Frankenberg

„Wunschmedizin“ kann teuer werden

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- Frankenberg (mba). „Amnog“ ist die Abkürzung für ein neues Gesetz, das seit Anfang Januar Apothekern Kopfzerbrechen bereitet und viele Patienten verunsichert. Seinem Namen nach soll es den Arzneimittelmarkt neu ordnen.

Das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (Amnog), das am 1. Januar in Kraft getreten ist, schaffe laut einer Mitteilung auf der Internetseite der Bundesregierung „eine neue Balance zwischen Innovation und Bezahlbarkeit von Medikamenten, indem es fairen Wettbewerb und eine stärkere Orientierung am Patienten miteinander verknüpft.“ Für die Apothekerin Beatrix Hajek aus Frankenberg und ihre Kollegen Gerhard Grabowski aus Battenberg und Wolfgang Engel aus Rosenthal muss das wie Hohn klingen. Ihre Erfahrung ist: Das Gesetz macht das tägliche Geschäft vor allem ein großes Stück komplizierter.

Das Gesetz sei „mit der heißen Nadel gestrickt“, sagt Grabowski: „Es geht nur noch um Kosteneinsparung. Wie die zustande kommt, ist völlig egal.“ Der Kosteneinsparung sollte bereits die Einführung eines Rabattsystems im Jahr 2004 dienen – und schon diese Neuerung sorgte für Komplikationen. Die Sache mit den Rabattverträgen ist für die Apotheker ein einziges Ärgernis: Es koste sie und ihre Kollegen viel Zeit und halte sie bei der Arbeit auf, sagt Hajek: „Wir müssen bei jedem Rezept im Computer nachsehen, welcher Hersteller für welches Medikament mit welcher Krankenkasse einen Rabattvertrag ausgehandelt hat.“

Eine der „kundenorientierten“ Regelungen des neuen Gesetzes ist, dass die Apotheken-Kunden sich für ein bestimmtes Wunsch-Präparat entscheiden können, auch wenn ihre Krankenkasse dafür mit dem Hersteller keinen Rabatt ausgehandelt hat – vorher ging das nur in Ausnahmefällen. Klingt eigentlich kundenfreundlich, doch so ein „Medikamentenwunsch“ kann für den Patienten teuer werden: Sie müssen in so einem Fall nämlich die Medizin direkt in der Apotheke aus eigener Tasche bezahlen und sich anschließend den Preis von ihrer Kasse erstatten lassen. Erstattet wird allerdings nicht der volle Betrag, sondern lediglich ein Anteil. Wohl deshalb habe noch keiner ihrer Kunden die neue Wahlmöglichkeit in Anspruch genommen, sagt Hajek.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Mittwoch, 16. Februar

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