernisierung mit eingefügten Kommentaren und Äußerungen in Umgangssprache, die zur Freude vor allem des jungen Publikums auch nicht auf kräftige Schimpfwörter verzichtete. Dazu ein tätowierter Orest, ein vor Liebessehnsucht fast kranker König mit Schlapphut und Tanzeinlagen im Rap-Stil: Die Bearbeitung machte deutlich, dass die Geschichte der jungen Griechin durchaus auch Bezug zur heutigen Zeit haben kann. Und wem die Perfektion des klassischen Menschenbildes allzu harmonisch erschien, der mochte darüber grübeln, welche Effekte Thoas’ mehrfach variierte, nicht so ganz friedliche Reaktionen auf die Pläne der Griechen hervorrufen könnten.

Von Marise Moniac

Quelle: HNA

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